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Dieser Bundesliga-Trainer ist jetzt bei McDonald's

McDonald’s statt Bundesliga-Bank

Alexander Nouri, einst Bundesliga-Trainer, startet einen neuen Lebensabschnitt jenseits des Fußballs. Dabei nutzt er seine Führungserfahrung aus dem Profisport, um Filialen einer Fast-Food-Kette zu leiten.
Alexander Nouri war in der Bundesliga unter anderem Trainer von Werder Bremen
Alexander Nouri war in der Bundesliga unter anderem Trainer von Werder Bremen
© IMAGO/photoarena/Eisenhuth
Alexander Nouri, einst Bundesliga-Trainer, startet einen neuen Lebensabschnitt jenseits des Fußballs. Dabei nutzt er seine Führungserfahrung aus dem Profisport, um Filialen einer Fast-Food-Kette zu leiten.

Alexander Nouri hat Bundesligaspiele gewonnen, Derbys bestritten und Werder Bremen beinahe zurück nach Europa geführt. Heute leitet er zwei McDonald’s-Filialen in Nordrhein-Westfalen. Der frühere Trainer von Werder Bremen und Hertha BSC hat sich bewusst für einen beruflichen Neustart außerhalb des Profifußballs entschieden.

Seit Januar 2026 ist der 46-Jährige Betreiber von zwei Restaurants in Herzogenrath und im benachbarten Kohlscheid. Dort stellt er sich seinen Mitarbeitenden laut der Süddeutschen Zeitung mit einem Satz vor, der seinen Rollenwechsel gut beschreibt: „Ich bin hier, um zu lernen.“ Für jemanden, der jahrelang als Führungskraft im Hochleistungsfußball gearbeitet hat, ist das ein ungewöhnlicher, aber konsequenter Schritt.

Nouri Jahrgangsbester im Lehrgang mit Nagelsmann

Nouris Trainerkarriere verlief zunächst steil. 2016 absolvierte er den Fußballlehrer-Lehrgang gemeinsam mit Julian Nagelsmann und schloss ihn als Jahrgangsbester ab. Schon zuvor hatte er sich als Co-Trainer bei Werder Bremen und als Chefcoach des VfB Oldenburg einen guten Ruf erarbeitet.

Als Bremen ihn im Herbst 2016 zum Cheftrainer machte, stand der Klub sportlich unter Druck. Nouri stabilisierte die Mannschaft schnell – und führte sie in der Rückrunde der Saison 2016/17 zu einer der besten Serien der Vereinsgeschichte. Werder blieb in der zweiten Saisonhälfte ungeschlagen, holte neun Siege und verpasste den Europapokal nur knapp.

Der junge Trainer galt damals als moderner Kommunikator, der nah an den Spielern arbeitete. Weggefährten beschrieben ihn als Coach, der die Sprache der Spieler klar und einfach spricht, mit gutem Gespür für Gruppenführung.

Nach Bremen beim FC Ingolstadt und Hertha BSC aktiv

Die starke Rückrunde erhöhte jedoch auch die Erwartungen. Als die folgende Saison nicht mehr so erfolgreich verlief, wurde Nouri bereits im Herbst 2017 gefeuert. „Er bringt alles mit, was einen erfolgreichen Trainer ausmacht“, sagte Werder-Geschäftsführer Frank Baumann zum Abschied – ein im Fußball häufig gehörter Satz, der dennoch kaum über den Karriereknick hinwegtäuschen konnte.

Es folgten weitere Stationen, die zeigen, wie schnelllebig der Markt für Trainer ist: Beim FC Ingolstadt betreute Nouri die Mannschaft in acht Pflichtspielen, bei Hertha BSC kam er auf vier Einsätze. Später übernahm er den griechischen Zweitligisten AO Kavala, wo er 15 Spiele lang an der Seitenlinie stand. Nachhaltige Projekte ergaben sich daraus nicht.

Seit März 2022 taucht Nouri in keiner offiziellen Trainerstatistik mehr auf. Während andere Kollegen über Berater, Medienauftritte oder Netzwerke im Gespräch bleiben, verschwand er zunehmend aus dem öffentlichen Fokus.

Nouri konnte sich „Leben ohne den Profifußball nicht vorstellen“

Der Fall Nouri steht exemplarisch für den modernen Trainermarkt. Kaum ein Beruf ist so stark von kurzfristigen Ergebnissen abhängig. Wer verliert, gerät schnell unter Druck – unabhängig von Konzept, Entwicklung oder Umständen.

Nouri kennt diese Mechanismen genau. Noch 2019 sagte Nouri dem Tagesspiegel, er könne sich „ein Leben ohne den Profifußball nicht vorstellen“ und ergänzte „Diese Emotionalität wirst du in keinem Bürojob bekommen“. Gleichzeitig wurde ihm mit den Jahren bewusst, wie wenig planbar dieser Beruf ist. „Fußball kann sehr ungerecht sein“, sagt er heute.

Im Sommer des vergangenen Jahres begleitete die Süddeutsche Zeitung ihn über mehrere Monate. Damals war offen, ob er überhaupt noch einmal als Trainer arbeiten wolle. Angebote aus unteren Ligen hätten ihn nicht überzeugt. „Alles würde ich jetzt auch nicht mehr machen“, sagte Nouri damals. Der Gedanke, den Fußball ganz hinter sich zu lassen, wurde realistischer.

Nouri wagt Schritt in eine neue Branche

Über Bekannte kam Nouri schließlich mit dem Franchisesystem von McDonald’s in Kontakt. Anfangs nur aus Neugier, dann immer konkreter. Es folgten Gespräche, Schulungen und praktische Einsätze. Nouri arbeitete in Filialen mit, lernte Abläufe, Logistik, Personalführung und wirtschaftliche Kennzahlen kennen.

„Was möchte ich die nächsten Jahre machen?“, sei für ihn die entscheidende Frage gewesen, sagte Nouri bei der SZ. Er habe sich nach Stabilität und Planbarkeit gesehnt – Dinge, die der Profifußball kaum bieten könne.

Heute betreibt er zwei Filialen in Nordrhein-Westfalen. Wenn er sich seinem Team vorstellt, macht er deutlich, dass er nicht mit Trainer-Allüren auftaucht. „Ich gehe da nicht rein und sage: Ich weiß, wie es läuft“, sagt er: „Ich bin hier, um zu lernen.“

Parallelen zwischen Kabine und Betrieb

Ganz losgelassen hat Nouri seine frühere Welt dennoch nicht. Er erkennt viele Gemeinsamkeiten zwischen Fußball und Unternehmensführung. „Am Ende geht es in beiden Welten darum, Menschen mitzunehmen“, sagt er. „Im Fußball sind es Spieler, hier sind es Mitarbeitende“, sagte Nouri. Entscheidend sei, zu verstehen, was Menschen motiviert und was sie brauchen, um Leistung zu bringen.

Er organisiert Dienstpläne, kümmert sich um Abläufe und übernimmt Verantwortung für mehrere Teams. Führung, so seine Überzeugung, funktioniere unabhängig von der Branche nach ähnlichen Prinzipien.

Nouri meint zudem, dass viele Trainer insgeheim über einen Neuanfang nachdenken: „Ich glaube schon, dass es in der Branche viele gibt, die gern noch mal einen neuen Weg einschlagen würden, die sich aber nicht trauen.“

Abschied ohne Bitterkeit

Ganz losgelöst vom Fußball ist Nouri nicht. Er verfolgt Spiele weiterhin, auch große Duelle wie das Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen. Dabei erinnert er sich an eigene Momente an der Seitenlinie – etwa an den 2:1-Sieg gegen Hamburg 2017, als er selbst Trainer der Bremer war.

Ob er sich vorstellen könne, noch einmal zurückzukehren? „Nicht wirklich“, sagt er. Die Erinnerungen seien schön, aber entscheidend sei, was jetzt komme.

Und das ist für Alexander Nouri kein Stadion mehr, sondern der Alltag eines Unternehmers. Ein ungewöhnlicher Weg für einen ehemaligen Bundesliga-Trainer – aber einer, den er bewusst gewählt hat.