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TSG Hoffenheim in der Krise: Alt und lahm statt jung und wild

Alt und lahm statt jung und wild

Die TSG Hoffenheim ist in dieser Saison vom einst angestammten Weg abgekommen. Die Zweifel am Team wachsen. Ist der Klassenerhalt so überhaupt noch möglich?
Die TSG Hoffenheim steckt tief in der Krise
Die TSG Hoffenheim steckt tief in der Krise
© Imago
Die TSG Hoffenheim ist in dieser Saison vom einst angestammten Weg abgekommen. Die Zweifel am Team wachsen. Ist der Klassenerhalt so überhaupt noch möglich?

Jung und wild! So lautete das Motto, als die TSG Hoffenheim unter dem damaligen Trainer Ralf Rangnick in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Am ersten Spieltag der Saison 2008/09 waren die ältesten Feldspieler Andreas Ibertsberger und Per Nilsson 26 Jahre alt. Der Durchschnitt der Startelf lag bei 23,27 Jahren, der Ansatz war mutig, offensiv, ohne taktische Fesseln und frisch. Die Kraichgauer waren ein Aufsteiger, der der Bundesliga guttat.

TSG stellte am 23. Spieltag die zweitälteste Mannschaft

Rund 15 Jahre später gleicht die Startelf eher dem Motto alt und lahm. Torhüter Oliver Baumann (32), Kevin Vogt (31), Pavel Kaderabek (30), Thomas Delaney (31) und Andrej Kramaric (31) haben alle die im Fußballalter hohe „3″ vorne stehen. Am Ende der Partie stand eine Mannschaft mit dem Altersdurchschnitt von 28,2 auf dem Platz - die zweitälteste des 23. Bundesliga-Spieltags.

Die TSG hat Stück für Stück das verloren, was den Klub auch außerhalb der Region durchaus Sympathiepunkte eingebracht hat. Spätestens die Winter-Transfers waren eine endgültige Abkehr des Weges.

Neben Delaney kam mit John Anthony Brooks viel Erfahrung. Von der einstigen Klasse ist beim Duo bislang aber wenig zu sehen. Zudem rennt der dritte neue Mann, Kasper Dolberg, den hohen Erwartungen hinterher. Der einst als Toptalent geltende Mittelstürmer konnte bislang noch keinen Bundesligatreffer erzielen.

Der Ausfall von Prömel schmerzt

Der Kader ist von den Einzelspielern her auf dem Papier zwar ordentlich besetzt. Einige Profis haben jedoch ihren Zenit überschritten. Zudem ist da die Schlüsselpersonalie Grischa Prömel.

Mit dem 28-Jährigen im defensiven Mittelfeld holte das Team fünf Siege und drei Remis aus den ersten 13 Saisonpartien. Nach dessen Knöchelbruch startete der Sinkflug mit nur noch einem Pünktchen aus zehn Begegnungen, sein Ausfall kann nicht kompensiert werden. Die Folgen: Topspieler wie Dennis Geiger oder Christoph Baumgartner fangen damit an, Angebote zu sondieren und ihre Zukunft zu regeln. Ist der Fokus dann noch vollumfänglich da?

An der Seitenauslinie steht mit Pellegrino Matarazzo ein Trainer, dessen letztes Bundesliga-Erfolgserlebnis zehn (!) Monate zurückliegt. In dieser Saison ist er für Stuttgart und Hoffenheim nach 13 Partien noch sieglos. Der Wechsel von André Breitenreiter zu Matarazzo jedenfalls ist bislang vollständig verpufft.

Trainerwechsel verpufft – Rosen taucht ab – Rutter wollte gar nicht gehen

Manager Alexander Rosen taucht in dieser hochsensiblen, wichtigen Phase in der Öffentlichkeit ab. Ein Wachrütteln? Die ohnehin schon nur spärlich auftauchenden Fans motivieren? Fehlanzeige bei der TSG!

Stattdessen ließ der Klub im Winter Georginio Rutter für das Gesamtpaket von fast 40 Millionen Euro nach Leeds United ziehen. Der Mittelstürmer brachte oftmals Schwung ins Spiel der Kraichgauer, der Franzose war beim Anhang und in der Kabine mit seiner fröhlichen und offenen Art beliebt.

Nach SPORT1-Informationen soll Rutter nicht auf einen Abgang gedrängt haben, er fühlte sich wohl bei den Hoffenheimern. Doch der wirtschaftliche Aspekt hat aus Vereinssicht überwogen.

Dem Klub fehlt durch solche Entscheidungen Greifbarkeit und Identifikation! Der Zuschauerschwund schmerzt, noch immer leidet der Klub unter dem Abgang des ehemaligen Toptrainers Julian Nagelsmann. Alfred Schreuder, Sebastian Hoeneß und Breitenreiter konnten diese Lücke nicht schließen, Matarazzo kämpft bislang ebenfalls vergebens.

TSG ist für den Abstiegskampf nicht gerüstet

Für den Abstiegskampf sind die Hoffenheimer, die nach zehn Spieltagen von Platz vier grüßten, nicht gerüstet - weder von der spielerischen Ausrichtung noch von der Mentalität her. Während die Konkurrenz Schalke 04, Hertha BSC, VfB Stuttgart oder VfL Bochum von Spieltag eins an im Keller steckt und fightet, muss sich die TSG noch immer finden. Möglicherweise dauert dieser Prozess diesmal etwas zu lange.

2013 und 2016 retteten vor allem kluge Trainerentscheidungen zu Markus Gisdol und Nagelsmann den Klub. Diesmal ist der Trend eindeutig. Gisdol erklärte zuletzt im STAHLWERK Doppelpass: „Ich glaube, das Allerwichtigste ist erst mal, aufzuhören von dem tollen Potenzial von dieser Mannschaft zu sprechen. Potenzial kannst du vergessen. Es zählt das, was der Spieler tatsächlich leisten kann.“

Es droht der erste Abstieg der Vereinsgeschichte

Bei der TSG muss deutlich mehr auf dem Platz passieren. Die kommenden vier Partien in Freiburg, gegen Berlin, in Bremen und vor allem gegen Schalke 04 sind richtungsweisend. Sollte sich der Negativlauf fortsetzen, könnte am Ende der erste Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte stehen.