Es gibt kaum Worte dafür, wie gut das gerade alles ist für die Bundesliga: Freiburg Tabellenführer, punktgleich mit dem BVB. Dahinter erst die Super-Bayern, punktgleich mit Union Berlin.
Der genervte Nagelsmann - ein Segen! Freiburg und Union retten Bundesliga | Kolumne
Kaum Worte, wie gut das gerade ist
„Schluss!“ möchte man rufen, „Abpfiff!!“, weil es so ein großes Geschenk wäre, wenn es auch zum Saisonende genauso aussieht.
Dieser genervte Julian Nagelsmann, dem Platz 3 im Moment, nach eigener Aussage, „relativ scheißegal“ ist - ein Segen! Weil ihm, als Riesenfan und detailbesessenem Cheftrainer des FC Bayern, das nämlich überhaupt nicht egal ist.
Nagelsmann, da kann man mit so ziemlich jedem sprechen, der ihn in der täglichen Arbeit auch gerade wieder erlebt, möchte immer gewinnen. Immer vorne stehen. Immer Erster sein. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
SC Freiburg: Konstanz hat einen Namen
Ist er aber nicht. Ist der SC Freiburg. Der Verein, der dank wahnsinnig guter, konstanter Arbeit in den vergangenen Jahren mittlerweile auch über einige, aber eben nicht im Ansatz die Mittel verfügt, die die Bayern zur Verfügung haben. Freiburg ist ein anderer Planet als München.
Kein Spieler des Sport-Clubs würde bei den Bayern in der Startelf stehen, zumindest nicht, wenn es wichtig wird. Vielleicht mal im Kader. Der durchschnittliche Marktwert eines Freiburger Spielers liegt bei 5,4 Millionen Euro, der des Bayern-Profis bei 35,3 Millionen (Quelle: transfermarkt.de).
Und doch haben die Freiburger etwas, das sie in München so nicht kennen: Die Liebe, die Unterstützung und den Applaus aus der gesamtem Fußballrepublik, gut, okay, abzüglich der Bayern-Fans.
Union Berlin: Der etwas andere Klub
Und in Berlin, bei Union, die aktuell drauf und dran sind, eine urbane Version des Freiburger Modells hinzulegen, ist es ganz ähnlich. Sie machen ihr Ding. Eben nicht so, wie es andere machen oder „wie man es halt macht“, sondern voll auf ihre eigene Art und Weise. Ausgetrampelte Pfade interessieren die Unioner nicht.
Das ist vielleicht abgedroschen, weil so ein bisschen Kalenderblatt-Philosophie, aber diese eine Überzeugung, das ist verbrieft, kreist sowohl bei Union als auch in Freiburg: Es ist ganz wichtig, auch mal den falschen Weg zu gehen, denn nur so findet man den richtigen.
Sie probieren, sie experimentieren, aber sie machen nur, woran sie glauben. Sowohl Union als auch Freiburg spielen in dieser Saison im Europapokal, eine großartige Belohnung für besonders gute Arbeit im deutschen Profifußball.
Resignation der Bayern-Konkurrenz
Was ein echtes Problem ist, da oben in der Bundesliga, ist, dass alle Großklubs hinter den Bayern im Grunde aufgegeben haben. Würden sie nicht so sagen, ist aber so. Ich meine den Kampf um die Meisterschale. Sie geben sich zufrieden mit Platz zwei und drei. Champions League dabei, reicht. Was für eine Krankheit.
Traut euch doch mal wieder das maximal Mögliche als Ziel auszurufen! Und zwar laut! Wir wollen die Meisterschale! Nicht Bayern, wir!
Macht keiner mehr, traut sich keiner mehr. Stattdessen wird über die so unterschiedlichen Budgets und „ganz anderen Möglichkeiten in München“ fabuliert. Es mag ja auch so sein, aber es ist einfach der falsche Ansatz. Alibi-Gerede.
Die Retter der Bundesliga
Freiburg, auch Union, das sind jetzt die neuen Hoffnungsschimmer für Fußball-Deutschland. Bessere Arbeit kann wirtschaftliche Unterlegenheit ausgleichen, das war schon immer so, dafür gibt es unzählige Beispiele. Man muss es sich nur mal wieder vor Augen führen, so richtig, statt zufrieden am Schreibtisch zu sitzen. Oder auf der Ehrentribüne. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Was sie in Freiburg bewegen, wie sie bei Union arbeiten, das sollte größte Motivation sein. Für alle, im Kampf gegen die Bayern-Langeweile. Was die großen „Kleinen“, die neuen Aufrührer, da auslösen und beweisen, davon sollten sich alle anstecken lassen. Damit lässt sich die Bundesliga retten.