Bundesliga>

Breitner schimpft über "Geschwür" im deutschen Fußball

Bundestrainer? So denkt Breitner

Bayern-Legende Paul Breitner blickt vor seinem 75. Geburtstag auf die Zeit zurück, als er fast Bundestrainer wurde - und sieht im deutschen Fußball ähnliche Probleme wie Ende der Neunziger.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler räumt am Rande des Internationalen Trainerkongresses mit den Gerüchten um eine vermeintlich schlechte Stimmung im DFB-Camp auf.
Bayern-Legende Paul Breitner blickt vor seinem 75. Geburtstag auf die Zeit zurück, als er fast Bundestrainer wurde - und sieht im deutschen Fußball ähnliche Probleme wie Ende der Neunziger.

Paul Breitner wäre 1998 beinahe Bundestrainer geworden, blickt auf diese Anekdote aber nicht im Groll zurück. „Es gibt für mich kein Hätte, Täte, Wäre“, sagte der Weltmeister von 1974, der am Samstag 75 Jahre alt wird, im Klubmagazin „seines“ FC Bayern.

Das hätte Breitner als Bundestrainer gemacht

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe nach dem Rücktritt von Berti Vogts „eine riesige Chance, Tabula rasa zu machen“, sagte Breitner damals, ehe sein Engagement beim Verband doch noch scheiterte. Er hätte das Amt „sofort“ und auch „für neun Monate, zwölf Monate, ohne Vertrag“ angetreten, sagte Breitner jetzt.

„Ich hätte das gemacht, was sie auch heute wieder bräuchten: eine völlig neue Ausrichtung in der Ausbildung, im Training unserer Kinder und Jugendlichen“, stellt er klar.

Das ist für Breitner ein regelrechtes „Geschwür“ im deutschen Fußball

Dort liegt laut Breitner einiges im Argen. „Wir haben uns wieder zu sturen Aufgaben-Erfüllern auf dem Platz trainieren lassen. Du machst das, du machst das, du machst das. Ohne Freiheit.“

Es sei ein regelrechtes „Geschwür“, dass im Nachwuchs „zu viel von den Großen übernommen wird. Verdammt noch mal, die sollen sich entwickeln wie außerhalb des Fußballs auch – entsprechend ihrem Talent, entsprechend ihrer körperlichen Möglichkeiten.“

Aus Breitners Sicht wäre es „bequem“ und „falsch“ zu sagen: „Die Spieler sind alle angepasst, wir brauchen wieder Typen mit Charakter.“ Die Kicker seien „ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Es ist die Zeit, in der wir leben: Das Sicherheitsdenken und die Angst abzustürzen sind größer als je zuvor.“

Was Breitner Sorgen macht

Selbst er, der frühere Rebell und Revoluzzer mit der Mao-Bibel, „wäre heute logischerweise einer wie alle anderen“, glaubt Breitner. „Auf dem Platz sowieso, weil dir jeder Trainer jeden Pass vorgibt. Aber auch in dem, was ich tue und was ich sage. Mir wäre ständig bewusst, dass hinter jedem Baum jemand mit der Handykamera steht. Die Spieler, die wir heute haben, die sind da hineingewachsen.“

Mit sich selbst ist Breiter „im Reinen“, wie er betonte: „Wenn ich irgendwann mal mit mir nicht im Reinen gewesen wäre, hätte ich das sofort geändert. Da bin ich stur, konsequent. Ich kann nicht haben, dass ich mich anlüge.“

Abonniere den Fußball-Newsletter und bleibe immer am Ball! Alle Tore und News von der WM direkt in dein Postfach