2:1 gewonnen – trotzdem herrschte beim FC Augsburg nach dem Sieg gegen den FC St. Pauli Frust wegen einer strittigen Elfmeterentscheidung, die auch andernorts für Fassungslosigkeit sorgte.
Hummels schaltet sich in Schiri-Debatte ein
Elfmeter-Szene erhitzt Gemüter
Was war passiert? Nach etwa einer halben Stunde hatte der Augsburger Marius Wolf beim Stand von 0:0 im Duell mit Manolis Saliakas im Strafraum klar den Ball gespielt – und erst danach den Gegenspieler getroffen. Der Hamburger ging zu Boden, Schiedsrichter Sascha Stegemann pfiff und entschied auf Elfmeter.
Die Augsburger reagierten entsetzt, auch weil sich der VAR nicht einschaltete und Stegemann sich die Bilder nicht noch mal anschaute. Wolf sah zudem die Gelbe Karte – genauso wie sein Trainer Manuel Baum, der heftig protestierte. Alles Lamentieren half jedoch nichts, die Entscheidung stand und Danel Sinani traf vom Elfmeterpunkt zur Gästeführung.
Augsburg: Wolf und Baum fassungslos
„Ich spiele den Ball, glaube ich, zwei Sekunden vorher“, sagte Wolf nach der Partie bei Sky. „Er geht dann in mich rein. Natürlich sieht es blöd aus, aber wo soll ich meinen Fuß hinmachen? Ich spiele ihn mit der Picke weg, ziehe sogar meinen Fuß nach hinten. Das habe ich ihm gesagt, aber die lassen ja auch nicht mit sich reden. Wir dürfen ja auch nicht mehr reden, was auch eine Frechheit ist.“
Baum, der sich nach dem Doppelpack von Michael Gregoritsch dann doch noch über drei Punkte freuen durfte, sprach trotzdem Klartext: „Ich hätte es nicht gepfiffen, muss ich ehrlich sagen. Klar, wenn man sich die Schiedsrichterperspektive anschaut und dann isoliert sagt, Sohle trifft Schienbein, und den Kontext weglässt, dann kann man zu der Entscheidung kommen. Aber aus fußballerischer Sicht ist es kein Elfmeter. Ich glaube, das muss man auch sagen dürfen und fertig.“
Meijer nach Elfmeter-Entscheidung: „Bullshit!“
Noch deutlicher wurde Sky-Experte Erik Meijer, der die Welt nicht mehr verstand. „Ich habe ein schönes englisches Wort dafür: Bullshit!“, echauffierte sich der frühere Bundesliga-Akteur von Bayer Leverkusen. „Das macht meinen Sport kaputt. Ich liebe den Fußball, aber da einen Elfmeter zu geben, das macht meinen Sport kaputt und unglaubwürdig.“
Didi Hamann, Meijers Experten-Kollege, schlug in die gleiche Kerbe: „So einen Elfmeter zu geben, und der Videoassistent greift nicht ein. Da geht es um Existenzen, da geht es um Abstieg, da geht es um Arbeitsplätze. Das ist für mich absolut rätselhaft, wie man so einen Elfmeter geben kann, wo Wolf klar vor dem Paulianer ist, der läuft in ihn rein, dann wird er dafür bestraft. Unsäglich.“
Unterstützung bekamen die beiden Experten vom früheren Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz, der am Ende der Saison 2023/24 seine aktive Karriere beendet hatte und nun für die DFB Schiri GmbH arbeitet: „Die Risikoabwägung, die Marius Wolf genommen hat, ist schon in Ordnung. Er kann klar den Ball spielen, und wenn der Pauli-Spieler sich in die Grätschbewegung reinbewegt, dann trägt er letztendlich auch ein Stück weit das Risiko.“
Hummels und Gräfe mit unterschiedlichen Ansichten
Auch Ex-Profi Mats Hummels, deutscher Weltmeister von 2014, reagierte auf X völlig entgeistert: „Ich habe gerade den Elfmeter in Augsburg gesehen und es kann wirklich nicht mehr sein, dass solche Elfer gegeben werden. So viele Pfiffe, die es nicht geben darf trotz VAR, ich verstehe es nicht.“
Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe, der häufig eigentlich kein gutes Haar an seiner früheren Zunft lässt, lässt wiederum auf X mit einer anderen Meinung aufhorchen: „Elfer für Sankt Pauli? Ja, international gibt es dafür sogar auch Rot, wenn man zwar ballspielend, aber danach mit Stollen voraus & Intensität Gegner mit hoher Verletzungsgefahr so trifft… Elfer eindeutig berechtigt von Schiedsrichter Stegemann.“
Hamann stellt Qualität infrage
Diese Erklärung dürfte Hamann alles andere als befriedigen, vielmehr stellt der 52-Jährige die Qualität der deutschen Schiedsrichter grundsätzlich infrage.
„Wir sprechen immer über den Videobeweis, aber ich glaube auch, dass unsere Schiedsrichter einfach besser sein müssen als das, was sie zeigen“, betonte Hamann. „Wir haben heute viele Entscheidungen gehabt, die einfach nicht nachvollziehbar sind. Natürlich ist der Videobeweis die letzte Instanz, aber wir müssen auf dem Feld bessere Entscheidungen treffen. Der Videobeweis hilft dir wahrscheinlich nicht, weil man ihnen die Entscheidungshoheit genommen hat. So wie es im Moment ist, ist es für mich kein Zustand.“