Zum dritten Mal veröffentlicht Fußball kann mehr (FKM) in diesem Jahr den Bericht zur „Lage der Liga“. Beschrieben wird darin nach Vorbild der AllBright-Berichte, wie viele Frauen in den Strukturen der Fußballvereine in der 1. und 2. Bundesliga der Männer arbeiten. An der Spitze gibt es die eine oder andere sichtbare Bewegung: Tatjana Haenni als CEO in Leipzig, Katharina Kienemann und Jennifer Zietz im Präsidium von Union Berlin.
Die Bundesliga hat kaum Frauen-Bosse - eine Analyse
Kaum Frauen-Bosse in der Bundesliga
Tjorven Steinmeyer ist mittendrin in der Kommunikation – und da fühlt die Projektmanagerin sich wohl. Ihr sei wichtig, einen Job mit Impact zu haben, überlegt sie laut. Als kleines Mädchen wurde sie auf ihren künftigen Fußballverein aufmerksam, weil der mit Zetteln in der Stadt nach Spielerinnen suchte. Ihr Berufsweg nach dem Studium führte sie zunächst in die Kultur. Als sie die Stellenausschreibung von FKM sah, habe sie gewusst: Das ist ihr Job.
Mittendrin in den Zahlen zur „Lage der Liga“
Die Zahlen zur Lage der Liga bei den Clubs zusammenzutragen, ist gleichzeitig Fleißarbeit und kommunikative Aufgabe. In der Entwicklung des Berichtes sei wichtig gewesen, die unterschiedlichen Strukturen der Vereine gut abzubilden, erklärt Steinmeyer. Gezählt wird in Vorstand, Aufsichtsrat/Kontrollgremium und bei den sogenannten Direct Reports, also den Stellen, die direkt an den Vorstand antworten – auch zweite Führungsebene genannt.
Im Mittelpunkt steht die Frage der Entwicklung, schließlich gehören zu den acht Forderungen, mit denen FKM einst 2021 angetreten ist, die nach einer verbindlichen Quote von 30 Prozent Frauen in Präsidium, Vorstand, Geschäftsführung und Aufsichtsräten. Auf der zweiten Ebene der Führung soll Parität herrschen – davon freilich sind fast alle Clubs weit entfernt.
Man merke auch im Fußball und bei den Gesprächen den gesellschaftlichen Backlash, findet Steinmeyer. Für sie sei schwierig zu akzeptieren, dass viele Verantwortliche sich weiterhin gegen eine Veränderung wehrten, von der sie so überzeugt ist. Zahlen belegen seit Jahren, wie positiv Diversität wirkt, natürlich nicht nur in Sachen Gender.
Die Frauenquoten im Profifußball sind ausbaufähig
Aber unter 94 Personen im Top-Management sind nur neun Frauen. Und bei 432 Personen auf der zweiten Führungsebene der Clubs sind es lediglich 19,44 Prozent, das entspricht 84 Frauen, denen 348 Männer gegenüberstehen. Bedenkt man, dass die 84 sich auf 30 Vereine verteilen, zeigt das: In einigen Clubs arbeitet gar keine Frau auf dieser Hierarchieebene. Und andererseits sind Frauen an vielen Stellen in den Vereinen nach wie vor mehr oder weniger Einzelkämpferinnen. Echte Entwicklung sieht anders aus.
Für Steinmeyer bedeuten die Zahlen darum vieles auf einmal. Klar sei da Frust, dass sich nicht mehr und schneller bewegt. Gleichzeitig gibt es Vereine, die unbeirrt voranzugehen scheinen, wie der FC St. Pauli, Vereine, die zumindest in einem Gremium punkten, wie Schalke 04, der 1. FC Kaiserslautern, SV Elversberg oder der 1. FC Heidenheim. Und dann kann Steinmeyer den Einzelkämpferinnen zumindest einen Vorteil abgewinnen: „Wenn man nicht Teil dieses Old Boys’ Club ist, dann muss man auch nicht nach deren Regeln spielen.“