In insgesamt 295 Pflichtspielen stand Marcell Jansen für Borussia Mönchengladbach, den FC Bayern und den Hamburger SV auf dem Feld.
FC Bayern: "Das kam bei der Mannschaft nicht gut an"
So lief Jansens wildes Bayern-Jahr
Die kürzeste Zeit verbrachte er dabei beim deutschen Rekordmeister - allerdings auch die erfolgreichste.
In der Saison 2007/08 wurde der heute 40-Jährige Deutscher Meister und Pokalsieger mit den Münchnern.
Jansen vor Barca-Wechsel
In der neuesten Folge des Podcasts SPORT1 Deep Dive spricht Jansen über sein ganz spezielles Jahr bei den Bayern und warum er 2007 fast beim FC Barcelona gelandet wäre.
„Es war mit Barcelona schon alles so gut wie ausverhandelt, aber dann ist das so bei solchen Vereinen, dass es auch Mitgliederversammlungen gibt, und da wurden dann der Präsident und Trainer ausgetauscht“, erinnert sich Jansen im Gespräch mit SPORT1.
Diese Chance hätten dann die Bayern versucht zu nutzen: „Paul Breitner ist dann nach Düsseldorf gekommen und wir haben uns am Flughafen getroffen. Das Paket mit Paul Breitner, der klargemacht hat, warum ich zu Bayern kommen soll, aber auch Ottmar Hitzfeld als Trainer und Uli Hoeneß haben sich sehr bemüht. Das hat mich dann überzeugt.“
Der wichtigste Faktor sei aber der Trainer gewesen: „Ottmar Hitzfeld wollte mich unbedingt und das war sehr wichtig. Du gehst dahin, wo ein Trainer dich unbedingt will.“
Jansen wird mit Bayern Double-Sieger
Und Hitzfeld setzte tatsächlich voll auf Jansen. Wenn er fit war, spielte der Verteidiger - insgesamt 33-mal in allen Wettbewerben, meist über 90 Minuten.
„Ich war Stammspieler und es war auch eine gute Entscheidung. Gerade für mich als junger Spieler war ein Trainer wie Ottmar Hitzfeld und auch so ein Umfeld sehr wichtig“, erzählt Jansen.
Die Zusammenarbeit lief zudem äußerst erfolgreich. Nach einer enttäuschenden Saison 2006/07 Saison ohne Titel holte der FC Bayern mit Jansen in seiner ersten Saison (07/08) das Double.
Neben den Titeln schwärmte der ehemalige Linksverteidiger auch über das Zusammenspiel auf der linken Seite mit Franck Ribéry, der auch frisch nach München gewechselt war: „Es gab da einen so verrückte Typen, wie Franck. Wir haben ja auch auf einer Seite gespielt. Das war schon cool.“
Kahn? „Hat mich nicht immer verstanden“
Aber auch mit den anderen Stars kam er gut aus: „Mein Vorteil in München war, dass ich etliche Kollegen aus der Nationalmannschaft getroffen habe. Das heißt, ich bin nicht in die Kabine gekommen und wusste nicht, mit wem ich sprechen kann. Das war wichtig.“
Bei den Bayern traf er unter anderem auf Miroslav Klose, Oliver Kahn, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, mit denen er 2006 das legendäre Sommermärchen erlebte. Eine ganz spezielle Beziehung pflegte er zu Kahn.
„Mir hat schon auch meine rheinländische Art geholfen. Die hat Oli Kahn zwar nicht immer verstanden“, sagt Jansen lachend: „Da haben wir uns gegenseitig auch immer wieder Sprüche gedrückt. Wir haben uns wirklich sehr gut verstanden.“
Er habe sich „sehr wohlgefühlt an der Säbener Straße. Damals war auch alles noch etwas kleiner. Nicht so wie heute. Es gab nur eine kleine Küche, eine kleine Kabine. Das war sehr familiär. Es war eine super geile Saison“, erinnert sich Jansen.
Jansen bei Gladbacher Aufstiegsfeier
Und diese tolle Saison wurde anschließend sogar noch doppelt gekrönt. Denn Jansens Jugendverein, Borussia Mönchengladbach, mit dem er vor seinem Bayern-Wechsel abgestiegen war, stieg gleich wieder in die Bundesliga auf.
„Wir haben das Double geholt und im gleichen Zeitraum haben mich auch die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach angerufen und haben mich im Namen des Präsidenten zur Aufstiegsfeier eingeladen mit der Mannschaft. Ich habe mit der Mannschaft dann den Aufstieg gefeiert“, erzählt Jansen bei SPORT1.
Aber warum luden die Fohlen einen Bayern-Spieler zu ihrer Aufstiegsfeier ein? Der Transfer zum deutschen Rekordmeister hatte Mönchengladbach 14 Millionen eingebracht. Für damalige Verhältnisse unglaubliches Geld, mit dem ein guter Kader für Liga zwei aufgebaut werden konnte.
„Das war wie ein Happy End. Gladbach konnte dadurch auch eine gute Basis für die super Entwicklung danach aufbauen“, sagt Jansen.
Nach einem Jahr zieht Jansen nach Hamburg weiter
Für Jansen selbst veränderte sich die Situation, als Hitzfeld seinen Posten räumen musste und Jürgen Klinsmann installiert wurde.
„Wir waren alle überrascht, dass es mit Ottmar Hitzfeld nicht weiterging. Ich meine wir haben das Double geholt“, erinnert sich Jansen: „Das kam nicht gut an bei der Mannschaft, weil die Mannschaft und das Trainerteam eine echte Einheit waren.“
Für den Linksverteidiger entwickelte sich der Trainerwechsel zum Albtraum: „Wir sind schlecht gestartet, ich habe kaum gespielt, obwohl ich zuvor Stammspieler war und bei der EM Stammspieler war. Zudem war es auch nicht so, dass die Konkurrenten auf meiner Position besser gespielt haben.“
Es habe „einiges nicht gepasst, weshalb ich nach einigen Gesprächen mit dem Trainer gemerkt habe: Das wird hier nichts. Die Begründungen waren auch sehr dünn“, erzählt Jansen.
Auch deshalb entschied er sich, die Bayern bereits nach einer Saison wieder zu verlassen: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich die Wertschätzung ändert - und nachdem der HSV dann extrem um mich gekämpft hatte, habe ich dann den Wechsel gemacht.“