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Fußball: Trainer-Talent Kirchhoff geprägt durch Guardiola und Tuchel

Ex-Bayern-Star startet als Trainer durch

Jan Kirchhoff geht derzeit beim VfB Stuttgart seine ersten Schritte im Trainer-Business. Der frühere Profi des FC Bayern München hat in seiner Karriere von großen Trainern gelernt.
Jan Kirchhoff ist derzeit Co-Trainer beim VfB II
Jan Kirchhoff ist derzeit Co-Trainer beim VfB II
© Imago
Jan Kirchhoff geht derzeit beim VfB Stuttgart seine ersten Schritte im Trainer-Business. Der frühere Profi des FC Bayern München hat in seiner Karriere von großen Trainern gelernt.

Jan Kirchhoff hatte es in seiner Karriere als Spieler äußerst schwer nach ganz oben zu kommen.

Im Sommer 2009 riss ihm in der U19 des FSV Mainz 05 die Achillessehne. Die Ärzte prognostizierten damals, dass er nie mehr Fußball spielen werde, eine Profi-Laufbahn nicht möglich sei.

Zu diesem Zeitpunkt war Kirchhoff schon klar, dass er notfalls studieren und anschließend Trainer werde.

Statt in Selbstmitleid zu verfallen, legte er während der Reha den Fokus daher auch auf die schulischen Leistungen, schrieb sein Abitur.

Kirchhoff konnte sein frühes Karriere-Aus abwenden

Kirchhoff wendete ein frühes Karriere-Aus allerdings mit viel Ehrgeiz und Schweiß ab. Der gebürtige Frankfurter erlebte stattdessen einige großartige Momente – zwei Meisterschaften und DFB-Pokal-Siege – hautnah mit.

Kirchhoff lief in der Bundesliga insgesamt 80 Mal für Mainz, den FC Bayern München und Schalke 04 auf. In der Champions League stand der inzwischen 32-Jährige gegen Topklubs wie Manchester City und Real Madrid auf dem Feld.

Was das für ihn bedeutet hat, lässt sich nur mit dessen Vorgeschichte wirklich verstehen. „Ich wollte das Unmögliche möglich machen, unbedingt noch einmal auf dem Platz stehen“, sagte Kirchhoff.

Trainer Thomas Tuchel ermöglichte ihm ausgerechnet gegen Eintracht Frankfurt – das ihn in der U17 aussortiert hatten - das Bundesliga-Debüt.

Da Kirchhoff schon früh mit dem Bewusstsein unterwegs war, dass sein Körper ihm einen Strich durch die Rechnung ziehen könne, schaute er bei der Arbeitsweise seiner Übungsleiter genauestens hin.

Kirchhoff trainierte unter Guardiola und Tuchel

Kirchhoff fragte in Mainzer Zeiten ständig bei Tuchel nach. Er wollte wissen, warum welche Trainingsform trainiert, weshalb ein Feld beschnitten wird. Der frühere Defensivallrounder wollte die Zusammenhänge und Abläufe verstehen lernen. Die Detail-Versessenheit Tuchels, inzwischen Trainer des FC Bayern München und Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea, prägte Kirchhoff.

Auch sein Coach in der Zeit als Profi bei den Münchnern imponierte ihm: Pep Guardiola! Kirchhoff lernte unter dieser Kategorie Trainer, wie wichtig es ist, bewusst zu handeln. Alles das, was man in dieser Position sagt, hat Folgen. Auch dann, wenn ein Trainer nicht mit seinem Spieler spricht, nimmt das Einfluss auf deren Handlungen.

Neben Guardiola und Tuchel lernte Kirchhoff auch von Sam Allardyce, der ihn in seiner Zeit beim AFC Sunderland förderte und forderte.

Diese Trainer haben den Profis stets das Gefühl vermittelt, „dass von allen Seiten alles getan wird, dass jeder Spieler der Beste ist, der er sein kann“. Sie ließen Raum für Entwicklung und Persönlichkeitsbildung, vermittelten maximales Selbstvertrauen.

Kirchhoff mit rasantem Aufstieg beim VfB Stuttgart

Diese Elemente nimmt Kirchhoff mit auf seinen eigenen Weg, der in der Schlussphase seiner Karriere beim KFC Uerdingen in der Nachwuchsabteilung begonnen hat. Vormittags trat er noch selbst gegen den Ball, nachmittags betreute er die U14 und am Abend die U17.

Die Tage waren pickepackevoll. Diese ersten Erfahrungen sammelte er eineinhalb Jahre bevor der Ausbruch der Corona-Pandemie den Jugendfußball zwischenzeitlich komplett zum Erliegen brachte.

Kirchhoff ließ sich davon nach seinem Karriereende als Profi aber nicht ausbremsen. Im Juni 2021 fing er beim VfB Stuttgart die U15 als Co-Trainer an und stieg im vergangenen Sommer zum Assistenzcoach der zweiten Mannschaft neben Frank Fahrenhorst in der Regionalliga Südwest auf.

Die nächsten Schritte auf der Karriereleiter – sie sollen bei Kirchhoff, der fleißig an seiner A-Lizenz arbeitet, folgen.