Die Fußballfamilie trauert um ein Urgestein der Bundesliga und eine international profilierte Trainerlegende: Sepp Piontek ist tot.
Deutsche Legende tot: Sein größtes Vermächtnis veränderte Fußball-Europa
Trauer um eine deutsche Ikone
Der sechsmalige deutsche Nationalspieler, der als Spieler sowie als Coach bei Werder Bremen tätig war, ist im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Dänemark gestorben. Das gab der dänische Fußballverband am Donnerstag in den Sozialen Netzwerken bekannt. Pionteks wegweisende Arbeit als Nationalcoach Dänemarks ist das Herzstück seines sportlichen Vermächtnisses.
Sepp Piontek: Ein Urgestein der Bundesliga
In seiner Spielerkarriere lief der in Breslau im heutigen Polen geborene und nach dem 2. Weltkrieg nach Ostfriesland vertriebene Piontek zwischen 1960 und 1972 in mehr als 300 Pflichtspielen für Werder auf - der Verteidiger erzielte dabei 19 Tore.
1961 gewann er mit den Bremern den DFB-Pokal, 1965 holte er unter Coach Willi Multhaup die deutsche Meisterschaft - an der Seite von Klublegenden wie Arnold „Pico“ Schütz und dem jungen Horst-Dieter Höttges.
Nach der aktiven Karriere startete Piontek seine Laufbahn an der Seitenlinie. Er betreute neben Werder auch Fortuna Düsseldorf und den FC St. Pauli und war Nationalcoach für Haiti, Dänemark, die Türkei - wo er Mentor seines damaligen Assistenten Fatih Terim war - und zuletzt Grönland.
In Dänemark wurde er zum Nationalheiligtum
Besonders in Erinnerung ist seine elfjährige Amtszeit als Nationalcoach Dänemarks zwischen 1979 und 1990. Piontek etablierte das Land, das sich zuvor nie für ein großes Turnier qualifiziert hatte, erfolgreich auf der europäischen Fußball-Landkarte.
Sein Meisterstück schaffte er bei der EM 1984 in Frankreich, als er die Dänen mit begeisterndem Offensivfußball bis ins Halbfinale führte. In seiner Wahlheimat - wo er später auch die Erstligisten Aalborg und Silkeborg trainieren sollte - wurde er dafür als „Däne des Jahres“ gekürt.
Sein erfolgreiches Wirken - das den Grundstein für den dänischen Sensationssieg bei der EM 1992 legte - brachte Piontek unter anderem auch bei Real Madrid und als deutscher Bundestrainer ins Gespräch - zu einem Zeitpunkt, als die Position von Franz Beckenbauer als Teamchef noch nicht gefestigt war.
„Ein großartiger Botschafter des deutschen Fußballs“
„Schon als Spieler war er mit seinem kompromisslosen Spiel und seinem sympathischen Auftreten außerhalb des Platzes in Bremen ein echter Publikumsliebling“, würdigt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald den verstorbenen Piontek: „Als Trainer hat er insbesondere in Dänemark Kultstatus erreicht und war ein großartiger Botschafter des deutschen Fußballs. Sein Tod macht uns sehr traurig. Der SV Werder Bremen wird Sepp Piontek stets ein ehrendes Andenken bewahren.“
Morten Olsen, einer der Nachfolger Pionteks als dänischer Nationaltrainer, bezeichnete den Verstorbenen gegenüber der Zeitung B.T. als „fantastischen Trainer. Er war immer gut vorbereitet. Und er hatte genau die richtige Balance gefunden. Denn er hatte erkannt, dass man mit diesen Dänen auch Humor haben musste“, sagte Olsen.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)