Nach der 3:4-Pleite von Borussia Mönchengladbach gegen Aufsteiger SV Elversberg hängt der Haussegen bei den Fohlen schief. Klare Worte in der Öffentlichkeit wählte Tim Kleindienst, der sein Team dazu animierte, „schleunigst mal irgendwie den Fokus so hochfahren“, damit dieser auch über 90 Minuten halte. „Keine Ahnung, woran es liegt. Weniger TikTok gucken, oder was weiß ich. Ist mir eigentlich wurscht, was sie machen“, so der Stürmer.
"Drastisch in der Sprache": So bewertet Stindl den Kleindienst-Wirbel
Stindl bewertet Kleindienst-Wutrede
Im FIROCKX DOPPELPASS auf SPORT1 hat sich der frühere Gladbach-Profi Lars Stindl hinter Kleindienst gestellt. „Es war schon drastisch in der Sprache, wie er sich ausgedrückt hat. Aber wer Tim kennt, weiß: Das ist authentisch. Ich bin überzeugt davon, dass er diese Worte auch intern gewählt hat“, nahm er den Torjäger in Schutz. „Vielleicht hat er es nochmal extern gemacht, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen, weil man ganz andere Ambitionen hatte“, führte er weiter aus.
Effenberg kritisiert Kleindienst: „Bin kein Freund davon“
SPORT1-Experte Stefan Effenberg stimmte Stindl im Wesentlichen zu, zeigte sich aber auch kritisch. „Ich hoffe für ihn, dass er die Worte in der Kabine genauso getroffen hat. Das hat nochmal mehr Gewicht“, erklärte der frühere Bayern- und Gladbach-Star.
Grundsätzlich sei es „gut, Dinge in der Öffentlichkeit auszusprechen“, jedoch sei er „kein Freund davon, punktuell auf Spieler oder die Defensive zu gehen“. Kleindienst hatte nach dem Spiel unter anderem hinterfragt, „was die dahinten eigentlich machen“, was eine direkte Kritik an den Abwehrspielern darstellt.
Stindl zeigt Verständnis für Kleindienst: „Er will die Jungs wachrütteln“
Stindl bemühte sich allerdings darum, die verbalen Ohrfeigen von Kleindienst zu verstehen. „Er will die Sinne schärfen und die Jungs wachrütteln. Das ist seine Art und Weise. Ich bin auch kein Freund davon, einzelne Spieler an die Wand zu nageln, aber ich glaube, dass er einfach nur wachrütteln will“, erläuterte er.
Gladbach hatte vor dem 3:4 gegen Elversberg bereits mit 0:3 bei RB Leipzig verloren und befindet sich nun nach den ersten beiden Spielen auf dem vorletzten Tabellenplatz. „Es war ein absoluter Fehlstart für die Borussia“, fasste es auch Stindl schonungslos zusammen.
Effenberg ging mit den Fohlen ebenfalls hart ins Gericht. „Das ist nicht bundesligatauglich, was sie gestern gemacht haben. Du führst 3:1 und verlierst 3:4 gegen einen Aufsteiger. Und du hattest in der Vorbereitung eigentlich diese Vorfreude, die nach zwei Spieltagen weg ist“, gab er zu verstehen. „Ich mache mir wieder mal große Sorgen um Borussia Mönchengladbach“, so sein eindeutiges Urteil.
Stindl schwärmt von Klopp: „Seine Präsenz ist etwas Besonderes“
Stindl, der für die Gladbacher 271 Pflichtspiele absolviert hat, ist inzwischen für den DFB als Co-Trainer der U20-Nationalmannschaft tätig. Mit dem Thema „Krise“ kennt sich der frühere Stürmer also aus. Während man bei den Fohlen einen Hoffnungsträger vermisst, übernimmt der neue Bundestrainer Jürgen Klopp beim DFB diese Rolle.
„Seine Präsenz hier am Campus ist schon etwas Besonderes. Er und sein Team geben Vollgas. Sie sind sehr viel unterwegs gerade bei den Vereinen und versuchen, alle mitzunehmen. Sie sind sehr gut in der Kommunikation“, zeigte sich Stindl von der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer zufrieden.
Folgerichtig blickt er zuversichtlich in die Zukunft und möchte seinen Teil zu einer positiven Entwicklung beitragen. „Die ersten Ansprachen, die Leute, die Mitarbeiter, den ganzen DFB mitzunehmen und an einem Strang zu ziehen: Das ist schon ein Paradebeispiel, wie sie es gerade machen. Da versuchen wir natürlich, mit den U-Mannschaften einen Beitrag zu leisten“, sagte Stindl.