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Die gefährlichsten Außenverteidiger Europas

Eine Benchmark - europaweit

Leverkusens Höhenflug hält auch nach der Länderspielpause an. Das liegt hauptsächlich daran, dass die beiden Außenverteidiger mit ihrer ursprünglichen Bezeichnung nur noch wenig zu tun haben.
Alejandro Grimaldo spricht im SPORT1-Interview über seinen Wechsel zu Bayer Leverkusen, Trainer Xabi Alonso und seine Ziele mit der Werkself.
Leverkusens Höhenflug hält auch nach der Länderspielpause an. Das liegt hauptsächlich daran, dass die beiden Außenverteidiger mit ihrer ursprünglichen Bezeichnung nur noch wenig zu tun haben.

Der Rechtsverteidiger turnt als Flügelstürmer herum, wartet nur darauf, den nächsten Sprint in die Tiefe zu starten. Auf der anderen Seite rückt der Linksverteidiger wie selbstverständlich ins Zentrum ein, gibt plötzlich den Takt als Zehner vor und ist ein fester Bestandteil der Passmaschinerie.

Es liegt auf der Hand, dass es sich hierbei nicht um die übliche Art der Abwehrspieler handelt. Vielmehr sind Jeremie Frimpong und Alejandro Grimaldo gemeint. Mit ihnen hat Bayer Leverkusens Coach Xabi Alonso eine unwiderstehliche Flügelzange geschaffen, gegen die aktuell die wenigsten Mannschaften ein geeignetes Mittel finden.

Nicht zuletzt hing es auch mit dem jederzeit offensiv denkenden Außenverteidiger-Duo zusammen, dass die Werkself ihre Siegesserie nach der Länderspielpause fortgesetzt und die Tabellenführung in der Bundesliga verteidigt hat. Frimpong sowie Grimaldo schlugen in Wolfsburg mal wieder gnadenlos zu, schossen beim hart erkämpften 2:1 beide Treffer. Was Scorerpunkte angeht, bilden sie gar eine Benchmark. Europaweit.

Frimpong steht nach acht Bundesliga-Spielen bereits bei drei Toren und fünf Vorlagen, Grimaldo bei drei Treffern und vier Assists. Beeindruckende Werte für zwei Akteure, die zumindest auf dem Papier als Abwehrspieler gelistet sind. In den Top-Fünf-Ligen wirbelt derzeit nur ein anderes Duo, das den Leverkusenern ansatzweise das Wasser reichen kann: Denzel Dumfries (zwei Tore, drei Vorlagen) und Federico Dimarco (ein Tor, drei Vorlagen) - die Außenverteidiger von Inter Mailand.

Grimaldo Tempodribbler und verkappter Spielmacher

Speziell Frimpong, der bei eigenem Ballbesitz vom rechten Außenverteidiger zum Flügelangreifer wird, trumpfte in Wolfsburg auf. War der Tempodribbler von Gegenspieler Joakim Maehle doch nie einzufangen, überzeugte er mit unglaublichem Speed, einer guten Technik, ein bisschen Genie - und stellte damit eine moderne Allzweckwaffe gegen die humorlos verteidigenden Ketten der Niedersachsen dar.

„Ich sehe einen sehr erwachsenen Jerry“, sagte Alonso nach der Partie. „Er ist sehr fokussiert und hatte schon letzte Saison einen großen Einfluss. Auch dieses Jahr ist er wieder ein enorm wichtiger Spieler“. In der Anfangsphase erzielte Frimpong den Führungstreffer. Victor Boniface lockte mit einem Dribbling im Strafraum gleich fünf Verteidiger und flankte auf seinen Teamkollegen, der direkt vollendete. VfL-Keeper Pavao Pervan fing den Ball hinter der Linie, anstatt ihn vorher wegzuhauen.

Beim zweiten Bayer-Treffer hatte Frimpong einen ebenso gewichtigen Anteil. Nach einer starken Balleroberung durch Florian Wirtz spielte der umtriebige Niederländer die Kugel in den Rückraum des Sechzehners. Grimaldo, eher ein verkappter Spielmacher als ein klassischer Linksverteidiger, eilte heran. Sein Schuss wurde von Maximilian Arnold unhaltbar für Pervan abgefälscht.

Trotz aller Spielfreude verbindet die beiden aber eine Gemeinsamkeit: Brennt es defensiv, können sie sich auch dort richtig gut durchsetzen. Im Vergleich zu früheren Jahren zeigt sich Flügelflitzer Frimpong diesbezüglich arg verbessert, gewinnt 48 Prozent seiner Zweikämpfe. Freigeist Grimaldo kommt sogar auf starke 53 Prozent gewonnene Duelle.

Frimpong blockt Meisterfrage ab

Doch so forsch die Rheinländer auf dem Platz sind, so verhalten sind die Töne noch abseits des Rasens. „Nein, nein, nein, nein, jetzt nicht. Ganz sicher. Jetzt nicht“, antwortete Frimpong auf die Frage eines Sky-Reporters, ob er nun über die Meisterschaft reden könne. „Wir können darüber sprechen, wenn wir noch fünf Spiele zu absolvieren haben.“

Mit besonderer Sorgfalt reagierte auch Alonso auf dieses mit Spannung erwartete Thema. Über den Titel zu sprechen, erklärte der Spanier, halte er zu diesem Zeitpunkt für „nicht intelligent“. Allerdings sind neben der Meisterschale auch noch Trophäen in der Europa League und im DFB-Pokal zu vergeben. Am Donnerstag kann Leverkusen gegen Qarabag Agdam (21 Uhr im LIVETICKER) international den nächsten Schritt machen.