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13 Spiele sieglos! Werder stürzt auf Abstiegsplatz

Werder-Profis von Fans zurückgewiesen

Der FC St. Pauli und der SV Werder Bremen liefern sich keine Fußball-Feinkost, aber einen echten Keller-Krimi, der für die Bremer in einer Höhepunkt der Negativserie endet.
In Bremen stehen entscheidende Wochen an: Der SV Werder steckt im Abstiegskampf und hat in den kommenden Partien alle direkten Konkurrenten vor der Brust.
Der FC St. Pauli und der SV Werder Bremen liefern sich keine Fußball-Feinkost, aber einen echten Keller-Krimi, der für die Bremer in einer Höhepunkt der Negativserie endet.

Der Kiez bebt: Der FC St. Pauli hat den umkämpften Kellerkracher gegen Werder Bremen für sich entschieden und den taumelnden Konkurrenten auf einen direkten Abstiegsplatz gedrückt.

Die Hamburger setzten sich am Sonntag in einer selten hochklassigen Partie mit 2:1 (0:0) gegen die nun 13 Spiele erfolglosen Bremer um Coach Daniel Thioune durch und schoben sich vorbei auf den Relegationsplatz 16.

Verteidiger Hauke Wahl traf für die Hausherren in der zweiten Hälfte per Kopf zur Führung - Werders Torhüter Mio Backhaus sah dabei gar nicht gut aus (55.). Der Ball rutschte dem 21-Jährigen durch die Finger.

Sieben Minuten später machte allerdings auch Nikola Vasilj in St. Paulis Kasten eine unglückliche Figur und der eingewechselte Jovan Milosevic glich aus kurzer Distanz aus (62.). Joel Fujita sorgte dann erneut für großen Jubel bei den Gastgebern (70.).

Bundesliga: Bremer Fans schicken eigene Mannschaft in die Kabine

Die Bremer warten dagegen seit dem 7. November auf einen Sieg und finden auch nach der Trennung von Horst Steffen weiter keinen Ausweg aus dem Negativlauf. Die Situation ist enorm gefährlich für den Traditionsklub.

Nach der Partie suchten die Werder-Profis den Kontakt zu den mitgereisten Auswärtsfans, wurde vom Capo aber weggeschickt. Anschließend gingen sie in die Kabine.

„Klar, ist es deine Pflicht als Spieler, sich bei den Fans für ihre Unterstützung zu bedanken, aber wenn du 13 Spiele nicht gewinnst, dann will dich auch keiner mehr sehen“, meinte DAZN-Experte Nils Petersen: „Dann wollen sie Leistung sehen und sagen: ‚Geht rein und seht zu, dass ihr nächste Woche gegen Heidenheim gewinnt‘.“

Auch Werders Leonardo Bittencourt äußerte sich zu den Szenen nach dem Abpfiff. Zwar habe er nicht genau verstanden, was gesagt wurde, dennoch meinte er: „Unsere Fans sind eigentlich nicht der Typ dafür, dass sie die Jungs beleidigen oder mit irgendwelchen Sachen beschmeißen, sondern dass sie sagen: ‚Pass auf. Geht rein. Wir wollen euch heute nicht sehen. Wir haben heute ein wichtiges Spiel 1:2 verloren‘.“

In der Kabine habe sich die Mannschaft laut Marco Friedl zunächst einmal die Meinung gegeigt, dabei hätten neben dem Kapitän auch Jens Stage und Romano Schmid das Wort ergriffen.

„Wir brauchen einfach einen Befreiungsschlag und den brauchen wir jetzt ganz schnell, den hätten wir eigentlich schon vor ein paar Wochen gebraucht“, analysierte Friedl und sagte: „Wir haben jetzt 13 sieglose Spiele. Das spricht Bände, es ist völlig verdient, dass wir da stehen, wo wir stehen.“

Strukturierte St. Paulianer bezwingen Bremen

Vor 29.546 Zuschauern im ausverkauften Millerntorstadion hatte der erste Durchgang anschaulich gezeigt, weshalb beide Mannschaften zu den offensiv schwächsten der Liga gehören. Der Wille war da, doch es blieb viel Stückwerk. In der zweiten Halbzeit nahmen dann die Torraumszenen und damit auch die Spannung deutlich zu.

Die Bedeutung der Partie hatten beide Trainer im Vorlauf betont, schon ein Blick auf die Tabelle reichte. „Es werden immer weniger Spiele, deswegen brauchen wir die Punkte“, sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin vor dem Anpfiff bei DAZN.

Der Start war dann durchaus vielversprechend: Keine Minute war gespielt, da enteilte Werder-Angreifer Marco Grüll erstmals der Defensive der Gastgeber, konnte den Ball aber bedrängt vor St. Paulis Keeper Vasilj letztlich nicht kontrollieren. Thioune, der mehr „Schärfe“ in beiden Strafräumen gefordert hatte, sah in den Folgeminuten stärker werdende Hausherren.

St. Pauli fand in seine Struktur und setzte nach einer ersten Chance durch Martijn Kaars (10.) nach, wurde aber nicht wirklich gefährlich. Die nächste Gelegenheit gehörte entsprechend den Grün-Weißen, Jens Stage brachte den Ball nach einer Ecke aber nicht auf das Tor. (32.).

Nach dem Seitenwechsel meldete sich wieder Bremen zuerst an, diesmal per Schlenzer von Samuel Mbangula (50.). Beide Teams fanden nun den Weg in die Strafräume - St. Pauli war dabei zunächst erfolgreicher. Thioune versuchte alles, brachte auch noch Joker Keke Topp - doch der Ausgleich gelang Werder nicht mehr.

Am kommenden Samstag steht für Werder direkt das nächste brisante Spiel gegen den Tabellenletzten aus Heidenheim an. „Das ist definitiv ein Finalspiel oder eins von mehreren, die jetzt kommen. Wir reden jetzt schon über Heidenheim, deswegen ist es für mich auch wichtig schnell die Tür zuzumachen“, erklärte Thioune, der allerdings ankündigte die Ereignisse aus dem heutigen Spiel aufzuarbeiten.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)