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Das Wunder vom Betzenberg! Als Kaiserslautern die Bayern um Beckenbauer blamierte

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Das Wunder vom Betzenberg! Als Kaiserslautern die Bayern um Beckenbauer blamierte

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„Tragödie“: Bayerns größte Blamage?

1973 erlebte der Betzenberg ein kleines Fußball-Wunder. Der 1. FC Kaiserslautern düpiert den FC Bayern. Nach der Niederlage geht es in der Kabine grotesk zu.
20. Oktober 1973: Der FCK feiert das Wunder vom Betzenberg. Nach einem 1:4-Rückstand beginnt die Aufholjagd der Roten Teufel und sie besiegen die Bayern mit 7:4.
Udo Muras
Udo Muras

Am 20. Oktober 1973 sah der traditionsreiche Kaiserslauterer Betzenberg ungeachtet all der Meisterschaften der Walter-Elf sein denkwürdigstes Spiel, das von der Zeitschrift Sport Bild 2011 zum „geilsten Spiel aller Zeiten“ gekürt wurde.

Bayern-Fans dürften da wohl anderer Meinung sein. Souverän führte der Meister damals nach 58 Minuten 4:1 - das Spiel war entschieden, oder? War es nicht, obwohl das auch schon Hunderte von Zuschauern dachten, die bereits abwanderten.

Was sie verpassten, ist unersetzlich, weil es so etwas selbst auf dem Betzenberg, wo meist unter Flutlicht noch so manches Wunder geschah, nie mehr gegeben hat.

In 31 Minuten schlug der Ball sechs Mal im Tor von Sepp Maier ein - das war damals Bundesligarekord - und Bayern verlor noch 4:7. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Die Helden vom Betzenberg

Der Name Seppl Pirrung ist mit diesem Oktober-Samstag untrennbar verbunden, der kleine Dribbler erzielte drei Tore im größten Spiel seiner Karriere; Herbert Laumen traf zweimal, ferner der Torschütze vom Dienst, Mittelstürmer Klaus Toppmöller, und Verteidiger Ernst Diehl, der nur im Ausnahmefall ein Tor schoss.

Oft verschwiegen wird, dass die Gäste nach dem Platzverweis für den zweimaligen Torschützen Bernd Gersdorff die letzte Viertelstunde in Unterzahl bestreiten mussten. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Da stand es noch 4:4, dann schossen Verteidiger Ernst Diehl und Stürmer Herbert Laumen (zwei) noch drei Treffer in den Kasten von Nationaltorwart Sepp Maier, der auf der Rückfahrt laut sinnierte, künftig sein Tor besser „mit Brettern zu vernageln“.

Auf der Bank vergoss der junge FCK-Trainer Freudentränen, Erich Ribbeck sprach vom „größten Tag meiner Laufbahn“. Kollege Udo Lattek musste sich zurückhalten, war aber „nahe daran heute einige Spielern öffentlich anzugreifen.“

Nur das bevorstehende Europacup-Spiel gegen DDR-Meister Dynamo Dresden hielt ihn davon ab.

Neudecker weist Lattek zurecht

Kapitän Franz Beckenbauer war die Ratlosigkeit in Person: „Ich habe keine Erklärung dafür, ich stehe vor einem Rätsel.“

Bayern-Manager Robert Schwan sprach von einer „Tragödie“ und betonte: „Man kann auch nicht sagen, irgendeiner anderen Mannschaft passiert das auch einmal. Wir sind nicht irgendeine Mannschaft.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

In der Tat, am Ende der Saison wurden fünf der Verlierer von Kaiserslautern Weltmeister, Europacup-Sieger und Deutscher Meister, nur dem verletzten Paul Breitner, Weltmeister Nummer sechs, blieb die Schmach erspart.

Das ist sie bis heute, denn nie hat der FC Bayern in einem Bundesligaspiel mehr Tore kassiert als damals in der Pfalz, zweimal wurde der Minuswert noch eingestellt - 1976 beim 0:7 zuhause gegen Schalke, 1978 in Düsseldorf (1:7). Auch da stand jeweils Maier im Kasten.

Nach dem Spiel wurde es grotesk in der Bayern-Kabine: Präsident Wilhelm Neudecker tobte herum, wies Trainer Lattek wegen der Kaffeekränzchen, die seine Frau mit den Spielerfrauen veranstalte, zurecht. Das störe die Harmonie im Kader.

Zudem forderte er diejenigen Spieler auf, die nicht mehr für Bayern spielen wollen, den Arm zu heben. Das tat keiner.

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