Mehr als nur Kompanys Stellvertreter
Co-Trainer Danks weiß: "Das ist die Herausforderung bei Vinnie"
Aaron Danks übernimmt beim FC Bayern vorerst die Aufgaben von Vincent Kompany. Der Engländer bringt viel Erfahrung mit und genießt großes Vertrauen. Dennoch ist der Ausfall des Cheftrainers kaum vollständig aufzufangen.
Wer Aaron Danks zuletzt an der Seitenlinie beobachtete, bekam einen Vorgeschmack auf die kommenden Wochen. Beim 6:1 gegen RB Leipzig saß Vincent Kompany angeschlagen meist auf der Bank. Sein Assistent tigerte dafür umso energischer durch die Coachingzone, gab lautstarke Anweisungen und lebte das Spiel mit.
Danks, der zuletzt sichtlich an Gewicht verloren hat, gilt als emotionalster Assistent im Trainerteam. Und doch dürfte den Bayern mit Kompany mehr fehlen als nur ein Mann an der Seitenlinie. Nicht ohne Grund bezeichnete Karl-Heinz Rummenigge den Belgier jüngst als „unseren Spiritus Rector – und den Vater des Erfolgs, den wir bisher haben“.
Kompany prägt die Mannschaft mit seiner Spielidee, aber auch mit seiner Persönlichkeit und Autorität. So gut seine Assistenten auch sein mögen: Es wäre naiv anzunehmen, dass sich dieser Einfluss vollständig ersetzen lässt. Ein paar – vielleicht die entscheidenden – Prozentpunkte könnten den Bayern durchaus verloren gehen.
FC Bayern: Danks erkämpft sich großen Respekt
Immerhin: Danks weiß, was auf ihn zukommt. Ende April vertrat er Kompany bereits im Champions-League-Halbfinale bei Paris Saint-Germain, weil der Cheftrainer gesperrt war. Bayern verlor zwar mit 4:5, kämpfte sich nach einem 2:5-Rückstand aber eindrucksvoll zurück. Danks erarbeitete sich nicht nur mit diesem Auftritt großen Respekt.
Der 43-Jährige ist weit mehr als nur der „Hüter des Kakadus“, wie er wegen seiner Zuständigkeit für den inzwischen legendären Porzellanvogel der Bayern genannt wird. Der Engländer arbeitete unter anderem bei Aston Villa, Middlesbrough und für den englischen Fußballverband. Bei Aston Villa sprang er bereits als Interimstrainer ein.
Auf die Frage von SPORT1, ob die aktuelle Situation besonderen Druck erzeuge, antwortete Danks am Samstag: „Wenn man die Situation als Druck betrachtet, kann sie natürlich auch zu Druck werden.“
Er verwies dabei auf seine internationale Erfahrung und die Teilnahme an Weltmeisterschaften mit englischen Nachwuchsnationalmannschaften. Wer sich vor großen Spielen vom Druck mitreißen lasse und bewährte Abläufe verlasse, mache es sich unnötig schwer.
Danks: „Wir werden nichts Neues erfinden“
Deshalb will Danks auch bei den Bayern keine Veränderungen vornehmen. „Wir werden jetzt nichts Neues erfinden. Wir werden nicht versuchen, neue Ideen oder neue Arbeitsweisen einzuführen. Wir bleiben bei dem, was wir kennen.“
Das ist eine klare Ansage. Danks will im Sinne von Kompany weiterarbeiten, obwohl es mit dem erkrankten Cheftrainer ausdrücklich keine fußballspezifischen Gespräche geben soll. Bei einem kurzen Kontakt erkundigte sich der Engländer lediglich nach dessen Gesundheitszustand.
Sportlich warten dennoch schwierige Aufgaben. Beim Topspiel in Freiburg (Sonntag um 17.30 Uhr im LIVETICKER) fehlen neben Kompany auch Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Luis Díaz, Minjae Kim und Manuel Neuer. Ein Einsatz von Aleksandar Pavlovic ist fraglich.
Danks Aufgabe beim FC Bayern
Zudem steht der FC Bayern nach Dortmunds 1:0-Erfolg gegen Frankfurt vorerst nicht mehr an der Tabellenspitze.
Danks soll nun dafür sorgen, dass die Münchner mit einem Sieg wieder auf Platz eins springen. Sein Rezept bleibt dabei denkbar einfach: „Das gibt der Mannschaft Ruhe, das gibt uns allen Ruhe, und das gibt auch mir persönlich Ruhe“, erklärte er auf SPORT1-Nachfrage über die gewohnten Abläufe.
Danks muss dafür kein zweiter Kompany werden. Aber er muss dafür sorgen, dass dessen Handschrift auch ohne ihn erkennbar bleibt.