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Entscheidet Torwart-Duell den Kracher BVB - Bayern? "Kobel nicht umsonst als Neuers Nachfolger gehandelt"

Kobel? Neuer „braucht noch Wochen“

Am Samstag treffen BVB-Schlussmann Gregor Kobel und Bayern-Torwart Manuel Neuer aufeinander. Die ehemaligen Nationaltorhüter Timo Hildebrand und Toni Schumacher sprechen mit SPORT1 über das anstehende Duell.
Manuel Neuer ist zurück beim FC Bayern
Manuel Neuer ist zurück beim FC Bayern
© IMAGO/ActionPictures
Am Samstag treffen BVB-Schlussmann Gregor Kobel und Bayern-Torwart Manuel Neuer aufeinander. Die ehemaligen Nationaltorhüter Timo Hildebrand und Toni Schumacher sprechen mit SPORT1 über das anstehende Duell.

Rechtzeitig vor dem Spitzenspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am Samstagabend (Bundesliga: Borussia Dortmund - FC Bayern, 18.30 Uhr im LIVETICKER) wurde Nationaltorwart Manuel Neuer nach seiner langen Verletzung fit.

Beim 8:0-Sieg der Münchner am vergangenen Spieltag in der Allianz Arena gegen Darmstadt 98 feierte der 37-Jährige sein Comeback. Am Samstag kommt es nun zum direkten Aufeinandertreffen mit Dortmunds Schlussmann Gregor Kobel.

„Es ist super spannend und einfach schön, dass zwei Top-Torhüter mit ihren Teams gegeneinander spielen. Es freut mich schon sehr, dass Manu nach so einer langen Leidenszeit wieder zurück ist“, sagt der frühere Nationaltorwart Timo Hildebrand im Gespräch mit SPORT1: „Ich bin gespannt, wie er jetzt wieder reinfindet. Er hat ja am vergangenen Samstag gegen Darmstadt schon einen guten Einstand gehabt mit ein, zwei starken Aktionen.“

Hildebrand freut sich über Kobel-Verlängerung

Bei Kobel, der 2021 vom VfB Stuttgart nach Dortmund wechselte, habe sich Hildebrand zuletzt gefreut, „dass er seinen Vertrag verlängert hat“.

Der Schweizer Nationaltorwart unterschrieb ein neues Arbeitspapier bis 2028, obwohl er noch einen gültigen Vertrag bis 2026 hatte. „Er hat in den vergangenen Jahren wirklich eine tolle Entwicklung genommen“, lobt Hildebrand, der 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde.

Das Torwart-Duell am Samstag gibt dem Spitzenspiel die besondere Würze. Hildebrand ist von Neuer überzeugt. „Manu galt ganz lange als der beste Torwart der Welt. Wenn er nur annähernd an sein Niveau vor der Verletzung rankommt, ist er immer noch ein Top-Top-Torhüter.“

Der 44-Jährige ergänzt: „Manu hat weiterhin die Nase vorne, das glaube ich schon. Aber Kobel hat aufgeholt, sich prächtig entwickelt und ist sehr stabil in seinen Leistungen.“ Bei Kobel gebe es „kaum Ausreißer nach unten“, er würde sich auch „ganz selten einen Fehler“ leisten. Und dies gebe einer Spitzenmannschaft wie dem BVB „sehr viel Selbstvertrauen“.

Wie Neuer sein altes Niveau wieder erreichen kann

Die Frage, die sich in den vergangenen Monaten viele Fußball-Fans gestellt haben: Kann Neuer der Alte werden? „Wenn ich es einem zutraue, annähernd an das alte Niveau zu kommen, dann ihm“, betont Hildebrand. „Aber er braucht noch einige Wochen, bis er wieder seinen Rhythmus gefunden hat.“

Hierbei würde Neuer das regelmäßige Training und auch die Spiele in der Champions League helfen. „Ich glaube, dass er auch in seinem Alter weiter auf diesem Top-Niveau spielen kann“, meint Hildebrand.

„Die Heilung seiner schweren Verletzung hat eine lange Zeit in Anspruch genommen. Was da körperlich oder mental auf der Strecke geblieben ist, kann ich nicht beurteilen. Mit 37 Jahren lernst du keine neuen Fähigkeiten mehr dazu, da geht es vor allen Dingen darum, die Leistung zu konservieren“, erklärt der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher bei SPORT1.

Für Neuer sei es also entscheidend, „das Level zu erreichen wie vor der Verletzung. Wenn man auch bedenken muss, dass er schon bei der WM nicht wirklich überzeugen konnte“.

Auch für den BVB-Keeper hat der 69-Jährige nur positive Worte übrig. „Kobel ist gerade einer der besten Torhüter in der Bundesliga. Und er spielt in einer Top-Mannschaft. Das passt alles. Er ist Nationalspieler, kann sich international zeigen und wird auf jeden Fall noch weitere Schritte nach vorne gehen. Ich schätze Kobel ganz stark ein.“

Kobel gelte in seinen Leistungen als „sehr ausgeglichen“ und zeige „kaum Schwächen“. Dann folgt von Hildebrand ein Satz, der den Torhüter der Schwarz-Gelben sicherlich mit Stolz erfüllen dürfte: ‚Kobel ist wirklich ein vollkommener Torwart.‘“

Für Schumacher zählt Kobel „zu den Besten“

Schumacher, der zu seiner aktiven Zeit in der Saison 1991/1992 mal beim FC Bayern unter Vertrag stand, ist auch voll des Lobes, was Kobel betrifft.

„Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren eine ganze Generation guter bis sehr guter Torhüter herangezogen. Von denen gehört Kobel sicherlich zu den Besten“, betont Schumacher: „Insofern wartet da ein sehr interessanter Vergleich auf uns, weil das wahre Leistungsvermögen von Manuel Neuer noch nicht abzuschätzen ist nach der langen Pause.“

Schumacher merkt noch an: „Kobel wird nicht umsonst als Neuers Nachfolger bei den Bayern gehandelt. Er ist ein sehr beweglicher und gut mitspielender Torhüter, reaktionsschnell, stark im direkten Duell und in der Luft. Vielleicht könnte er ein bisschen präsenter sein. Aber mit seinen 25 Jahren ist er ein sehr junger Keeper.“

Und laut Schumacher ist sogar noch eine Menge Entwicklungspotenzial vorhanden: „In der kicker-Rangliste war er zuletzt zweimal die Nummer eins. Das sagt eine Menge über seine Klasse.“

Hildebrand gibt Kobel aber einen Rat: „Es ist nie gut, jemanden nachzueifern. Kobel sollte nicht zu sehr auf Neuer schauen. Jeder sollte seinen eigenen Spielstil haben.“

Und weiter: „Aber Manu ist natürlich ein herausragender Fußballer, und das ist einzigartig an ihm. Kobel sollte weiter auf seine Stärken bauen und sich selbst vertrauen, statt außerhalb vom Sechzehner ‚rumzuturnen‘.“

Schumacher über Neuer: „Mit allen Wassern gewaschen“

Wer jetzt gerade der bessere Torhüter ist, vermag Schumacher nicht zu beurteilen. „Das ist schwer zu sagen, weil auch immer die Tagesform entscheidet. Auf jeden Fall ist Neuer erfahrener und mit allen Wassern gewaschen“, meint Schumacher. Es sei für einen Angreifer immer noch ein Unterschied, „ob man im Eins gegen eins auf Manuel Neuer zuläuft oder auf einen anderen Keeper“.

Neuer müsse jetzt weiter „hart trainieren und gute Spiele abliefern“. Für Hildebrand steht eines fest: „Manu wird die Kritiker verstummen lassen. Er wird seine Topform erreichen, da bin ich mir sicher.“

Und er weiß auch warum: „Er hatte schon einige Verletzungen mit seinem Fuß, deshalb wird er ganz genau wissen, wie er wieder auf sein altes Level kommen kann. Manu braucht Vertrauen vom Trainer. Keiner kennt seinen Körper besser als er. Wir sollten jetzt erstmal Manus Entwicklung abwarten, wie er zurückkommt.“

Doch was fehlt Kobel noch im Vergleich zu Neuer? „Da sehe ich im Moment nichts außer Erfahrung und Präsenz“, findet Schumacher, „weil wir Neuer nach der langen Pause nicht einschätzen können.“

Am Samstagabend wird sich zeigen, wer das Torwart-Duell diesmal für sich entscheiden kann.