Dieser Rundumschlag hatte es in sich! Gladbachs Kapitän Tim Kleindienst hat seine Mannschaft nach dem verkorksten 2. Spieltag auf das Schärfste kritisiert. Seine Wutrede sorgte für viel Wirbel – der ehemalige Gladbach-Profi Thorben Marx stützt ihn im Gespräch mit SPORT1 aber.
Kleindienst „darf richtig sauer sein“
Kleindienst „darf richtig sauer sein“
„Fußball braucht Typen, die nach einer solchen Niederlage nicht sofort in den Kommunikationsmodus wechseln und überlegen, welcher Satz möglichst wenig Schlagzeilen produziert. Tim hat gesagt, was er in diesem Moment empfunden hat. Das finde ich grundsätzlich gut. Man muss nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen“, erklärt der ehemalige Mittelfeldspieler, der von 2009 bis 2015 bei den Fohlen unter Vertrag stand.
„Da darf ein Kapitän auch mal richtig sauer sein“
Borussia Mönchengladbach hatte schon am 1. Spieltag eine 0:3-Niederlage gegen RB Leipzig verkraften müssen. Am Samstag kam es noch dicker, als man gegen Aufsteiger SV Elversberg spektakulär noch eine 3:1 Führung aus der Hand gab. In der Nachspielzeit erzielte der Bundesligadebütant sogar noch das 3:4.
„Nach so einem Spiel darf ein Kapitän auch mal richtig sauer sein. Da brauchst du nicht mit Floskeln zu kommen. Kleindienst war stinksauer“, betont Marx.
„Keine Ahnung, was die so machen, weniger TikTok gucken“
In einem Punkt übte der Ex-Gladbacher aber dennoch auch Kritik am Verhalten des Stürmers. Kleindienst hatte in Bezug auf die jungen Spieler im Kader gepoltert: „Keine Ahnung, was die so machen, weniger TikTok gucken.“ Solch einen Umgang sieht Marx eher kritisch.
„Bei jungen Spielern wäre ich öffentlich etwas vorsichtiger. Die musst du auch schützen“, betont der 45-Jährige: „Wenn ich ein konkretes Problem mit einem jungen Mitspieler habe, sage ich ihm das in der Kabine ins Gesicht.“ Im FIROCKX DOPPELPASS am Sonntag hatte auch SPORT1-Experten Stefan Effenberg kritisiert, er sei „kein Freund davon, punktuell auf Spieler oder die Defensive zu gehen.“.
Marx erklärt, er hätte „den Satz so wahrscheinlich nicht gesagt.“ Ältere und erfahrenere Spieler sollten in solchen Situationen voranschreiten. Sie sollten „sogar noch mehr Verantwortung übernehmen.“
Marx ordnet Kleindienst-Wutrede ein
Aber haben solche Wutreden überhaupt den gewünschten Einfluss auf die Spieler? Oder fördert es die negative Stimmung im Verein? „Eine Brandrede allein macht dich nicht plötzlich zu einer besseren Mannschaft“, erklärt der frühere Bundesligaspieler (225 Einsätze): „Manchmal brauchst du genau diesen Moment, in dem einer deutlich ausspricht, was alle denken. Aber wenn du jedes zweite Wochenende eine Brandrede halten musst, hast du ein größeres Problem.“
Wie die Mannschaft einen Ausbruch dieser Art aufnimmt, sei entscheidend. Und ganz wichtig: „Wenn ich draußen so rede, muss ich drinnen mindestens genauso klar sein. Die Kabine ist der Ort, an dem solche Dinge geklärt werden. Dort darf es dann auch richtig krachen. Das gehört zu einer funktionierenden Mannschaft.“
Marx hat in seiner Karriere ebenfalls Erfahrung mit deutlichen Worten gemacht und erinnert sich dabei an Michael Preetz bei Hertha BSC oder Mathias Hain in Bielefeld: „Das waren zwei absolute Führungsspieler, die auch mal in der Kabine eine richtige Ansage gemacht haben.“ Es habe aber auch Krisengespräche gegeben, bei denen mehrere Spieler ihre Meinung gesagt haben: „Da hat es auch mal gerappelt. Sonst war es so, dass der Vorstand mal ein ernstes Wörtchen mit der Mannschaft gesprochen und Dampf abgelassen hat.“
Im Rückblick auf seine Gladbacher Zeit verweist Marx zudem darauf, dass es nicht immer laute Worte oder Ansagen am laufenden Band braucht. „Filip Daems war als Kapitän zum Beispiel jemand, der sehr genau wusste, wann er etwas sagen musste“, berichtet Marx: „Auch Martin Stranzl konnte sehr klar werden. Das waren Spieler mit einer enormen Präsenz. Die mussten gar nicht ständig herumschreien.“
Altbekannte Sorgen in Gladbach
Dass eine Brandrede in so einem Ausmaß bereits zum zweiten Mal in dieser jungen Saison nötig war, ist ein Indiz für Marx, dass man sich in Gladbach Sorgen machen sollte. „Wenn dein Kapitän nach dem ersten Spiel von Kindergarten-Fußball spricht und nach dem zweiten von einer Schande, dann scheint er Dinge zu sehen, die ihm überhaupt nicht gefallen“, ordnet er die Kleindienst-Aussagen ein.
„Die Mannschaft muss jetzt reagieren. Sonst reden wir anschließend wieder über die nächste Brandrede“, warnt der Ex-Profi. Gladbach gastiert am nächsten Samstag (15:30) in Freiburg. Die Breisgauer haben gegen den SC Paderborn den zweiten Saisonsieg im zweiten Spiel eingefahren und stellen Kleindienst und Co. somit eine weitere schwierige Aufgabe.