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DFB-Pokal: Lars Stindl über Borussia Mönchengladbachs großes Ziel

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DFB-Pokal: Lars Stindl über Borussia Mönchengladbachs großes Ziel

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Stindl: „Sind keine Übermannschaft“

Stindl: „Sind keine Übermannschaft“

Gladbachs Kapitän Lars Stindl spricht einen Tag nach dem 5:0 Sieg gegen die Bayern in einer Medienrunde über das historische Ergebnis und dessen Bedeutung.
Der FC Bayern kassiert im Pokal bei Borussia Mönchengladbach eine historische Klatsche. Nagelsmann schaut aus dem Home office zu, Upamecano steht komplett neben sich. Alle Tore und Highlights im Video.
. SPORT1
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von SPORT1

Mit 5:0 besiegt Borussia Mönchengladbach den FC Bayern München in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Ein Ergebnis, was wohl niemand erwartet hatte und was viele teilweise sprachlos zurücklässt.

Gladbach-Kapitän Lars Stindl stand einen Tag dem Erfolg in einer Medienrunde Rede und Antwort und versuchte, das Geschehene einzuordnen.

Frage: Herr Stindl. wie fühlt man sich am Tag nach so einem Spiel?

Lars Stindl: Sehr sehr gut, nach so einem Spiel am nächsten Tag aufzuwachen, ist schon ein sehr gutes Gefühl. Ich glaube ‚besonders‘ trifft es am besten, es war wirklich ein besonderes Spiel gestern, für uns, für die Leute, die im Stadion waren und natürlich für den Verein. Gegen die wahrscheinlich beste Mannschaft der Welt so ein Spiel abzuliefern, bei dem vieles einfach aufgegangen ist, vieles gepasst hat. Wir sind verdient in die nächste Runde eingezogen und hatten hier im Borussia-Park nach so langer Zeit mal wieder ein Fußball-Fest.

Frage: Zur Halbzeit haben viele gesagt: Wenn eine Mannschaft zurückkommen kann, dann die Bayern. Wann hast du auf dem Platz gemerkt, dass es für die Bayern nichts zu holen gibt? Ihr habt euch ja in einen richtigen Rausch reingespielt.

Stindl: Ja stimmt, ich glaube, wenn jemand sich gegen solche Situationen wehren kann, dann der FC Bayern, weil sie in jeder Sekunde diese Qualität haben. Das war auch der Tenor in der Halbzeitpause, dass wir da nicht lockerlassen dürfen, denn die paar Minuten vor der Halbzeit war es schon brenzlig. Wenn dann das 3:1 fällt, kann es vielleicht nochmal in die andere Richtung gehen. Aber über 90 Minuten war das wirklich eine sehr sehr fokussierte Topleistung. Natürlich offensiv, unfassbare gute Aktionen gehabt, viel rausgespielt, besondere Dinge gemacht. Aber auch defensiv gut gestanden und wenig zugelassen. Hintenraus hatten wir Yann Sommer. aber insgesamt sehr sehr griffig, bissig gewesen. Das ist der Maßstab, den wir uns selbst gesetzt haben.

Frage: Wie war das in der Kabine, war euch bewusst, was ihr geleistet habt? Manche vergleichen das mit dem 7:1 gegen Inter Mailand...

Stindl: Am Ende des Tages war es dann leider nur die 2. Runde des DFB-Pokals, und es ist noch ein weiter Weg zu unserem großen Ziel, nach Berlin zu kommen. Aber trotzdem wissen wir schon, dass es ein besonderer Abend war uns so ordnen wir den auch ein. Und dann kann man auch mal einen Tag länger stolz sein, und ein Tag länger genießen - trotzdem mit dem Wissen, dass am Sonntag schon wieder Bundesliga ansteht. Aber das Gefühl heute und auch gestern direkt nach dem Spiel, auf dem Platz: Man weiß, dass ganz viele Menschen zugeschaut haben. Deswegen war das echt ganz ein besonderer Abend. Ich glaube für jeden einzelnen, der da dabei war gestern. (NEWS: Alle aktuellen Infos zum DFB-Pokal)

Frage: Wie hat sich dieser Rausch auf dem Feld angefühlt?

Stindl: Ich glaube, dass wir in den letzten Wochen immer gute Anfangsphasen hatten, das ist uns wieder eindrucksvoll gelungen. Ich glaube, wie wir dann in dem Gegenpressing drinbleiben, den Ball uns zurückholen und dann auch diese spielerische Komponente reinbringen. Aber dann nach 70 Sekunden 1:0 in Führung gehen und dranbleiben, das sind so Qualitäten, die haben wir uns ein bisschen neu angeeignet dieses Jahr. Frühe Tore tun gut, gerade uns hat das natürlich unglaublich in die Karten gespielt.

Frage: Ist es erklärbar, warum die Bayern eine diese katastrophale Leistung abgeliefert haben - ohne die Leistung der Gladbacher schmälern zu wollen?

Stindl: Schwierig, das jetzt einzuordnen. Wir sind grundsätzlich froh über die Leistung, die wir abgeliefert haben. Wir wissen natürlich, dass auch eine Mannschaft wie der FC Bayern mal einen schlechten Tag haben kann, das haben die Kollegen ja gestern alle gesagt, dass es ein rabenschwarzer Tag für sie. Und wir mussten das irgendwie ausnutzen, diese Schwäche, die sie da gezeigt haben - und das haben wir eindrucksvoll getan. Mit unserer Power, mit unserem Stadion im Rücken, mit unseren Fans, aber auch mit dieser spielerischen Komponente, die wir in unserem Kader haben. Und das ganze Zusammenspiel hat dann zu so einem Match geführt.

Frage: Sie haben eingangs gesagt, das sei der Maßstab, an dem man sich messen lassen müsse. Was braucht es, um dieses Niveau zu halten, auch wenn wir uns alle einig sind, dass man eine derartige Leistung nicht jede Woche erreichen kann?

Stindl: Ja natürlich, aber es zeigt, wozu wir in der Lage - und das haben wir in den letzten Wochen immer mal wieder gezeigt. Wir hatten zu Beginn ein paar Probleme, aber es ist in den letzten Wochen so: An der Konstanz müssen wir drehen, dass wir immer wieder versuchen gute und erfolgreiche Spiele zeigen. Wir müssen das reinhauen, was wir gestern getan haben, dann gibt es immer eine hohe Wahrscheinlichkeit, das Spiel zu gewinnen. Das ist der Maßstab, dass wir diese Tugenden und Attribute immer wieder reinwerfen - egal gegen welchen Gegner. Wir sind keine Übermannschaft. Wir müssen gegen jeden Gegner das alles in die Waagschale werfen, um dreifach zu punkten.

Wir sind uns der Situation in der Bundesliga bewusst, wir können auch die Tabelle lesen, da sind wir ein mehr paar Plätze hintendran. als wir uns das vorgestellt und gewünscht haben. Wir dachten vor dem Hertha-Spiel, dass wir einen Schritt weiter sind. Wir sind dann nochmal ein bisschen auf die Schnauze geflogen, aber haben des gut abgeschüttelt und wissen, wie schwer es wird gegen Bochum, die jetzt auch zwei Spiele gewonnen haben und gestern im Pokal weitergekommen sind. Es wird natürlich ein anderes Fußballspiel, es gilt die Tugenden wieder auf den Platz zu bringen und dann können wir auch am Sonntag wieder gewinnen.

Frage: Was macht Adi Hütter zu solch einem guten Pokaltrainer? Er war ja in Frankfurt schon so erfolgreich in diesem Wettbewerb. Hat er da besondere Fähigkeiten?

Lars Stindl: Er hat eine gewisse Erfahrung in diesen Wettbewerben, nicht nur national, sondern auch international. Er hat gerade mit der Eintracht erfolgreiche Zeiten gehabt. Er ist natürlich ein Trainer mit extrem hohen Zielen und hat uns früh gesagt, was sein Ziel ist - und das ist, mal nach Berlin zu kommen, mit diesem großartigen Verein. Er hat uns diesen Glauben vermittelt, dass wir ganz weit kommen können, ohne zu vergessen, was die Hausaufgaben sind. Aber trotzdem groß zu denken und irgendwann vielleicht mal was Besonderes zu schaffen.

Frage: Welcher Gegner soll es am Sonntag bei der Auslosung für das Achtelfinale werden?

Lars Stindl: Ich glaube, wir hatten in der 1. Runde das schwerste Los, in der 2. Runde das schwerste Los, jetzt gucken wir mal. Ich glaube, es ist unabhängig vom Gegner, dass wir erstmal so weit kommen wie möglich und vielleicht etwas Besonderes schaffen wollen. Wir haben keine Wunschlose. Der ein oder andere hat eine gewisse Vergangenheit, wo sich Möglichkeiten ergeben würden, aber insgesamt schauen wir voller Vorfreude auf die Auslosung.

Frage: Sie haben gesagt, dass Gladbach etwas Besonderes schaffen will, ein Pokalsieg wäre etwas Besonderes. Die Borussia wartet seit 1995 mal wieder auf einen Titel...

Lars Stindl: Ich kann ihnen versichern, dass alle Mannschaften, die antreten, den den Wunsch haben, etwas Besonderes zu erreichen - und der DFB-Pokal ist natürlich die kürzeste Möglichkeit, ein Finale zu gelangen. Das war in den letzten Jahren das Ziel, ist auch dieses Jahr das Ziel. Aber dieses Ziel haben ganz viele andere Teams auch, und mit denen gilt es sich zu messen, um das zu erreichen.