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Bundesliga: Als Borussia Mönchengladbach dem FC Bayern die Meisterschaft klaute

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Bundesliga: Als Borussia Mönchengladbach dem FC Bayern die Meisterschaft klaute

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Meisterschaftsrennen auf der Rasierklinge

Meisterschaftsrennen auf der Rasierklinge

Es gab Zeiten, in denen die Meisterschaft erst am letzten Spieltag wurde. Wie im Juni 1971, als Borussia Mönchengladbach und Bayern München vor dem Saisonfinale ein Törchen trennte. SPORT1 erinnert sich.
5. Juni 1971: Das nervenaufreibende Fernduell um den Titel - in dem sich Titelverteidiger Mönchengladbach gegen den FC Bayern durchsetzt.
Udo Muras
Udo Muras

So ein Finale wünscht sich jeder Fußballfan. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Erst in ihrer achten Spielzeit kürt die Bundesliga ihren Meister am letzten Spieltag. In diesen gehen Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach und Tabellenführer Bayern München am 5. Juni 1971 punktgleich und mit nahezu identischem Torverhältnis.

Hauchdünn spricht es für die Bayern (74:34), Borussia liegt ein Tor zurück (73:34), so dass der DFB bereits ein mögliches Entscheidungsspiel terminiert hat: Dienstag 8. Juni, Berlin. Doch so weit kommt es nicht. Zur Halbzeit steht es in Frankfurt, wo die Borussia spielt, 1:1, und in Duisburg 0:0. Beide Titelaspiranten treffen auf hochmotivierte Gegner. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Die Eintracht kann bei einer Niederlage absteigen, die Duisburger wollen lieber Gladbach als Meister sehen und werden von zahlreichen Fans aus dem benachbarten Mönchengladbach angefeuert. Borussen-Trainer Hennes Weisweiler spornt seine Kicker in der Kabine an: „Wir gewinnen 3:1!“

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Selbst der DFB rechnete nicht mit einem Erfolg der Borussia

Knapp daneben, es kommt noch besser. Erbittert leistet die Eintracht vor 65.000 Zuschauern Widerstand, dann erhöht Horst Köppel auf 1:2 (70.). Über Transistorradios, die auf der Borussen-Bank gehört werden, erfahren sie von der Duisburger 2:0-Führung, die Rainer Budde nach der Pause binnen 14 Minuten herausschießt.

Aber noch ist Borussias Sieg nicht sicher. Dafür sorgt schließlich Torjäger Jupp Heynckes, der dem 1:3 (70.) nach Vorarbeit von Herbert Laumen auch das 1:4 (78.) folgen lässt – jeweils mit links. Die erste geglückte Titelverteidigung der Bundesliga ist trotzdem ein hartes Stück Arbeit.

Jupp Heynckes spielte gegen die Eintracht groß auf
Jupp Heynckes spielte gegen die Eintracht groß auf

Für den DFB ist sie eine kleine Überraschung, der Verband hat das Original der Meisterschale nach Duisburg verfrachtet. Doch die Bayern bekommen sie nicht.

Für sie ist es ein schwarzer Tag, der schon unter schlechten Vorzeichen beginnt weil der DFB ihren Bomber Gerd Müller wegen eines Platzverweises in der Winterpause in Peru nach wochenlangem Hickhack ausgerechnet für das entscheidende Spiel der Saison sperrt – wie auch Mittelfeldspieler Charly Mrosko.

Lattek wechselt versehentlich dreifach

Ein ungewöhnlicher Vorgang, normal wird der DFB bei Privatspielen im Ausland nicht aktiv, doch weil die Bayern in persona von Manager Robert Schwan die Platzverweise generell bestritten und deshalb glatt gelogen haben, sieht sich der DFB verpflichtet, sie zu sanktionieren.

Noch mehr läuft schief an diesem Tag. Trainer Udo Lattek begeht einen Wechselfehler, indem er nach 82 Minuten einen dritten Spieler bringt, wo doch 1971 nur zwei erlaubt sind. Er holt Günter Rybarczyk nach Publikumsprotesten zwar schnell wieder runter und schickt Johnny Hansen wieder rein, aber das Spiel ist spätestens in diesem Moment verloren.

Doch es steht sowieso schon 0:2 und weil es dabei bleibt, gibt es keinen MSV-Protest. Der Grund für Latteks Fauxpas: Vorher müssen schon Uli Hoeneß und Torwart Sepp Maier nach einer Zuschauerattacke verletzt raus, Lattek aber denkt er dürfe generell zwei Feldspieler tauschen – Irrtum.

Die Bayern scheitern in Duisburg

Duisburgs Zuschauer und Spieler machen den Bayern den Nachmittag zur Hölle, Franz Beckenbauer wird von den MSV-Fans angepöbelt. „Südamerika-Fußball“ in der Bundesliga, titelt der Münchner Merkur, und das ist kein Kompliment.

Das Wedau-Stadion, das zeigt sich auch an diesem Nachmittag, als in anderen Arenen im Abstiegskampf der Bundesligaskandal sein letztes Kapitel auf dem Platz schreibt (Spiele wurden manipuliert), ist kein glücklicher Ort für die Bayern.

Borussia Mönchengladbach dagegen fühlt sich wohl in Frankfurt, sowohl im Stadion als auch auf dem Flughafen, wo ihr ein DFB-Emissär noch vor der Rückreise die Meisterschale überreicht. Wahrlich kein normaler letzter Spieltag.

Für Franz Beckenbauer und seine Münchner war es ein rabenschwarzer Tag in Duisburg
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