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Der Hype um El Mala ist Gift für die Kölner Seele

Das ist Gift für die Kölner Seele

Beim 1. FC Köln ist in den vergangenen Wochen vieles in die falsche Richtung gelaufen. Die überzogene Erwartungshaltung an Youngster Said El Mala kann das Problem noch verschärfen, fürchtet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.
Der Hype um Kölns Said El Mala ist weiterhin riesig. Das ungewöhnliche Medienaufgebot um den 19 Jahre jungen Shootingstar fällt auch Trainer Lukas Kwasniok auf - doch El Mala gibt sich vor der Presse souverän.
Beim 1. FC Köln ist in den vergangenen Wochen vieles in die falsche Richtung gelaufen. Die überzogene Erwartungshaltung an Youngster Said El Mala kann das Problem noch verschärfen, fürchtet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Der 1. FC Köln hat zwei Probleme: Das eine ist die Erwartungshaltung. Das zweite heißt Said El Mala.

Am emotionalsten Bundesliga-Standort war Anfang November, kurz vor Karnevalsstart, schon die knallbunte Hölle los. Nach dem 4:1 gegen den HSV war der FC Siebter. Nur einen Sieg hinter Bayer Leverkusen auf Platz fünf. Europa, wir kommen! El Maladona! Eine Titelseite nach der nächsten. Die ganze Stadt besoffen vor Glück. Danach gelang kein Sieg mehr.

Köln ist Letzter in der Formtabelle der vergangenen fünf Spieltage. Der Aufsteiger ist abgestürzt. Und alle sind enttäuscht. Das 0:2 in Leverkusen kommentierten die Fans im offiziellen Vereinskanal so: „Einfach zu wenig und die Wechsel auch komisch“, „Langsam wird’s unangenehm“, „Echt mies! Was ist aus der der Mannschaft geworden, die einst mit Mut nach vorne gespielt hat?“ oder „Können wir nächste Woche die U19 aufstellen?“ Sogar „Kwasniok weg“ ist da zu lesen - und: „Die Mannschaft ist komplett tot.“

Köln: Der gute Start wird jetzt zum Druckmittel

Man darf so emotionale Besserwisserkommentare, trotz vieler Likes und Zustimmung, nie für voll nehmen. Doch sie belegen, wie das Kölner Fan-Herz tickt - und welche Aufgabe die Verantwortlichen am stimmungsvollen Rhein haben - Stichwort: Erwartungsmanagement. Ehrlich gesagt können sie einem fast leid tun, Lukas Kwasniok vorneweg.

Dass sie so besonders in die Saison gestartet sind, wird jetzt zum Druckmittel. Der Fluch der guten Ergebnisse. Wie Kwasniok damit umgeht, ist interessant und außergewöhnlich. Er verweist nicht nur auf das „Polster“, das sie sich geschaffen haben an den ersten Spieltagen, sondern macht vor allem eine Rechnung auf, die alle Kölner beruhigen soll: „Um in der Liga zu bleiben, braucht man ungefähr zehn Siege. Wir haben aktuell vier. Insofern gilt es sechs Siege zu holen aus den verbleibenden 20 Spielen.“

Was Kwasniok als „machbare Aufgabe“ einschätzt, ist tatsächlich alles andere als unrealistisch. Denn seine Mannschaft, das hat sie gezeigt in den vergangenen Monaten, hat das im Tank. Die nötige Energie, die Qualität, die Ideen. Kwasnioks Team ist stärker als die, die ganz unten stehen.

Doch entscheidend ist in Köln, dass auch das Umfeld da mitzieht. Dass die Fans pushen und motivieren statt zu meckern und zu pfeifen. Dem applaudiert, was gelingt, statt zu zerreißen, was daneben geht.

El Mala: Die Aufgabe, den 1. FC Köln zu tragen, ist zu groß

Said El Mala, der neue Wunderspieler, ist für die Mannschaft Gold wert. Seine Tore, seine Art. Seine Unbekümmertheit. Doch genauso, man spürt das jeden Tag, ist El Mala Gift für die Kölner Seele. Denn der gerade 19-Jährige kann die Hoffnungen, die alle in ihn setzen, nicht erfüllen. Das geht nicht. Es gibt keinen Superman in der Realität.

Die Aufgabe, den 1. FC Köln zu tragen, ist zu groß für Said El Mala. Die Chance, dass er daran scheitert, ist riesengroß. Obwohl es gar kein Scheitern wäre! El Mala soll jetzt die Tore schießen und im Sommer 30 bis 40 Millionen bringen, mindestens. Es hat wirklich Messias-ähnliche Züge angenommen, wenn beim 1. FC Köln über El Mala gesprochen wird. Dass der Fokus auf ihn zu einem Problem wird für seine Mannschaft, ist ziemlich gut möglich. Es wäre nicht das erste Mal im Fußball.

Am Samstag im Heimspiel gegen Union Berlin steht viel auf dem Spiel. Weniger für die Tabelle, mehr für die Atmosphäre, die in Köln so wichtig ist. Als Vorfreudeapparat, als Arbeitsgrundlage. Weihnachten mit noch einer Niederlage im Gepäck, dafür braucht es keine Glaskugel, wäre für viele nicht weniger als der Weltuntergang.