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Schubert: Was es dem BVB schwer macht

Schubert: Was es dem BVB schwer macht

Abwechslung zum tristen Zweitliga-Alltag für den FC Ingolstadt: André Schubert trifft mit den Oberbayern im DFB-Pokal auf Borussia Dortmund. Wie er sich darauf vorbereitet, erklärt der Trainer im SPORT1-Interview.
Erzgebirge Aue fährt den ersten Dreier in dieser Saison ein! Gegen den direkten Abstiegskonkurrenten FC Ingolstadt reicht ein knappes 1:0 zum ersten Sieg.
Felix Fischer
Felix Fischer
von Felix Fischer

André Schubert ist beim FC Ingolstadt eine schwierige Mission angetreten. Der Trainer soll den bayerischen Klub in der 2. Bundesliga zum Klassenerhalt verhelfen.

Angesichts von lediglich einem Sieg und zwei Unentschieden nach elf Spieltagen droht dieses Vorhaben aber zu scheitern. Am vergangenen Wochenende setzte es mit der 0:1-Niederlage bei Kellerkonkurrent Erzgebirge Aue den nächsten heftigen Tiefschlag.

Da tut ein Highlight im DFB-Pokal vielleicht mal ganz gut. Ingolstadt bekommt es in der 2. Runde mit keinem Geringeren als dem BVB zu tun.

Schubert, der seit September Trainer der Schanzer ist, erklärt im SPORT1-Interview, wie er sich auf das Duell mit Borussia Dortmund (DFB-Pokal: Borussia Dortmund - FC Ingolstadt am Dienstag ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM sowie ab 20 Uhr im LIVETICKER) vorbereitet, warum er sich in Ingolstadt so wohlfühlt und wie er auf seine Zeit bei Borussia Mönchengladbach zurückblickt.

SPORT1: Herr Schubert, Sie sind ja noch nicht so lange beim FC Ingolstadt. Sind Sie gut angekommen und fühlen sich schon wohl?

André Schubert: Ich fühle mich sehr wohl. Mit mir zusammen ist ja auch Asif Saric gekommen, mein Co-Trainer. Wir fühlen uns wirklich sehr gut aufgenommen, sowohl von den Verantwortlichen im Verein als auch von den Menschen in der Stadt. Wir sind zum Essen immer auch mal wieder draußen in der Stadt und da werden wir oft positiv angesprochen. Das ist sehr schön. Wir fühlen uns insgesamt sehr wohl, die Bedingungen sind top. Klar, die Lage ist schwierig, das ist gar keine Frage, aber auch deswegen sind wir ja hier und wir werden alles dafür tun, dass wir das Positive, das uns entgegengebracht wird, auch wieder zurückgeben können. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan des DFB-Pokals)

Schubert: Darum FC Ingolstadt

SPORT1: Wie lange mussten Sie überlegen, um sich für den FC Ingolstadt zu entscheiden?

Schubert: Da musste ich keine Sekunde überlegen. Ich habe mich über den Anruf sehr gefreut, weil ich den FC Ingolstadt schon viele Jahre verfolgt habe und seine ganze Entwicklung auch kenne. Unsere Wege haben sich im Laufe der Profikarriere auch schon gekreuzt und deshalb habe ich mich gefreut. Ich bin mit Peter Jackwerth über die Jahre auch immer mal wieder im Kontakt gewesen. Wir haben uns bei Spielen getroffen und immer mal wieder kurz geredet. Auch deswegen gab es keine Sekunde des Grübelns und es war schnell klar, dass ich das gerne machen würde.

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SPORT1: Die aktuelle Situation, die ja gerade tabellarisch (Platz 18 mit fünf Punkten nach elf Spielen, Anm. d. Red.) schwierig ist, haben Sie ja schon angesprochen. Wie würden Sie die letzten Wochen aus Ihrer Sicht zusammenfassen? (Anm. d. Red.: Das Interview wurde vor dem Wochenende geführt)

Schubert: Es ist vielleicht schwer, so schnell ein Fazit zu ziehen. Ich kann nur sagen, dass die Art und Weise, wie wir angekommen sind und hier aufgenommen wurden, sehr gut war. Die Jungs machen einen top Eindruck. Es ist gerade charakterlich eine Top-Truppe. Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm, sie sind sehr konzentriert, sehr fokussiert auf die Dinge. Sie saugen alles auf, was wir ihnen versuchen mitzugeben. Sie äußern sich aber auch zu gewissen Themen und stellen Fragen. Die Mannschaft ist keine Nicker-Mannschaft, sondern eine Mannschaft, die auch mal kritisch hinterfragt. Also ich kann nur Positives sagen. Natürlich hätten wir uns auf Schalke (0:3, Anm. d. Red.) mehr Aktionen gerade in der Offensive gewünscht, aber defensiv war das ein Schritt nach vorne. Ein weiterer Schritt war es gegen Kiel (1:1, Anm. d. Red.). Jetzt müssen wir noch gucken, dass wir torgefährlicher werden und mutiger nach vorne. Das sind aber Dinge, die wir uns einfach erarbeiten müssen. Gerade dieser Mut und das Selbstvertrauen kommen natürlich auch mit jeder gelungenen Aktion.

SPORT1: Was macht den FC Ingolstadt denn für Sie aus?

Schubert: Gerade das Familiäre ist wirklich ein großer Faktor des Vereins. Es gibt ein harmonisches Gefühl innerhalb der Geschäftsstelle, mit den Mitarbeitern, der Mannschaft, dem Staff und auch den Fans. Mit ihnen habe ich mich auch schon getroffen und wir haben uns ausgetauscht. Da merkst du einfach, dass die Fans zu uns stehen. Natürlich ist das eine Fangemeinschaft, die noch wachsen wird im Lauf der vielen Jahre. Das kommt nicht von heute auf morgen, das ist eine ganz normale Entwicklung. Aber dieses Familiäre ist etwas ganz Entscheidendes und auch die Fans fordern so ein wenig Geduld vom Verein, dass wir auch mal einen etwas anderen Weg einschlagen und den ein oder anderen jungen Spieler einbinden und dann auch für eine gewisse Art von Fußball stehen. Wir wollen für einen Fußball stehen mit Mut und Leidenschaft, auch auf die Gefahr hin, dass man mal eine Schlappe bekommt. Wir wollen einfach mutig und aktiv sein. Das soll unser Weg sein.

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Gehört der FCI in die Bundesliga?

SPORT1: Wie sehen Sie diesen Weg denn langfristig? Ist der FC Ingolstadt ein Verein, der sich in der 2. Bundesliga etablieren oder wieder ganz nach oben will, wie es vor einigen Jahren war?

Schubert: Die Möglichkeiten, die der Verein mitbringt, sind sicher so, dass vieles möglich ist. Nicht umsonst war der Verein schon in der ersten Liga. Aber wir brauchen jetzt keine großen Ausblicke in die Zukunft machen. Es geht jetzt erst einmal darum, in diesem Jahr die Klasse zu halten. Wenn wir das schaffen, dann kommt der nächste Schritt. Ich halte es immer damit, mich auf das zu konzentrieren, was gerade vor mir liegt, anstatt Kraft darauf zu verwenden, was irgendwann mal sein könnte. Das lenkt nur ab. Von daher ist der Fokus in dieser Saison voll auf den Klassenerhalt gelegt. (NEWS: Alle aktuellen Infos zum DFB-Pokal)

SPORT1: Was sind denn Dinge, an denen Sie vielleicht auch persönlich an sich arbeiten möchten?

Schubert: Es gibt auf jeden Fall Dinge, an denen ich auch selbst arbeiten möchte. Das sind in erster Linie persönliche Dinge. Zum Beispiel Geduld oder auch andere Wege zu akzeptieren, die es gibt. Das ist schon sehr wichtig. Es ist einfach wichtig, eine gewisse Geduld zu haben und auch in bestimmten Bereichen nicht alles über das Knie zu brechen. Ich möchte alles immer sehr gut machen und schlag da dann ein hohes Tempo an. Manchmal ist da ein bisschen Ruhe gut. Aber ich werde älter, man entwickelt sich weiter und wird ruhiger. Das führt sicherlich dazu, dass ich viele Dinge jetzt reflektierter sehe als früher.

So denkt Schubert über seine Gladbach-Zeit

SPORT1: Eine Frage, die sich ein wenig in die Vergangenheit richtet: Sie waren ja in Ihrer Phase bei Borussia Mönchengladbach mal sehr erfolgreich, mal ein bisschen weniger. Denken Sie noch oft, vielleicht auch ein bisschen wehmütig, an diese Zeit zurück?

Schubert: Nein. Ich weiß ja, wo ich herkomme. Ich hatte nie eine Karriereplanung. Ich möchte einfach nur gerne im Fußball arbeiten, weil der Fußball mir viel Spaß macht. Mir macht es Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten. Ich habe das genossen, als ich das in der Jugend gemacht habe. Ich habe das genossen, als ich das mit Profis gemacht habe. Ich denke überhaupt nicht wehmütig an diese Zeit zurück, sondern sehr gerne. Ich bin bis heute noch mit Fans von Borussia Mönchengladbach in Kontakt. Ich werde oft angesprochen, auch auf die Wahnsinnsauftritte in der Champions League, die wir hatten, wie wir Fußball gespielt haben. Ich bin auch noch mit sehr vielen Verantwortlichen vom Verein in Kontakt. Ich denke sehr, sehr gerne an die Zeit zurück und versuche auch die Kontakte zu halten, auch wenn das manchmal schwer ist. Ich habe aber auch noch nach Paderborn, St. Pauli, eigentlich überall hin, Kontakte. Das ist für mich ganz normal, weil ich damit sehr viel Positives verbinde und keine Wehmut.

So charakterisiert Schubert den BVB

SPORT1: Jetzt geht es im DFB-Pokal gegen den BVB. Was zeichnet Dortmund denn grundsätzlich aus?

Schubert: Ich kenne die Dortmunder ganz gut. Sie sind sicherlich hinter Bayern die Top-Mannschaft in Deutschland. Sie haben in den letzten Jahren immer wieder für absolute Highlights gesorgt. Es ist eine sehr junge Mannschaft mit einem wahnsinnigen Potential. Es ist sicher auch nicht einfach, die besten Spieler immer wieder nach ein, zwei Jahren abgeben zu müssen. Man hat das Gefühl, dass die Top-Jungs, die mit 18 kommen, sich dann schon immer wieder damit beschäftigen, wo es als nächstes hingehen könnte. Aber der Verein macht eine super Arbeit, hat sich in der Bundesliga nicht nur ganz oben etabliert, sondern auch immer den Anspruch, um Titel mitzuspielen, egal ob es der DFB-Pokal ist oder in der Bundesliga um die Meisterschaft geht. Auch auf Champions-League-Ebene, auch wenn es jetzt gerade mal nicht so gut aussah, haben sie immer den Anspruch, die K.o.-Runde zu erreichen. Es ist ein Top-Verein und Hochachtung vor den Verantwortlichen, die da gut arbeiten. Das alles können wir einschätzen. Wir werden versuchen, uns da so teuer wie möglich zu verkaufen.

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SPORT1: Macht Ihnen dann ein Spiel wie die Dortmunder 0:4-Niederlage bei Ajax Amsterdam Mut für das Pokalspiel oder zieht man daraus Schlüsse?

Schubert: Sie werden es mir zwar jetzt nicht glauben, aber ich habe das Spiel nicht verfolgt. Ich habe an dem Abend drei Spiele von Aue (Ingolstadts Gegner vom vergangenen Wochenende, Anm. d. Red.) angeschaut in der Zeit von acht bis eins. Wir sind einfach immer mit dem Gegner vom Wochenende beschäftigt. Ich kenne das Ergebnis logischerweise, aber ich habe es mir nicht angeschaut.