Spionage-Sakko auf Schalke? Ex-Torhüter haut skurrile Vorwürfe raus

Spionage-Sakko auf Schalke? Ex-Torhüter haut skurrile Vorwürfe raus

Unfassbare Kabinenansprachen, bizarre Unterhaltungen mit Trainern und Spionage-Vorwürfe gegen einstige Klubbosse des FC Schalke: Die Biografie von Ralf Fährmann hat einiges zu bieten.

Ralf Fährmann hat in seiner Biografie auf erstaunliche Weise einen Schlussstrich unter seine Zeit beim FC Schalke gesetzt. 289 Spiele absolvierte der Torhüter für die Königsblauen, bis heute liebt er den Klub innig – doch seine Abrechnung hat es in sich.

Die Sport Bild veröffentlichte vorab einige Auszüge aus „Ralf Fährmann: Schalke und ich – eine Liebesgeschichte“. Dass er bei Revierderbys herzlich gerne in Richtung der BVB-Fans „rotzte“ und sich nach dem spektakulären 4:4 von 2017 „vom Psycho zurück zu Ralf Fährmann transferieren“ musste, gehört noch zu den harmlosesten Anekdoten.

Ralf Fährmann lässt mit seiner Biografie aufhorchen
Ralf Fährmann lässt mit seiner Biografie aufhorchenRalf Fährmann lässt mit seiner Biografie aufhorchen© IMAGO/DeFodi Images

Schalke war für den heute 38-Jährigen, der seine Karriere im April 2026 endgültig beendet hatte, lange eine Erfolgsgeschichte. Unter Cheftrainer Domenico Tedesco kam es zum ersten großen sportlichen Rückschlag.

Fährmann über Tedesco-Gespräch: Herz rausgerissen

Diesen schilderte Fährmann so: „Tedesco fragte: ‚Wie geht’s dir?‘ Antwort: ‚Gut.‘ Tedesco: ‚Wir werden zur Rückrunde einen Torwartwechsel vornehmen. Alex Nübel wird die neue Nummer eins.‘ Ab da übernahm mein Autopilot: ‚Warum?‘ Das war alles, was ich rausbrachte.“

Tedesco habe ihm dann „eine Litanei angeblicher Fehler“ aufgelistet: „Ich hörte mich sagen: ‚Trainer, Sie suchen aber jetzt das Haar in der Suppe.‘ ‚Nee, Ralf‘, sagte er, ‚bei dir ist das schon eine ganze Perücke.'“ Die Degradierung habe ihm „Herz und Seele herausgerissen. Ich fühlte mich, als wäre ein Teil von mir gestorben.“

DEINE MEINUNG

Tedesco, der zwischen 2017 und 2019 an der Schalker Seitenlinie stand, ist dabei bei Weitem nicht der einzige Ex-Trainer, den Fährmann in seinem Rückblick alles andere gut aussehen ließ.

„Ich habe Manuel Baum als nett, aber auch ein bisschen oberlehrerhaft in Erinnerung“, sagte er zum Beispiel über den heutigen Coach des FC Augsburg: „So betonte er mir gegenüber mal ernsthaft und ohne Augenzwinkern, dass er ja auch Torwart war. Ich musste mich mit meinen 1,97 Metern etwas runterbeugen, um ihn zu verstehen. Herr Baum ist ungefähr 1,70 Meter groß und etwas stämmig.“

Fährmann berichtet von vulgärer Kabinenensprache

Interimstrainer und Vereinslegende Huub Stevens störte ihn mit „minutenlangem Rotzen“ auf dem Trainingsplatz, Christian Gross sah mit seiner Weste „aus wie ein Rentner, der einen Angelausflug machte. […] Bei all dem möchte ich aber betonen, dass Herr Gross ein unglaublich netter Mensch war. Nur eben aus der Zeit gefallen.“

Zum Abschied küsste Fährmann den Rasen in der Schalke-Arena
Zum Abschied küsste Fährmann den Rasen in der Schalke-ArenaZum Abschied küsste Fährmann den Rasen in der Schalke-Arena© IMAGO/DeFodi Images

Der Schweizer Gross habe seinen Spielern als Belohnung für einen Erstrundensieg im DFB-Pokal mal pro Kopf „50 personalisierte Visitenkarten“ versprochen: „Die Hälfte der Spieler wusste nicht mal, was Visitenkarten sind.“

Vulgär wurde es in Fährmanns Schilderungen bei angeblichen Aussagen von Dimitrios Grammozis, einem weiteren ehemaligen Schalke-Trainer. Bei einer Spieleranalyse habe sich dieser so geäußert: „Ihr wollt mich ficken? Ihr wollt meinen Staff ficken? Ihr könnt eure Insta-Bräute ficken, aber nicht mich.“ Die Mannschaft soll betreten reagiert haben. Bestätigt ist all dies nicht.

Fährmann macht Schalkes Ex-Boss Spionage-Vorwürfe

Aber die wohl erstaunlichste Behauptung stellte Fährmann mit Blick auf den einstigen Schalke-Boss Peter Knäbel auf. Der heutige Präsident des Schweizer Fußballverbandes hatte unter anderem als Sportvorstand für die Knappen gearbeitet.

„Er schlich immer lautlos durch Gänge und stand plötzlich vor einem“, schilderte Fährmann: „Seine Bürotür ließ er immer offen. Wir spekulierten, er mache das, damit er unsere Gespräche mithören konnte.“

Geht es nach dem Ex-Keeper, wandte Knäbel echte Spionage-Methoden an: „Dazu passte sein legendäres Sakko. Es hing jeden Tag woanders. Mal bei den Physios, mal in unserer Kabine, mal im Kraftraum. Er schob es auf seine Vergesslichkeit. Wir mutmaßten, dass er uns auf diese Weise belauschte. Was viel über unser Verhältnis zu ihm aussagt.“

Sportlich geriet Fährmann über die Jahre hinweg bei Schalke immer mehr ins Hintertreffen, zwischenzeitlich wurde er an Norwich und SK Brann verliehen. Der Abschied im Sommer 2025 hinterließ damals Spuren.

Heute lebt der Vollblut-Schalker Fährmann in der Schweiz, weil er es in der Nähe seines Herzensklubs nicht mehr ausgehalten hat. „Und so sehr ich versucht habe, Schalke zu ignorieren, es gelingt mir nicht. Ich verfolge alle Spiele im TV und wünsche den Fans so sehr sportlichen Erfolg. Trotz allem: Ich liebe Schalke. Das ist die Wahrheit.“

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