Beim Bundesliga-Spiel der Bayern gegen Stuttgart traf es Sebastian Hoeneß als Ersten. Der VfB-Trainer bewegte sich während der Partie an der Seitenlinie – allerdings in einer Coaching-Zone, die auf den ersten Blick etwas merkwürdig aussieht: Dort, wo normalerweise zwei Linien rechtwinklig aufeinandertreffen, verläuft die Begrenzung plötzlich schräg. Der eigentlich rechteckigen Zone fehlt gewissermaßen eine Ecke.
Darum hat der FC Bayern die Coaching-Zone der Gäste verkleinert
Bayerns kuriose Coaching-Zone
Manchem Zuschauer dürfte das gar nicht aufgefallen sein. Wer den ungewöhnlichen Linienverlauf allerdings bemerkte, konnte sich durchaus fragen, warum ausgerechnet der Gäste-Trainer in München mit einer scheinbar verkleinerten Coaching-Zone auskommen muss.
Ein kleiner Bayern-Trick? Noch ein paar Zentimeter Heimvorteil? Tatsächlich hat die Antwort nichts mit einem sportlichen Vorteil für den FC Bayern zu tun.
Kamera ist der Grund
SPORT1 weiß: Die ungewöhnliche Markierung dient als Orientierung für den Gäste-Trainer und soll ihn quasi aus dem Fernsehbild halten. Hintergrund ist eine wichtige TV-Kamera auf Höhe der Mittellinie, die möglichst flach über den Rasen in Richtung nördliches Tor filmt.
Damit ein Trainer bei seinen Bewegungen an der Seitenlinie nicht ständig in diesen Kamerawinkel läuft und den Blick auf das Spielfeld beziehungsweise das Tor verdeckt, wurde die Coaching-Zone an dieser Stelle entsprechend angepasst.
Dass die Aussparung nur auf der Gästeseite zu finden ist, hängt wiederum mit den baulichen Gegebenheiten in der Arena zusammen. Die betreffende Kamera kann wegen einer Klappe, die zum Spielertunnel führt, im Bereich der Seitenlinie nicht exakt mittig positioniert werden. Deshalb ist auch die Markierung nicht symmetrisch. Für Hoeneß bedeutete das gegen die Bayern also keine Schikane, sondern lediglich eine neue optische Leitplanke.
Idee ist keineswegs neu
Völlig neu ist das Prinzip ohnehin nicht. Auch in Leverkusen gibt es eine entsprechende Begrenzung, ebenso in Karlsruhe. In der Allianz Arena war eine solche Lösung nach SPORT1-Informationen bereits vor rund zwei Jahren vorgesehen, wurde jedoch erst jetzt umgesetzt.
Einen wirklichen Wettbewerbsnachteil gibt es dadurch nicht. Die Bewegungsfreiheit des Gäste-Trainers wird nicht entscheidend eingeschränkt. Die schräge Linie soll in erster Linie verhindern, dass er ausgerechnet dort steht, wo ihn die TV-Regie am wenigsten gebrauchen kann. So bleibt von der vermeintlichen Münchner Spezialregel am Ende vor allem ein kurioses Detail.