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FC Bayern: Der Irrtum im Fall Kane

Der Irrtum im Fall Kane

Beim kommenden Spiel in Leipzig könnte Jamal Musiala erstmals seit Juli 2025 wieder im Kader des FC Bayern stehen. Durch seine Rückkehr dürfte sich die Rolle von Harry Kane ändern. Aber muss sie das überhaupt?
Auf einer Pressekonferenz spricht Bayern-Trainer Vincent Kompany über Harry Kane und vergleicht seinen Stürmer mit Kevin de Bruyne und Toni Kroos.
Beim kommenden Spiel in Leipzig könnte Jamal Musiala erstmals seit Juli 2025 wieder im Kader des FC Bayern stehen. Durch seine Rückkehr dürfte sich die Rolle von Harry Kane ändern. Aber muss sie das überhaupt?

Als Jamal Musiala im vergangenen Juli während des Viertelfinals der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain schwer verletzt aus dem Stadion in Atlanta gebracht wurde, war man beim FC Bayern in brennender Sorge. Man zitterte nicht nur um den Ausnahmekönner, sondern auch um die Ambitionen des Teams in der aktuellen Saison. Wie sollten die Münchner ohne Musiala nach den Sternen greifen?

Mehr als ein halbes Jahr später ist klar: Die Bayern kommen auch ohne den Nationalspieler bestens zurecht und tüteten jüngst sogar einen neuen Hinrunden-Rekord ein. Ein wichtiger Eckpfeiler war dabei Harry Kane – auch weil der Engländer sein Spiel umstellte. Statt den reinen Stoßstürmer zu geben, gilt er mittlerweile als „Mister Everywhere“.

Er taucht vorne, aber auch im Mittelfeld oder gar an der eigenen Strafraumkante auf. Er führt deutlich mehr Zweikämpfe, spielt doppelt so viele weite Bälle wie in seinen ersten beiden Bayern-Jahren und diese kommen zudem verlässlicher an als früher. Eine Entwicklung, die dem bayerischen Spiel guttut, aber auch ihre Kritiker hat.

Kritik von Hamann an Bayern-Star Kane

„Es ist aller Ehren wert, dass Kane sich für die Mannschaft aufopfert, aber als Trainer will ich meinen Angreifer dort haben, wo er effektiv ist und Tore schießt“, schreibt Didi Hamann aktuell in seiner Kolumne bei Sky.

Auf Dauer sei das kein Zustand, Ballgewinne im eigenen Strafraum seien nicht die Aufgabe des Bayern-Stürmers. „Ob Kompany es recht ist, dass Harry Kane nicht mehr nur Stürmer spielt, weiß ich nicht“, erklärt Hamann weiter.

Der Bayern-Trainer selbst gab am Freitagvormittag eine klare Antwort: Kompany ist es sogar sehr recht. „Wenn Harry oft in die Box will, dann darf er jedes Mal dorthin. Wenn er sich zurückfallen lassen will, dann darf er das“, sagte der Belgier auf Nachfrage von SPORT1.

Es gehe hierbei nicht um eine taktische Grundidee, sondern um das, was das Spiel in gewissen Situationen biete und verlange. Hamann irrt also, wenn er unterstellt, Kane handle eigenmächtig. Offenkundig hat er Kompanys Segen.

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Hamann liegt nicht völlig falsch

Fakt ist aber auch: Der Ex-Profi liegt nicht völlig daneben. Denn der Bayern-Trainer will trotzdem nicht, dass Kanes Kernkompetenz völlig beiseitegelegt wird.

Für die Zeit nach Musialas Rückkehr gibt Kompany nämlich bereits jetzt die Marschroute vor: „Am Ende müssen sie aber immer im Sechzehnmeterraum sein. Wenn sich ein Bild ergibt, wo das nicht der Fall ist, muss ein anderer Spieler die Position übernommen haben.“

Ein Punkt, der Kane bislang gut gelingt, nur selten fehlt er vorne, nachdem er einen Angriff selbst initiiert hat.

Aber seine statistischen Daten zeigen auch: Der 32-Jährige ist gar nicht an so vielen Angriffen der Bayern beteiligt. Gleich acht Münchner Spieler sind laut Datendienstleister Opta häufiger dabei, wenn es nach vorne geht – darunter sogar Konrad Laimer und Aleksandar Pavlovic.

FC Bayern: Kompany vergleicht Kane mit Kroos

Am deutlichsten sichtbar ist in Kanes Anpassung, dass er aktuell vor allem mit weiten Bällen glänzt. Allein im Spiel in Köln schlug der Stürmer acht solcher Pässe. Zum Vergleich: Erling Haaland kommt in 175 Pflichtspielen für Manchester City auf lediglich elf.

Hier vergleicht Kompany seinen Stürmer sogar mit Mittelfeld-Ikonen wie Toni Kroos und Kevin De Bruyne. „Das kann er“, sagt der Belgier und will seinen Spielern das richtige Maß an Eigenverantwortung zugestehen.

Dazu passt, dass Kane selbst bereits im vergangenen September davon sprach, dass seine neue Rolle quasi von selbst kam. „Ich glaube, das passiert einfach“, erklärte er damals und führte das auf das Fehlen von Jamal Musiala zurück. Man habe daran nicht zwingend gearbeitet.

Wenn sein Mitspieler nun wieder an Bord ist, könnte der Engländer demnach durchaus seine nächste Wandlung durchlaufen – Kompany gibt ihm dafür jedenfalls freie Hand.