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Real Madrid: Riesiger Wirbel um Vinícius

Reaktion nach Vinícius-Wirbel

Vinícius Júnior trifft im Playoff-Hinspiel bei Benfica Lissabon erst per Traumtor - dann wird es unschön. Im Anschluss an die Partie äußern viele Akteure ihr Mitgefühl.
Vinícius Júnior (l.), Gianluca Prestianni (M.) und Eduardo Camavinga (r.)
Vinícius Júnior (l.), Gianluca Prestianni (M.) und Eduardo Camavinga (r.)
© IMAGO/ZUMA Press
Vinícius Júnior trifft im Playoff-Hinspiel bei Benfica Lissabon erst per Traumtor - dann wird es unschön. Im Anschluss an die Partie äußern viele Akteure ihr Mitgefühl.

Das Playoff-Hinspiel in der Champions League zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid (0:1) ist wegen eines möglichen Rassismus-Eklats um Vinícius Júnior etwa zehn Minuten lang unterbrochen worden.

„Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen ihren Mund mit ihren Hemden bedecken, um ihre Schwäche zu zeigen“, äußerte sich Vinícius nach dem Abpfiff bei Instagram zu den Vorkommnissen und schrieb: „Aber sie zählen auch auf den Schutz anderer, die theoretisch verpflichtet sind, sie zu bestrafen. Nichts, was hier passiert ist, war neu in meinem Leben oder in dem meiner Familie.“

Was war passiert? Per Traumtor brachte der brasilianische Offensivstar die Madrilenen in Führung (50.) und feierte seinen Treffer mit einem Tänzchen an der Eckfahne. Die Benfica-Fans in der Kurve dahinter reagierten wütend, einzelne Gegenstände flogen auf das Feld.

Vinícius sieht Gelb für provokanten Jubel

Schiedsrichter Francois Letexier ermahnte Vinícius und schickte ihn zurück, nachdem er noch eine Jubelfaust in Richtung Tribüne präsentiert hatte. Auch Benfica-Spieler beschwerten sich über die ausschweifende Reaktion. Für die Provokation sah Vinícius zunächst Gelb.

Eine Entscheidung, die Vinícius auch nach dem Spiel nicht verstehen konnte: „Sie haben mir eine gelbe Karte gegeben, weil ich ein Tor gefeiert habe. Ich verstehe immer noch nicht, warum.“

Doch die Stimmung war auch im Anschluss weiter aufgeheizt, insbesondere mit Benficas Flügelspieler Gianluca Prestianni lieferte sich Vinícius ein Wortgefecht. Prestianni hielt sich dabei immer wieder das Trikot vor die Lippen.

Schiri aktiviert UEFA-Protokoll für rassistische Beleidigungen

Als sich die Mannschaften wieder zum Anstoß aufgestellt hatten, rannte Vinícius plötzlich zu Schiedsrichter Letexier und beschwerte sich massiv, dabei deutete er immer wieder auf Prestianni.

Der Schiedsrichter kreuzte daraufhin seine Arme - ein Symbol, das das UEFA-Protokoll bei rassistischen Beleidigungen aktiviert und zunächst zu einer Spielunterbrechung führt.

Vor den Trainerbänken setzten sich daraufhin die Diskussionen fort. Ein Staffmitglied von Benfica sah die Rote Karte. Benfica-Coach José Mourinho lieferte sich einen verbalen Schlagabtausch mit Vinícius. Anschließend nahm der Brasilianer kurzzeitig auf der Bank Platz.

Nach etwa zehn Minuten wurde das Spiel wieder angepfiffen. Auch Vinícius und Prestianni waren zunächst weiter mit von der Partie.

Pfiffe bei jedem Ballkontakt

Vinícius wurde ab sofort bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. In der zwölfminütigen Nachspielzeit flogen erneut Gegenstände auf den Rasen - in Richtung Vinícius.

„Ich mag solche Situationen nicht, vor allem nicht nach einem großen Sieg, wenn die Schlagzeilen eigentlich Real Madrid gelten sollten, aber es ist notwendig“, schloss der Brasilianer sein Statement nach dem Spiel ab.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge behauptete der Real-Superstar, er sei als „Affe“ bezeichnet worden. Teamkollege Aurelien Tchouameni erklärte derweil gegenüber Reportern, der Benfica-Spieler habe stattdessen behauptet, eine homophobe Beleidigung verwendet zu haben.

Prestianni veröffentlicht Statement

Im Nachgang schlugen die Geschehnisse weiter große Wellen. Prestianni schränkte auf seinem Instagram-Konto die Kommentarfunktion ein, nachdem zahlreiche Real-Fans unter seinen Beiträgen Kommentare abgesetzt hatten.

Zudem versicherte er, seinen Gegenspieler nicht beleidigt zu haben. „Ich möchte klarstellen, dass ich Vinícius Jr. zu keinem Zeitpunkt rassistisch beleidigt habe, der leider etwas falsch interpretiert hat, das er zu hören glaubte”, schrieb Prestianni.

„Ich war niemals rassistisch gegenüber jemandem und bedauere die Drohungen, die ich von Spielern von Real Madrid erhalten habe”, so der Argentinier.

Viel Solidarität für Vinícius: „Du bist nicht allein“

Unterstützung erhielt Vinícius derweil von zahlreichen beteiligten Akteuren. Zwar wisse man laut Teamkollege Federico Valverde nicht genau, was gesagt wurde, allerdings sei es laut den Spielern in der Nähe „etwas Hässliches“ gewesen.

„Das geht schon lange so, viele Leute sind betroffen. Die Jungs haben dafür gekämpft. Viní ist einer von ihnen. Wenn das weiter passiert, ist das einfach traurig“, erklärte Valverde und ärgerte sich darüber, dass die Kameras nichts Genaueres aufnehmen konnten.

„Wenn du dir den Mund zuhältst, sagst du meist etwas, das nicht okay ist. Es ist insgesamt sehr bedauerlich“, meinte der Uruguayer, merkte aber auch an: „Am Ende bin ich stolz auf die Jungs, die Viní verteidigt haben. Und stolz auf Viní: er hat weitergemacht und ein starkes Spiel abgeliefert. Das bleibt mir von ihm.“

Ähnlich äußerten sich auch weitere Real-Stars, darunter Trent Alexander-Arnold. „Das hat den Abend ruiniert. Es ist eine Schande für den Sport und auch für die Gesellschaft“, wurde der Engländer bei CBS Sports deutlich.

Mbappé will Prestianni aus dem Verkehr ziehen

Deutlich aufgebrachter zeigte sich derweil Kylian Mbappé. „Der Spieler mit der Nummer 25 hat Vini fünfmal als Affen bezeichnet. Das habe ich selbst gesehen“, wütete er laut spanischen Medienberichten in den Katakomben - und holte gegenüber Prestianni zum Rundumschlag aus.

„Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält“, wütete Mbappé bei Movistar. „Wir müssen ein Vorbild für all die Kinder sein, die zu uns aufschauen. Es gibt Dinge, die wir nicht akzeptieren können.“

Und weiter: „Dieser Junge hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen. Überlassen wir es der UEFA, die immer versucht, etwas zu unternehmen. Diesmal haben sie einen ernsten Fall, und ich hoffe, sie unternehmen etwas.“

Laut dem Superstar habe sogar ein Abbruch des Spiels im Raum gestanden: „Ich habe Vini gefragt, was er tun möchte. Was auch immer er tun möchte, wir werden es als Team tun. Wir werden Vini niemals im Stich lassen.“

Brasilianischer Verband solidarisiert sich mit Vinícius

Auch der brasilianische Fußballverband solidarisierte sich und schrieb bei X: „Rassismus ist ein Verbrechen. Er ist inakzeptabel. Er darf weder im Fußball noch anderswo existieren. Viní, du bist nicht allein.“

Weiter heißt es dort: „Deine Entscheidung, das Protokoll zu aktivieren, ist ein Beispiel für Mut und Würde. Wir sind stolz auf dich. Wir werden weiterhin entschlossen gegen jede Form von Diskriminierung kämpfen. Wir stehen dir zur Seite. Immer.“

Offiziell bestätigt wurde der Vorfall derweil auch in einer Mitteilung von Real Madrid.

Gegner-Coach José Mourinho nahm im Interview mit Amazon Prime Video übrigens eine deutlich neutralere Position ein. „Was Prestianni und Vinicius sich gesagt haben, möchte ich für mich behalten. Ich möchte nicht sagen, dass ich Prestianni glaube - und auch Vinicius nicht, denn sie haben mir zwei völlig unterschiedliche Dinge erzählt. Ich möchte unabhängig bleiben und mich dazu nicht äußern.“