Borussia Dortmund erreicht nach der Niederlage gegen Augsburg einen neuen Tiefpunkt. Die Aussagen nach dem Spiel bestätigen: Tabula rasa ist beim BVB kein Tabuthema mehr – im Gegenteil!
Dieser BVB-Tiefpunkt wird Folgen haben
BVB-Tiefpunkt wird Folgen haben
Am Samstag-Nachmittag passierte im Signal Iduna Park etwas, was Fans und alle, die es mit dem BVB halten, in dieser grauenhaften Bundesliga-Saison nicht mehr für möglich gehalten hätten: Borussia Dortmund sinkt noch tiefer ins Chaos.
Dass die Dortmunder mal wieder ein Spiel in blutleerer Art und Weise vergeigt haben – geschenkt. Viel alarmierender waren die Reaktionen auf den Rängen und die Aussagen nach der Partie. Es droht ein radikaler Umbruch.
BVB-Fans erreichen maximales Frustlevel
Enttäuscht, sauer und kurz vor der Eskalation standen die BVB-Fans in dieser Saison schon häufiger. Das erste Mal, dass es die Mannschaft so richtig zu spüren bekam, war in Frankfurt (0:2), als die Spieler schnell Richtung Kabine abschwirrten und sich nicht stellten.
Bei der Derbypleite in Bochum flogen sogar schon erste Fahnenstangen und haufenweise Becher. Doch was nach der 0:1-Niederlage gegen Augsburg passierte, dürfte aus Spieler-Sicht wohl noch schlimmer sein.
Die schwarz-gelben Anhänger wollten erst gar nichts von ihrer Mannschaft wissen, winkten ab. Als die Spieler dann tatsächlich nach wenigen Augenblicken abtraten, entlud sich der komplette Fan-Frust. Die Folge: Ein – auf jeden Fall in dieser Saison - noch nie dagewesenes Pfeifkonzert.
Kovac verurteilt Leistung der Mannschaft
Verständnis für diese Reaktion hatten im Nachgang alle: sowohl Spieler als auch Verantwortliche. Ihnen selbst war der Unmut, die Frustration, aber auch die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. „Wir haben das bekommen, was wir gezeigt haben: Nichts“, kritisierte, Niko Kovac, verurteilte fast schon die Leistung seiner Mannschaft.
„Ich hatte jetzt auch schon paar (schwere Phasen; Anm. d. Red.) in meiner Karriere. So krass aber noch nicht“, gestand Nico Schlotterbeck ein.
Dortmund offenbarte in dieser Spielzeit immer wieder die gleichen Muster: keine Durchschlagskraft (erster Torschuss 89. Minute), mangelnder Einsatz, kein Feuer, keine Energie. Dabei konnte man zuletzt durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Team unter Kovac stabiler, gefestigter und dadurch auch konstanter wirkt. Von wegen!
„Fehlende Konstanz ist fehlende Qualität“
Nach den beiden Siegen gegen Union Berlin (6:0) und in St. Pauli (2:0) dachten wohl alle, dass sie die Krise endgültig hinten sich lassen könnten, doch dem war nicht so.
„Fehlende Konstanz ist fehlende Qualität“, traf Schlotterbeck mit einer weiteren alarmierenden Aussage nach der Partie mit seiner Analyse ins Schwarze. Zu oft in dieser Saison beschönigten die Verantwortlichen die Situation. Ausreden waren schnell gefunden. Es sei eine Kopfsache, bei der man „nur“ den Schalter umlegen müsse. Es wirkte, als hätten sich die Beteiligten das wirklich bis jetzt geglaubt.
Doch Schlotterbeck sprach nun endlich aus, was jeder schon wusste: Es fehlt an Qualität in dieser Mannschaft. Und gerade hier kommen die Bosse ins Spiel. Denn deren Aufgabe ist es, die Mannschaft so zusammenzustellen, dass sie ihren Anspruch gerecht wird oder zumindest gerecht werden kann. Doch dieser Kader ist eine maßlose Fehleinschätzung. Dass sogar Sportdirektor Sebastian Kehl der Qualitätsfrage ausweicht, spricht Bände.
Maßnahmen der BVB-Führung greifen nicht
Die BVB-Führung hatte bereits in der laufenden Saison Anstrengungen unternommen, um der misslichen Lage zu entkommen. Doch das äußerst zaghaft und mit Samthandschuhen.
Erst trennten sich die Dortmunder von Nuri Sahin - doch auch Kovac wird bereits festgestellt haben, dass dieser Scherbenhaufen, der bereits in der Zeit vor Sahin konstant aufgebaut wurde, nicht im Nu beiseite geräumt werden kann.
Außerdem sollten die Querelen in der mit Alphatieren besetzten Klub-Führung ein für allemal Geschichte sein - doch die Trennung von Sven Mislintat dürfte dabei nicht entscheidend gewesen sein.
Denn großes Mitspracherecht hatte der ehemalige Technische Direktor ohnehin nicht mehr. Und so kommt es, dass sich der BVB seit Wochen, vielmehr seit Monaten, im Kreis dreht. Die Maßnahmen der BVB-Führung greifen nicht.
Diese BVB-Saison muss Konsequenzen haben
Fakt ist: Der neuerliche Tiefpunkt und die generell, zumindest in den nationalen Wettbewerben, verkorkste Saison muss Konsequenzen haben: sowohl auf der Seite der Spieler als auch auf der der Verantwortlichen.
Das, was Fans schon seit langer Zeit fordern, ein radikaler Umbruch auf allen Ebenen, ist mittlerweile auch in der Führung angekommen. Dass das Thema sogar nach außen getragen wird, verdeutlicht den Ernst der Lage.
„Auch die Gedanken müssen wir uns natürlich machen. Am Ende gibt es auch Erkenntnisse, die wir aus dieser Saison ziehen. Das machen wir übrigens jedes Jahr. Und dann wird man versuchen, Ableitungen daraus zu treffen“, meinte Kehl vielsagend und bestätigte: Tabula rasa ist beim BVB alles andere als ausgeschlossen.