Die bemerkenswerte Wandlung von Bayer-Profi Ezequiel Fernández

Leverkusen-Coach erklärt kurioses Missverständnis
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Leverkusen-Coach erklärt kurioses Missverständnis

Ein Platzverweis beim Debüt, eine lange Verletzungspause und Zoff mit Ex-Trainer Kasper Hjulmand: Das erste Jahr von Ezequiel Fernández bei Bayer Leverkusen hatten sich alle Beteiligten ganz anders vorgestellt. Umso beachtlicher, was sich seitdem getan hat.

Angesichts der vergangenen Wochen und Monate war es fast ein ungewohntes Gefühl, das Ezequiel Fernández begleitete. Beim spektakulären 4:3-Sieg von Bayer Leverkusen gegen den 1. FSV Mainz 05 musste er zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Erst in der Schlussphase kam der Mittelfeldspieler ins Spiel, um die wichtigen Punkte mit abzusichern. In den vier vorherigen Bundesliga-Partien hatte er jeweils in der Startelf gestanden. Dass es diesmal anders war, hatte allerdings einen höchst erfreulichen Hintergrund.

Ezequiel Fernández von Bayer Leverkusen kniet jubelnd auf dem Rasen nieder
Ezequiel Fernández von Bayer Leverkusen kniet jubelnd auf dem Rasen niederEzequiel Fernández von Bayer Leverkusen kniet jubelnd auf dem Rasen nieder© IMAGO/Eibner

Denn Fernández war gerade von seiner ersten Länderspielreise mit Argentinien zurückgekehrt. Beim 4:0 im Testspiel gegen Bolivien Anfang Oktober hatte der 24-Jährige sein Debüt für die „Albiceleste“ gefeiert.

Zwei Jahre zuvor war er schon einmal in den Kader berufen worden, nun durfte er erstmals das Trikot der A-Nationalmannschaft tragen – und hätte seinen Einstand beinahe sogar mit einem Tor gekrönt: In der 77. Minute setzte er nach einer Ecke einen Kopfball knapp links daneben. Die Strapazen der langen Flüge sprachen anschließend dafür, ihn gegen die Rheinhessen zu schonen.

Bayer Leverkusen: Fernández mit beachtlichem Aufstieg

Ein Umstand, mit dem sich bei Bayer natürlich alle abfinden konnten. „Wir freuen uns sehr über seine Premiere im Nationalteam, weil Equi es sich total verdient hat. Jeder macht mal einen Fehler. Er hat daraus die richtigen Schlüsse gezogen und kam in einer sehr guten Verfassung aus dem Urlaub zurück. Equi hat den Sommer als Neustart genutzt und Gas gegeben, um den Trainer von sich zu überzeugen“, lobte Geschäftsführer Simon Rolfes den Mittelfeldspieler.

Denn der erlebt gerade einen ziemlich beachtlichen Aufstieg. Einen, den in dieser Form vor wenigen Monaten wohl kaum mehr jemand für möglich gehalten hätte. Zumindest nicht in Leverkusen.

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Schließlich erlebte der junge Argentinier dort eine erste Saison zum Vergessen. Nachdem Bayer ihn im Sommer 2025 für rund 30 Millionen Euro vom saudi-arabischen Klub Al-Qadsiah verpflichtet hatte, flog er gleich bei seinem Debüt wegen einer Gelb-Roten Karte vom Platz.

Auf einige wenige überzeugende Auftritte folgte eine Bänderverletzung, die ihn wochenlang außer Gefecht setzte. Als er danach zurückkehrte, schien Ex-Trainer Kasper Hjulmand keine echte Verwendung mehr für ihn zu haben. Mit ernüchternder Regelmäßigkeit fand sich Fernández auf der Bank wieder.

Fernández sorgte vergangene Saison für einen Eklat

Dass diese Situation nicht spurlos an ihm vorbeiging, wurde nach einer Weile immer deutlicher. Von den anfänglichen Vorschusslorbeeren war bald wenig übrig, ehe die Lage im April vollends eskalierte.

Beim 1:0-Sieg in Dortmund soll Fernández aus Frust über seine sportliche Situation eine Einwechslung in der Nachspielzeit verweigert haben. Hjulmand wollte den Südamerikaner bringen, um etwas Zeit von der Uhr zu nehmen und das dünne Polster über die Runden zu retten. Allerdings machte Fernández nicht mit.

Später erklärte er, dass er wegen Rückenproblemen nicht ins Spiel hatte kommen wollen, und entschuldigte sich bei seinen Kollegen. Doch ob körperliche Beschwerden oder gekränkter Stolz den Ausschlag gaben: Die Aktion kostete ihn intern erheblich an Ansehen und machte ihn umgehend zum Verkaufskandidaten.

Bayer wollte nach der Verpflichtung des Berliner Top-Talents Kennet Eichhorn für die neue Saison einen der damals fünf Kandidaten für die beiden Plätze im defensiven Mittelfeld abgeben. Fernández gehörte spätestens nach dem Vorfall in Dortmund zu den heißesten Anwärtern auf einen Abschied.

Fernández blüht unter Leverkusens neuem Trainer auf

Aber dann? Kam alles völlig anders. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich Fernández vom Problemfall zum Nationalspieler und zu einem wichtigen Faktor im Leverkusener Mittelfeld. Hjulmand ist mittlerweile nicht mehr im Amt, mit Carles Martínez hat der Verein einen Nachfolger gefunden, unter dem Fernández in kürzester Zeit zu einem der auffälligsten Spieler avancierte. Mit sicherem Passspiel, hoher Laufbereitschaft und Zweikampfstärke spielte er sich nachdrücklich immer weiter ins Rampenlicht.

„Wir hatten einige Wechsel, die einiges bewirkt haben. Ich konnte während der Anfangsphase nicht beim Team sein“, ging der 24-Jährige zuletzt mit Blick auf die schwierige Vorsaison auf Ursachensuche. In diesem Sommer waren die Voraussetzungen viel besser.

Und auch das Verhältnis zum neuen Coach beschrieb der Argentinier deutlich positiver als die Zusammenarbeit mit dessen Vorgänger: „Es ist sehr wichtig, die Vorbereitung gemeinsam zu bestreiten, erst recht mit einem neuen Trainer. Carles hat sofort versucht, uns seine gesamte Leidenschaft mitzugeben und uns klarzumachen, wie groß dieser Klub eigentlich ist. Er vermittelt uns die Gier, überall zu gewinnen, wo wir spielen.“

Vom Problemfall zum Nationalspieler Argentiniens

Fernández nutzte die Gelegenheit, erarbeitete sich schnell einen Stammplatz und zählt mittlerweile zu den ganz großen Gewinnern. Dass Eichhorn vorerst pausieren muss, Exequiel Palacios in die Premier League gewechselt ist und Robert Andrich an Standing eingebüßt hat, hat ihm dabei zwar geholfen, doch auf diese Umstände allein lässt sich sein Aufstieg nicht reduzieren.

Fernández steht nun als Nationalspieler Argentiniens da – was noch vor wenigen Monaten angesichts seiner Lage bei der Werkself kaum vorstellbar schien. Beim 4:0 in der Europa League in Posen war er auch gleich wieder Teil der Anfangself.

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