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“Besser in die Pedale treten”: Kein Abwehrchef für Eintracht Frankfurt! So ist Tuta ein Risikofaktor

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“Besser in die Pedale treten”: Kein Abwehrchef für Eintracht Frankfurt! So ist Tuta ein Risikofaktor

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Kein Abwehrchef: Tuta ein Risikofaktor

Tuta sollte im Sommer bei Eintracht Frankfurt in die Rolle als Abwehrboss hineinwachsen. In der Champions League bei Tottenham Hotspur zahlte er allerdings erneut eine Menge Lehrgeld.
Vier Tage nach dem blamablen Auftritt in Bochum wartet auf Eintracht Frankfurt bei Tottenham Hotspur wieder die große Bühne der Champions League.
Christopher Michel
Christopher Michel

Es lief die 60. Minute, als eine für Tuta sehr unglücklich verlaufende Champions-League-Partie bei den Tottenham Hotspur beendet war.

Der kurz zuvor verwarnte Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt sah im Duell gegen den bärenstarken Heung-Min Son erneut kein Land und wusste sich nur mit einem Foul zu helfen. Gelb-Rot war die berechtigte Folge.

Mit hängenden Schultern verließ er nach der 2:3-Pleite das Stadion, beim Gang durch die Mixed Zone richtete sich der Blick in Richtung Boden. Rafael Borré sprach zwar mit ihm, doch die Worte schienen ihn in diesen Sekunden nicht zu erreichen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Tuta erlebte im hochmodernen Stadion der Spurs in seinem 73. Eintracht-Einsatz viele schwache Momente. Vor dem dritten Treffer der Gastgeber klärte er unzureichend, der Brasilianer gewann nur drei seiner elf Zweikämpfe.

Glasner mahnt: „Hoffe, dass Tuta in Zukunft ...“

„Ich habe schon mit ihm gesprochen. Er war natürlich niedergeschlagen“, sagte Trainer Oliver Glasner nach Abpfiff und kritisierte: „Das ist wie der berühmte Sturz mit dem Fahrrad. Allerdings ist er nun schon dreimal auf diese Art und Weise gestürzt. Ich hoffe, dass er in Zukunft besser in die Pedale tritt.“

Fallen lassen wird der Österreicher den Innenverteidiger nicht: „Wenn unsere jungen Spieler die Bereitschaft haben, die Dinge, die wir ihnen zeigen, umzusetzen, dann wird auch Tuta den nächsten Schritt machen.“

Sportvorstand Markus Krösche wollte auf SPORT1-Nachfrage den Stab über den 23-Jährigen ebenfalls nicht brechen: „Tuta ist ein sehr guter Spieler, der eine gute Entwicklung genommen hat. Solche Fehler gehören gerade bei jungen Spielern dazu. Das akzeptiere ich auch.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Allerdings mahnte auch Krösche: „Es geht darum, diese Fehler abzustellen, sie anzusprechen und ihm Lösungen an die Hand zu geben.“ Als „normalen Prozess“ bewertete der Sportvorstand den Rückschlag des Juwels.

Schutz von Krösche: „Normaler Prozess“

Doch Geduld in diesem Business ist jedoch endlich. Vor allem, wenn das Weiterkommen gefährdet und der Eintracht-Plan vorerst gescheitert ist.

Tuta, der als letzter Mann im Saisonendspurt einen ordentlichen Eindruck hinterließ, sollte Martin Hinteregger nach dessen - von vielen Seiten arg unterschätztem - Karriereende als letzten Mann ersetzen.

Krösche erklärte noch im Trainingslager in Windischgarsten: „Tuta hat nach dem Ausfall von Hinteregger gezeigt, was in ihm steckt. Er kann von seinem Naturell her unser Abwehrchef werden.“

Auch Glasner erklärte damals: „Ich sehe auch die Chance, dass vielleicht jemand in eine Rolle wächst, die er sich noch nicht zugetraut hat. Ich denke an Tuta, der plötzlich im Europa-League-Finale mit 22 Jahren - in Anführungszeichen - der Abwehrchef war.“

Eintracht traute Tuta Abwehrchef-Rolle zu – ein Trugschluss

Das Zwischenfazit im Oktober? Ein Trugschluss. Risikofaktor statt Abwehrchef lautet die Realität in der derzeitigen Verfassung.

Bereits in Bochum patzte Tuta gravierend, der kurze Streit mit Torhüter Kevin Trapp stellte ebenfalls kein Ruhmesblatt dar. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Seine stärkste Performance hatte er im Verbund mit Makoto Hasebe und Evan N‘Dicka.

Möglicherweise wurden die Auftritte in der heißen Phase der Europa League rund um den großen Triumph etwas überschätzt. Die Rolle als letzter Mann einer Abwehrkette ist anspruchsvoll. Kommandos geben, Verantwortung zeigen, mit viel Ruhe und technisch ganz sauber agieren.

Trainer Glasner hat kaum noch Alternativen

Tuta hat sich insgesamt bei der Eintracht zu einer festen Größe entwickelt, die Vertragsverlängerung bis 2026 war folgerichtig.

Doch in der Königsklasse musste er Lehrgeld bezahlen. Das Tempo der Gegenspieler ist eine Niveaustufe höher, die individuelle Qualität der einzelnen Akteure ebenfalls. Sobald sich eine Lücke auftut, stoßen Weltklasse-Angreifer wie Son oder Harry Kane in diese teils winzig erscheinenden Löcher.

Das Problem für Glasner in dieser Phase: Tuta können aufgrund fehlender Alternativen kaum Pausen gegönnt werden.

Hasebe droht auszufallen, er verletzte bei den Spurs am Knie. Hrvoje Smolcic ist noch jung, er sammelte erste Minuten auf internationaler Bühne. Jérôme Onguéné stand bislang nicht im Kader. Und Almamy Touré? Der Franzose war verletzt, ist aber nicht für die Champions League nominiert. Seine schnelle Rückkehr kann in der Bundesliga helfen.

Eintracht Frankfurt muss weiter improvisieren

Die Frankfurter werden in den kommenden Wochen improvisieren müssen.

In London stieß das Team dabei an Grenzen. Glasner stellte daher am Ende anerkennend und zugleich enttäuscht fest: „Wenn du gegen Weltklasse-Spieler verteidigst, dann musst du auch auf Weltklasse-Niveau bewegen. Das haben wir nicht immer geschafft.“

Und das gilt in diesem Fall nicht nur für Tuta.

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