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Wie der FC Bayern mit der ersten Karl-Delle umgeht

Ist das wirklich eine Krise?

Der riesige Hype um Lennart Karl hat ein vorläufiges Ende gefunden. In den kommenden Wochen entscheidet sich für den bald 18-Jährigen vieles.
Lennart Karl wird bei einem Fanklub-Besuch in Denkendorf nach seinem Traumverein gefragt. Das 17-jährige Supertalent nennt Real Madrid und spaltet damit das Fanlager des deutschen Rekordmeisters.
Der riesige Hype um Lennart Karl hat ein vorläufiges Ende gefunden. In den kommenden Wochen entscheidet sich für den bald 18-Jährigen vieles.

Es war eine dieser Szenen von Lennart Karl, die man unterschiedlich deuten kann. Als der 17-jährige Bayern-Youngster in der 66. Minute gegen Hoffenheim zu mehreren Übersteigern ansetzte, unterlief ihm ein Malheur. Irgendwann bekam er den Ball an die eigene Ferse – die Kugel landete im Aus, die Chance der Münchner auf eine weitere Tor-Gelegenheit verpuffte.

Wer es gut mit Karl meinte, der wertete die Aktion als weiteren Beleg dafür, dass er weiterhin rotzfrech aufspiele und ein Unterschiedsspieler werden wolle. Andere Beobachter sahen es als Beweis für die latente Arroganz, zu der er sich immer wieder hinreißen lasse.

Gerade in den sozialen Kanälen war der Spott groß – selbst der offizielle Bundesliga-Kanal konnte es sich nicht verkneifen, die Szene auf Instagram zu posten. Karls Gegenspieler Alexander Prass gab dem Ganzen noch eine besondere Note: Der Österreicher applaudierte höhnisch und zeigte ironisch mit dem Daumen nach oben.

Trainer Vincent Kompany gehört zu ersterer Gruppe: „Wenn ich ein Zeichen von Arroganz oder fehlendem Respekt gegenüber dem Gegner sehe, muss niemand etwas sagen. Ich spreche das dann an. Aber in diesem Fall hatte ich dieses Gefühl nicht, es lief einfach unglücklich“, sagte der Belgier am Dienstag. Er habe zudem die Social-Media-Posts gar nicht gesehen und erklärte: „Man hat Lennarts Tore wahrscheinlich auch 250.000-mal gezeigt … es geht nun mal in beide Richtungen. Dem kommt man nicht aus.“

FC Bayern: Karls Mega-Lauf beendet

Fakt ist: Nach seinem Mega-Lauf im Spätherbst des vergangenen Jahres erlebt Karl derzeit eine kleine Durststrecke. Im Jahr 2026 absolvierte er kein Spiel über 90 Minuten, die Tore und Assists wurden weniger.

Fakt ist aber auch: Genau diese Phase hatten die Verantwortlichen – und allen voran Kompany – vorhergesehen und ihre Unterstützung zugesagt. Auch in der restlichen deutschen Fußball-Öffentlichkeit wurde immer wieder betont, dass man den Youngster nicht zu sehr mit Erwartungen überfrachten dürfte. Insofern wirken Spott und Kritik unangebracht.

Eberl stützt und schützt Karl

„Wie sagt Vinnie (Vincent Kompany – Anm. d. Red.) immer so schön? Don’t believe the drama, don’t believe the hype! Lennart hat eine herausragende Hinrunde gespielt und jetzt ist es eben so, dass die Gegenspieler ihn und seine Stärken kennen. Sie wissen, was er kann“, sagte Sportvorstand Max Eberl nach der Partie auf Nachfrage von SPORT1.

Karl müsse für sich körperlich und mit seinen Fähigkeiten den nächsten Schritt gehen. „Aber das macht er völlig entspannt, weil er Lust hat und lernen möchte. Ich bin mir sicher, dass er wichtige Tore und Aktionen für uns liefern wird“, erklärte der Klub-Stratege weiter. Es ist eine Mischung aus gutem Zureden und der Forderung an den Youngster, jetzt nicht stehenzubleiben.

Es liegt an Kompany

Die Marschroute scheint klar: Kompany ist der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, Karl wieder in die Spur zu bringen. Der Belgier scheint für diese Aufgabe perfekt geeignet zu sein – schließlich hat er früh betont, seinem Schützling nicht zu viel Druck aufladen zu wollen. Beim Bayern-Trainer haben besonders erfahrene Profis wie Manuel Neuer und absolute Newcomer wie Karl stets unendlichen Kredit.

Der Youngster selbst bleibt auch gelassen: „Ich werde einfach weiter Vollgas geben. Man kann nicht immer die perfekten Leistungen bringen. Ich muss im Training und im Spiel Vollgas geben – dann kommt die Leistung wieder“, sagte Karl zu SPORT1. Der Trainer spreche nicht explizit mit ihm, sondern man sei ständig im Austausch – keine Sonderbehandlung für den Shootingstar also.

Verschweigen sollte man aber nicht, dass für Karl jetzt eine entscheidende Phase beginnt. Bereits in fünfeinhalb Wochen verkündet Bundestrainer Julian Nagelsmann, wen er für die Länderspiele Ende März nominiert. Wer dann im DFB-Kader steht, darf sich gute Chancen auf eine WM-Teilnahme ausrechnen – und da will der bald 18-Jährige schließlich dabei sein.