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Baumgart-Wut bei Köln - Mainz: "Beim Ar*** auf den Zünder"

Baumgart: „Beim Ar*** auf den Zünder“

Köln und Mainz liefern sich einen intensiven Kampf - am Ende kochen die Emotionen hoch, besonders FC-Coach Steffen Baumgart ist genervt.
Steffen Baumgart schimpfte nach dem Spiel
Steffen Baumgart schimpfte nach dem Spiel
© Imago
Köln und Mainz liefern sich einen intensiven Kampf - am Ende kochen die Emotionen hoch, besonders FC-Coach Steffen Baumgart ist genervt.

Aufgebracht stürmte Steffen Baumgart auf den Schiedsrichterassistenten zu, gestenreich imitierte der Trainer des 1. FC Köln einen Tritt.

Sekunden nach der Punkteteilung gegen den FSV Mainz 05 war der gerade erst verwarnte Baumgart noch immer kaum zu bremsen. Dass Gäste-Spieler Dominik Kohr für ein Foul in der hitzigen Schlussphase nur Gelb gesehen hatte, war für ihn unverständlich.

„Der Mainzer Spieler geht klar mit gestrecktem Bein vor. Er provoziert dann auch noch die Rudelbildung. Und mein Spieler kriegt Gelb und der Mainzer Spieler auch“, meinte Baumgart bei Sky: „Jetzt muss ich provokant fragen: Gelbe Karte für das gestreckte Bein - klar. Provozieren der Rudelbildung - und es ist zu sehen, wer provoziert. Das ist dann nochmal Gelb. Das will jetzt keiner. Aber dass dann beide Spieler, der gefoulte Spieler und der, der foult, Gelb kriegen - das geht mir beim Ar*** auf den Zünder.“

Die Gelbe Karte für ihn sei „gerechtfertigt“ gewesen: „Die habe ich mir wirklich verdient. Die war komplett berechtigt. Mit der muss ich leben und sie leider auch bezahlen.“

Auf das gerechte 1:1 (0:1) zwischen dem FC und den nun schon seit neun Spielen ungeschlagenen Mainzern hatte die Szene aus der Nachspielzeit keinen Einfluss. Die Nullfünfer treten im Kampf um die internationalen Plätze der Bundesliga auf der Stelle und verpassten den vorläufigen Sprung auf Rang sechs. (DATEN: Die Ergebnisse der Bundesliga)

„Anhand der Großchancen hatten wir nicht mehr als ein Tor verdient“, sagte 05-Sportdirektor Martin Schmidt bei Sky. Die Kölner seien „am Ende die etwas gefährlichere Mannschaft“ gewesen. Die hitzige Schlussphase wollte er nicht überbewerten: „Es wurde beidseitig provoziert und hochgepusht. Da war nichts Böses drin“, so Schmidt.

FC-Offensivspieler Linton Maina, der freistehend die größte Kölner Siegchance vergab, ärgerte sich. „Wenn wir die Dinger reinmachen, gehen wir hier als Gewinner vom Platz“, sagte er: „Wir hätten mehr verdient gehabt.“

Baumgart schimpft über Kohr

Winter-Neuzugang Ludovic Ajorque (17.) hatte Mainz in Führung gebracht, Dejan Ljubicic erzielte den Ausgleich für den FC (51.). Die Kölner stehen bei 32 Punkten und haben sechs Spieltage vor Schluss einen einigermaßen komfortablen Vorsprung auf Relegationsrang 16.

FC-Trainer Baumgart wütete nach dem Schlusspfiff gegen Mainz-Akteur Kohr, der kurz vor dem Ende der Partie Jan Thielmann mit einem hohen Bein am Fuß getroffen hatte. Baumgart sah zunächst Gelb, ließ seiner Wut aber auch freien Lauf, nachdem das Spiel vorbei war, und redete eindringlich und mit erhobenem Zeigefinger auf Kohr ein.

Auch Schiedsrichter Benjamin Cortus und dessen Assistenten bekamen einige Baumgart-Worte ab.

Selke mit Kopf-Wunde

Baumgart musste auf seinen gelbgesperrten Top-Torjäger und Mittelfeldmotor Ellyes Skhiri verzichten, für ihn rückte Ljubicic in die Startelf. Bei den Gästen erhielt Karim Onisiwo den Vorzug vor dem unter der Woche angeschlagenen Marcus Ingvartsen.

Köln-Stürmer Davie Selke wurde in der 14. Minute wegen einer kleinen klaffenden Wunde an die Seitenlinie geschickt, wo er einen Verband bekam. Noch vor der Pause hatte er diesen aber bereits wieder abgenommen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Nach einer sonst ereignisarmen ersten Viertelstunde nutzten die Gäste die erste gute Möglichkeit der Partie zur Führung. Nach einer Flanke von Kapitän Silvan Widmer musste Ajorque nur noch den Fuß hinhalten. Der formstarke Franzose traf damit im dritten Spiel in Folge und stellte gleichzeitig einen Mainzer Vereinsrekord auf: Noch nie zuvor hatte der FSV in 14 Bundesliga-Spielen in Folge mindestens ein Tor erzielt.

Die Gastgeber waren vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften RheinEnergie-Stadion zu Beginn bei ihren Offensivbemühungen viel zu harmlos. Die erste halbwegs gefährliche Möglichkeit erspielte sich der FC erst in der 31. Minute, Kingsley Schindler verzog aus halbrechter Position.

Köln-Coach Baumgart genervt

Baumgart wirkte an der Seitenlinie sichtlich genervt, entledigte sich seiner Weste und peitschte seine Mannschaft nach vorne. Das zeigte Wirkung: Der FC ging aggressiver in die Zweikämpfe und riss das Spielgeschehen zunehmend an sich, verpasste aber den Ausgleich vor der Pause.

Ein schöner Schlenzer von Eric Martel (35.), ein Kopfball von Davie Selke (45.) und ein artistischer Fallrückzieher von Innenverteidiger Jeff Chabot (45.+2) flogen über das Tor, Linton Maina scheiterte mit einem Flachschuss an FSV-Keeper Robin Zentner (42.).

Dafür belohnten sich die Gastgeber kurz nach dem Seitenwechsel: Nach einem schnellen Doppelpass mit Kapitän Jonas Hector vollendete der auffälligste Kölner Ljubicic ins lange Eck und erzielte damit den ersten FC-Treffer nach zuvor drei torlosen Heimspielen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Beide Teams spielten in der Schlussphase auf Sieg. Maina hatte den Siegtreffer für Köln auf dem Fuß, scheiterte freistehend vor dem Tor aber an den eigenen Nerven (70.). Der FC war dem Sieg näher als die Gäste - und dann ging es hoch her.

Kohr traf Thielmann und löste eine kleine Rudelbildung aus. Die Emotionen beruhigten sich auch nach dem Abpfiff zunächst nicht.

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Mit Sport-Informations-Dienst