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Bayer Leverkusen: Konstant wie nie zuvor - Hradecky widerlegt seine Kritiker

Konstant wie nie zuvor

Dass Bayer Leverkusen nach wie vor an der Spitze steht, hängt auch mit Torhüter Lukas Hradecky zusammen. Seine starken Leistungen haben der Werkself diese Saison schon so manche Punkte gesichert.
In Topform: Lukas Hradecky
In Topform: Lukas Hradecky
© IMAGO/Eibner
Dass Bayer Leverkusen nach wie vor an der Spitze steht, hängt auch mit Torhüter Lukas Hradecky zusammen. Seine starken Leistungen haben der Werkself diese Saison schon so manche Punkte gesichert.

Was Leverkusen in den vergangenen Jahren oftmals gefehlt hat? Ein Torhüter, der auf über­durch­schnitt­li­ch hohem Niveau agiert. Lukas Hradecky war zwar ein solider Schlussmann, pro Saison aber immer wieder für zwei bis drei Patzer gut. Doch das gehört jetzt der Vergangenheit an. Im Herbst seiner Karriere hat der Finne einen gewaltigen Leistungssprung vollzogen und einen großen Anteil daran, dass die Leverkusener weiterhin ungeschlagenen sind.

Die Auffälligkeit: Vor allem in großen Spielen liefert Hradecky inzwischen. Bereits Mitte Sep­tember ließ er Bayern-Stürmer Harry Kane in schöner Regel­mä­ßig­keit ver­zwei­feln. Und jüngst war Hradecky auch im Spit­zen­spiel gegen Stutt­gart (1:1) dafür ver­ant­wort­lich, dass die Werkself nur mit einem 0:1 in die Pause ging. Gegen einen sehr selbstbewusst auftretenden VfB zeigte der 34-Jährige im ersten Durchgang acht Paraden, sein Saison-Höchstwert.

Mehrfach brachte Hradecky Stuttgart samt seinem Serhou Gui­rassy schier zur Verzweiflung - und bestätigte erneut: War der finnische Nationalspieler in Leverkusen nicht immer unumstritten, ist er in seinem mittlerweile sechsten Bayer-Jahr ein verlässlicher und wichtiger Rückhalt wie nie zuvor.

Hradecky wackelte erst einmal

Im ligaweiten Vergleich setzt der Routinier sogar Maßstäbe. 78,9 Prozent der Schüsse, die auf sein Tor flogen, wehrte Hradecky erfolgreich ab. Damit liegt er deutlich vor Kevin Trapp (71,7 Prozent), Alexander Nübel (70,4 Prozent) und Oliver Baumann (70,4 Prozent). Fünf Bundesliga-Spiele ohne Gegentreffer kann ebenfalls niemand überbieten. Dass Bayers Schlussmann längst Leistungen auf konstant gutem Niveau abliefert, geben allein diese reinen Zahlen her.

Ohnehin gilt der in Bratislava geborene Hradecky als Torhüter, der selbst unmögliche Bälle noch von der Linie kratzt. Einer, der Großchancen zunichte machen kann und zugleich über eine gute Strafraumbeherrschung verfügt. Nur die fußballerische Komponente bereitet ihm im Vergleich zu vielen seiner Konkurrenten hin und wieder Probleme. Auch bei seinem bisher einzigen Patzer diese Saison war das zu sehen.

Zur Erinnerung: Gegen Hoffenheim (3:2) wollte der Kapitän das Spiel mit einem Flachpass aufbauen wollte, bediente dabei allerdings Anton Stach. Der 25-Jährige schaltete schnell und traf aus gut 40 Metern über den herausgerückten Hradecky hinweg. Sonst ließ er sich aber noch gar nichts anbrennen.

Konkurrenzkampf auch für Hradecky

Was dem 34-Jährigen offenbar zu seinem Sprung verholfen hat: Die Vorstellung vom Leistungsdenken seines Trainers Xabi Alonso. Damit jeder Spieler sein Maximum abrufen kann, ist Konkurrenzkampf bei ihm unabdingbar. Auch unter den Torhütern. Immer wieder heizte der Spanier das Duell zwischen Hradecky und Matej Kovar an, stellte dabei klar, dass die aktuelle Aufteilung nicht unumstößlich ist.

Bei Hradecky habe die Verpflichtung des 1,96 Meter großen Kovar daher einen Schub bewirkt. „Ich glaube schon, dass mich das noch besser macht. Ich habe mein Trainingsniveau gesteigert“, sagte er bereits vor Wochen und begrüßte die neue Konstellation mit einem echten Herausforderer. „Es ist schon gut, einen starken Konkurrenten zu haben. Den hatte ich auch schon vorher, aber mit acht oder neun Millionen Euro Ablöse ist das schon eine andere Nummer.“

„Verantwortung war zu groß für mich“

Hinzu kommt: Seit jeher ist der Skandinavier ein reflektierter Profi, weiß sich und seine Position bestens einzuordnen. Dass die vergangene Saison auch nach seiner eigenen Ansicht nicht seine Beste war, hatte mit der immensen Last zu tun, die der 34-Jährige während der größtenteils miserablen Hinrunde tragen musste. „Die Verantwortung war zu groß für mich“, offenbarte Hradecky unlängst und verwies auf das Fehlen weiterer Führungsspieler im Team.

Dieses Ungleichgewicht hat Bayer nun behoben. Mit Granit Xhaka, Jonas Hofmann und Alejandro Grimaldo hat der Verein im Sommer eine ganze Reihe an Spielern verpflichtet, die auf und neben dem Feld vorangehen, Hradecky in gewisser Maßen entlasten. Der zahlt die neue Unterstützung wiederum mit Leistungen zurück - und hat einen gewichtigen Anteil daran, dass Bayer noch immer ungeschlagen ist.

Am Sonntag freut sich Hradecky nun auf ein ganz besonderes Duell, sein Ex-Verein Eintracht Frankurt gastiert in der BayArena (ab 17:30 Uhr im Liveticker). Haben die Hessen letztes Wochenende dem FC Bayern die erste Bundesliga-Pleite hinzufügt, wollen sie auf selbige Art und Weise nun auch die Werkself schocken. Womöglich benötigt es deswegen wieder einen Hradecky auf höchstem Niveau.