Bundesliga>

Max Eberl mag es nicht aussprechen - aber es stimmt

Der stille Gewinner der Vorbereitung

Das 19 Jahre junge Offensivtalent Tim Binder hat beim FC Bayern in diesem Sommer einige Duftmarken gesetzt. Trotz starker Konkurrenz könnte er auch in der Bundesliga seine Chance bekommen.
Nach dem 3:1-Erfolg über RB Leipzig spricht Bayerns Sportvorstand Max Eberl über Tim Binder und Maycon Cardozo und deren Eindruck aus der Vorbereitung.
Das 19 Jahre junge Offensivtalent Tim Binder hat beim FC Bayern in diesem Sommer einige Duftmarken gesetzt. Trotz starker Konkurrenz könnte er auch in der Bundesliga seine Chance bekommen.

Max Eberl mag die Bezeichnung eigentlich nicht, sagt er. Gewinner der Saisonvorbereitung, Verlierer der Saisonvorbereitung.

„Das sind so Standard-Dinge, die nach einer Vorbereitung gemacht werden“, sagte der Sportvorstand des FC Bayern am Wochenende im Beisein von SPORT1. Viel anfangen könne er mit diesen Zuschreibungen nicht. Ein Thema für die Medien, nicht für ihn – so die Botschaft.

Eberls Worte waren die Reaktion auf die Frage, ob das 19 Jahre junge Offensivtalent Tim Binder auf die Gewinnerseite gehöre. Doch auch wenn Eberl sich zierte, das Schlagwort in den Mund zu nehmen: Seine Antwort lief am Ende doch auf ein „Ja“ hinaus.

Binder zähle – wie auch der zwei Jahre jüngere Brasilianer Maycon Cardozo – zu den Spielern, „die in der ganzen Vorbereitung gezeigt haben, was sie können“, sagte Eberl: „Es macht einfach Spaß, ihnen zuzuschauen.“ Beide seien „sehr nah dran“, im Lauf der Saison auch mal eine Chance bei den Profis zu bekommen.

Tim Binder setzt beim FC Bayern Duftmarken

Der 2019 aus der Augsburger Jugend nach München gewechselte Binder hatte schon Ende Juli im Test beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden bleibenden Eindruck hinterlassen. In Abwesenheit zahlreicher Stars verlor eine B-Mannschaft der Bayern zwar 1:2, aber Binder gehörte zu den Nachwuchskräften, die auf sich aufmerksam machen konnten.

Der Rechtsaußen kam als Einwechselspieler in die Partie und machte in der 57. Minute auf sich aufmerksam: Binder kam im gegnerischen Strafraum an den Ball und ließ seinen Gegenspieler mit einer feinen Finte stehen. Der 19-Jährige legte sich den Ball per Hacke an Wiesbadens Justin Janitzek vorbei und zog zum Tor, als ihn Janitzek umgrätschte. Ein Elfmeter war die logische Folge, den Tom Bischof verwandelte.

In Fan-Foren des FC Bayern machte der Name Tim Binder schnell die Runde. Es war der erste Auftritt des 19-Jährigen für die Profis, normalerweise läuft Binder für die Zweitvertretung in der Regionalliga Bayern auf. Dort hatte er in der vergangenen Saison große Teile der Rückrunde aufgrund einer Fußverletzung verpasst.

„Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht außen vor bin. Als ich zurückgekommen bin und direkt wieder bei den Profis mitmachen durfte, war das für meinen Kopf sehr wertvoll“, blickte er im Gespräch mit Klubmedien auf den Start der Vorbereitung zurück.

Kompany attestiert „beeindruckende Leistung“

Anschließend reiste der 1,78 Meter große Spieler mit dem Profikader nach Asien, um gegen den südkoreanischen Klub Jeju SK und gegen Europa-League-Sieger Aston Villa zu testen. Gegen Jeju kam Binder auf 25 Minuten Spielzeit, gegen Aston Villa spielte der Linksfuß über die volle Distanz.

„Ich war eigentlich nur wegen meines Spiels aufgeregt. Das Drumherum habe ich auf dem Platz gar nicht mehr richtig wahrgenommen. Dort 90 Minuten zu spielen und auch mal körperlich an die Grenze zu kommen, war eine sehr wichtige Erfahrung“, befand Binder nach dem Spiel gegen Villa: „Wenn man mal einen Moment innehält, ist es schon sehr unwirklich, was da vor Ort alles passiert.“

2:1 besiegte Bayern den Premier-League-Klub in Hongkong, die Leistung Binders hatte es Cheftrainer Vincent Kompany durchaus angetan. Der Belgier attestierte dem Youngster eine „beeindruckende Leistung“, auch Cardozo und Stürmer Bastian Assomo bekamen ein Lob: „Wenn ich darauf blicke, wie die Jungs das gemacht haben, freut mich das sehr. Es ist ein Weg, unsere Mannschaft zu stärken.“

Vielseitig einsetzbar

In Abwesenheit von Lennart Karl (verletzt) und Michael Olise (Trainingsrückstand) bietet Kompany Binder zumeist auf dem rechten Flügel auf.

Ausgebildet wurde der 19-Jährige im Zentrum und kann hinter der Sturmspitze alle offensiven Positionen bekleiden. Auch aufgrund der Vielseitigkeit könnte Binder, der im Sommer 2019 von der Jugend des FC Augsburg zum Münchner Nachwuchs gewechselt war, für Kompany noch zu einer interessanten Kaderoption werden.

Im Telekom Cup gegen RB Leipzig (3:1) erhielt Binder wieder das Vertrauen von Cheftrainer Kompany und zahlte dies mit guten Aktionen zurück. Der Linksfuß agierte mutig, hatte seinen Anteil an der zwischenzeitlichen 1:0-Führung durch Luis Díaz und zeigte immer wieder Zug zum Tor.

Vertrag läuft 2027 aus

Mit Michael Olise, Lennart Karl, Serge Gnabry, Luis Díaz, Jamal Musiala, Ismael Saibari und Arijon Ibrahimovic sind die Positionen hinter dem gesetzten Stoßstürmer Harry Kane prominent besetzt. Dennoch könnte sich für Binder aufgrund der hohen Belastung immer mal wieder eine Chance ergeben, bei den Profis auf Minuten zu kommen.

Der Vertrag des 19-Jährigen läuft in München noch bis 2027. Mit seinen Leistungen in der Vorbereitung dürfte Binder Eigenwerbung für eine Vertragsverlängerung betrieben haben.

Schon heute Abend könnte sich dem Linksfuß die nächste Möglichkeit bieten, auf sich aufmerksam zu machen. Dann gastiert der FC Bayern für ein weiteres Testspiel in Heidenheim (ab 18 Uhr LIVETICKER), bevor am Samstag der Franz-Beckenbauer-Supercup in Dortmund ansteht.