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Als Mega-Coup gefeiert - und jetzt schon zweifelnd?

Wann zündet der Königliche endlich?

Der schillerndste Name unter Bayer Leverkusens insgesamt 13 Sommer-Neuzugängen lautete Lucas Vázquez. Bislang blieb der Spanier aber eher ein Versprechen als eine echte Verstärkung – doch das soll sich möglichst bald ändern.
Lucas Vázquez ist der erste Spieler der Geschichte, der mit fünf Champions-League-Titeln in die Bundesliga wechselt. Die Beweggründe - und mit wem er davor Kontakt hatte, erklärt der Spanier auf seiner Auftakt-PK selbst.
Der schillerndste Name unter Bayer Leverkusens insgesamt 13 Sommer-Neuzugängen lautete Lucas Vázquez. Bislang blieb der Spanier aber eher ein Versprechen als eine echte Verstärkung – doch das soll sich möglichst bald ändern.

Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass Lucas Vázquez einmal ein Königlicher von Real Madrid war. Im Prinzip genügt ein kurzer Blick in die sozialen Netzwerke. Auf Instagram folgen ihm 22,3 Millionen Menschen - mehr als jedem anderen Spieler der Bundesliga, mit großem Abstand. Harry Kane kommt auf 17,9 Millionen, Manuel Neuer auf 14,4. Dazu erzählt auch Vázquez’ Trophäensammlung von einer Karriere auf höchstem Niveau.

Der inzwischen 34 Jahre alte Rechtsverteidiger stand bei seinem früheren Verein zwar seltener im grellen Scheinwerferlicht als Superstars wie Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Toni Kroos oder Luka Modrić. Und doch war er über Jahre hinweg fester Bestandteil einer Mannschaft, die den europäischen Fußball nach Belieben dominierte. Fünf Champions-League-Titel stehen in seiner Vita – mehr haben nur fünf Spieler in der Geschichte dieses Wettbewerbs gewonnen.

Entsprechend groß waren die Erwartungen, als Bayer Leverkusen den Spanier verpflichtete. Geschäftsführer Simon Rolfes sprach davon, Vázquez werde mit Erfahrung und Raffinesse „großen Einfluss auf unser Spiel nehmen und zur Stütze unserer Mannschaft werden“. Der Plan war klar: In einem Sommer des Umbruchs, in dem Bayer 13 überwiegend junge Neuzugänge integrierte, sollte Vázquez Halt und Orientierung geben. Bis jetzt ging dieser jedoch nur teilweise auf.

Leverkusen: Leise Abgangsgerüchte um Vázquez

Hartnäckige, langwierige Rückenprobleme legten Vázquez über weite Strecken der Hinrunde lahm. Nach sechs Pflichtspielen zu Beginn fiel er ab Mitte Oktober rund zwei Monate aus. Erst am letzten Spieltag vor Weihnachten feierte er beim 3:1 in Leipzig sein Comeback. Macht unterm Strich: 329 Einsatzminuten in der laufenden Saison. Für einen Mann seines Formats ist das wenig. Sehr wenig. Vázquez war bislang eher ein Versprechen als eine echte Verstärkung.

Erste Aufruhen ließen nicht lange auf sich warten. Zuletzt spekulierten einige Medien sogar darüber, ob der Spanier die Bundesliga nach nur einem halben Jahr schon wieder verlassen könnte. Von Anpassungsschwierigkeiten und Unzufriedenheit mit seiner sportlichen Situation war die Rede, Besiktas Istanbul wurde als möglicher Abnehmer genannt. Fakt ist jedoch: Bayer hat keinerlei Interesse daran, seinen prominentesten Neuzugang vorschnell wieder abzugeben – zumal Vázquez noch bis 2027 unter Vertrag steht.

Auch der Spieler selbst schlägt andere Töne an. In einem Interview mit der Marca sprach er vor Kurzem von einer trotz allem positiven Anfangszeit im Rheinland. „Ja, auf persönlicher Ebene war es eine große Veränderung. Wir waren viele Jahre bei Real Madrid, haben viele Jahre in Madrid gelebt, jede Veränderung ist schwer“, schilderte er mit Blick auf seine Familie: „Aber wir sind sehr glücklich, haben uns gut eingelebt und sind zufrieden mit dem Wechsel zu Bayer Leverkusen.“

Noch ist die Lücke zwischen Hoffnung und Realität ziemlich groß. Auch beim Topspiel am Samstagabend gegen den VfB Stuttgart saß er zunächst nur auf der Bank. Aber es gibt gute Gründe, warum man in Leverkusen weiter an Vázquez glaubt. Vor allem, weil er vor dem Restart der Bundesliga nun endlich das tun kann, was ihm im Sommer verwehrt blieb: mit der Mannschaft trainieren. Als Real-Präsident Florentino Pérez ihn im Juli nach der Klub-WM in einer großen Zeremonie verabschiedete, war nämlich lange offen, wie es mit seiner Karriere weitergehen würde.

Vázquez holte sich bei Alonso, Carvajal und Kroos Tipps

Saudi-Arabien winkte mit Geld, auch ein Engagement in den USA galt als realistisches Szenario. Den Ausschlag für Leverkusen gaben am Ende die Ratschläge dreier alter Weggefährten: Reals Trainer Xabi Alonso, Dani Carvajal und Kroos. Alle drei hatten in Leverkusen nicht nur gespielt, sondern gelernt, gewonnen, Spuren hinterlassen. Vázquez hörte zu und fügte so sich in eine bemerkenswerte internationale Transferkette ein: Real holte Trent Alexander-Arnold, Liverpool ersetzte ihn mit Jeremie Frimpong aus Leverkusen - und Bayer schloss die Lücke in Madrid mit Vázquez.

Als der Spanier im Rheinland ankam, lief die Saison aber schon, der erste Spieltag war Geschichte. Zeit für behutsamen Aufbau? Fehlanzeige. Nach kurzer Phase ohne Klub ging es direkt rein ins Getümmel, mitten hinein in einen holprigen Saisonstart der Werkself – offenbar mehr, als der Körper mitmachen wollte. Die Rechnung folgte prompt. Immerhin blieb Vázquez aber während seiner Ausfallzeit präsent, sichtbar, Teil des Ganzen.

Bei Heimspielen schlenderte er oft gut gelaunt durch die Katakomben, hier ein Scherz mit den Kollegen, dort ein kurzer Plausch mit Geschäftsführer Fernando Carro. Jetzt soll es auch auf dem Platz aufwärtsgehen. Und zwar bald. Für Lucas Vázquez, für Bayer Leverkusen – und für alle, die noch nicht sicher sind, ob der ehemalige Königliche im Rheinland wirklich heimisch werden kann.