Beim FC Bayern werden Erinnerungen an eine historische Demütigung wach

Achtung, Bayern! Der Pokalgegner ist in Top-Form
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Achtung, Bayern! Der Pokalgegner ist in Top-Form

Der 1. FC Magdeburg geht als krasser Außenseiter ins DFB-Pokal-Duell bei den Bayern. Dabei weiß der FCM nur zu gut, wie man dem Rekordmeister ein Bein stellt.

Giovane Élber steht am Elfmeterpunkt. Torwart Miroslav Dreszer nahm den Bayern-Star ins Visier, wippt auf der Grundlinie ein wenig hin und her. Irgendetwas zwischen Sensation, Hoffnung und Unglaube braut sich zusammen. Hinter dem FC Bayern München und dem 1. FC Magdeburg liegen bereits 120 Minuten erbitterter Pokalkampf.

Im Ernst-Grube-Stadion liegen die Nerven blank, Élber muss liefern. Sein Teamkollege Jens Jeremies hat bereits verschossen. „Trainer, ich mache das“, hatte Élber seinem Coach Ottmar Hitzfeld vor dem Elfmeterschießen zugesichert. Er geht ein paar Schritte zurück, läuft an und will den Ball ins obere linke Eck wuchten. Dreszer antizipiert das – und pariert.

Die Bayern lassen nach dem DFB-Debakel gegen Magdeburg enttäuscht die Köpfe hängen
Die Bayern lassen nach dem DFB-Debakel gegen Magdeburg enttäuscht die Köpfe hängenDie Bayern lassen nach dem DFB-Debakel gegen Magdeburg enttäuscht die Köpfe hängen© IMAGO/Contrast

FC Bayern erleidet Pokal-Debakel gegen den 1. FC Magdeburg

Wenig später steht der damalige Doublesieger vor den Trümmern seiner Pokalträume. Während an diesem 1. November 2000 auf den Rängen ein Magdeburger Ausnahmezustand ausbricht, bleiben auf dem Rasen fassungslose Bayern-Stars zurück.

Fast auf den Tag genau 26 Jahre nach diesem krachenden Debakel treffen die Bayern erneut in der zweiten Pokalrunde auf Magdeburg (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER). Élber hat diese Schmach noch heute im Gedächtnis. „Wir sind damals nach Magdeburg gefahren und haben gedacht, wir kommen schon irgendwie weiter“, erzählte der Brasilianer im Interview mit der Bayern-Homepage. Ein folgenschwerer Irrtum.

Als der Favorit ins Wanken gerät

Mit einem Staraufgebot rund um Welttorhüter Oliver Kahn, Stefan Effenberg, Hasan Salihamidzic und Élber reisten die Bayern als haushoher Favorit nach Sachsen-Anhalt. Auf der Gegenseite stand ein Viertligist, der sich mit unbändigem Einsatz gegen die Übermacht stemmte. „Wir waren nicht darauf vorbereitet, wie aggressiv und gut Magdeburg gespielt hat“, gestand Élber rückblickend.

Der 1. FC Magdeburg war nicht angetreten, um zu verlieren. Das materialisierte sich in der 66. Minute, als Adolphus Ofodile den damaligen Oberligisten zur 1:0 Führung schoss und die Gäste damit in Schockstarre versetzte. Das Stadion bebte, Magdeburg bebte. Spätestens jetzt war etwas von Bayerns Selbstverständlichkeit verloren gegangen.

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Doch schon wenig später drängten die Münchener vehement auf den Ausgleich. Elf Minuten vor Schluss rettete Salihamidzic den Rekordmeister zunächst in die Verlängerung.

Magdeburg hielt den Angriffen der Bayern stand. Nach 120 Minuten stand es immer noch 1:1, das Elfmeterschießen musste über den Einzug ins Achtelfinale entscheiden.

„Ich war nie der Killer vom Elfmeterpunkt“

Élber war erst in der zweiten Halbzeit für Alexander Zickler eingewechselt worden. Nun sollte er im Elfmeterschießen Verantwortung übernehmen. „Ich war nie der Killer vom Elfmeterpunkt“, räumte der Brasilianer ein.

Trainer Ottmar Hitzfeld habe ihn gefragt, ob er bereit sei. Élber bejahte. Doch sein Schuss rutschte ihm über den sonst so treffsicheren rechten Fuß, mit dem er in der Vorsaison so häufig getroffen hatte. 19 Tore erzielte er in der Saison 1999/2000 für die Bayern. „Irgendwie habe ich den Ball dann aber nicht richtig getroffen“, erzählte er.

Zuvor war bereits Jens Jeremies an Dreszer gescheitert. Während die Bayern zweimal vergaben, verwandelten die Magdeburger alle vier Strafstöße; Bayern-Torhüter Oliver Kahn blieb chancenlos. Dirk Hannemann besiegelte mit seinem Treffer den sensationellen Triumph. 4:2 im Elfmeterschießen – der Oberligist hatte den deutschen Rekordmeister gestürzt und damit Geschichte geschrieben.

Nie zuvor und auch nie mehr danach ist der FC Bayern im Pokal gegen einen Viertligisten ausgeschieden. Bei den Blamagen gegen den TSV Verstenbergskreuth (Regionalliga) 1994/95 und FV 09 Weinheim (Oberliga) 1990/91 scheiterte Bayern an Klubs, die seinerzeit in der dritthöchsten Spielklasse aktiv waren.

Von Weinheim bis Vestenbergsgreuth: Die Pokal-Blamagen der Bayern
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Von Weinheim bis Vestenbergsgreuth: Die Pokal-Blamagen der Bayern

Was für Magdeburg zum Fußballmärchen wurde, war für die Münchner eine handfeste Blamage. „Direkt nach Abpfiff war es sehr unangenehm“, erinnert sich Élber. In der Kabine habe sich die Mannschaft nur eine Frage gestellt: „Wie haben wir es geschafft, mit dieser Mannschaft hier auszuscheiden?“

Aus der Blamage wächst ein Triumph

Die Bayern brauchten nicht lange, um die heftige Niederlage zu verdauen – zumindest auf dem Rasen. Nur drei Tage später meldeten sich die Münchener eindrucksvoll zurück und fertigten Borussia Dortmund mit 6:2 ab. Élber traf selbst und bereitete ein weiteres Tor vor.

„Man darf nach einer Niederlage nie die Köpfe hängen lassen, sondern muss direkt wieder aufstehen“, sagte der frühere Torjäger.

Mehr noch: Ausgerechnet die historische Pokalpleite sieht er heute als wichtigen Wendepunkt einer außergewöhnlichen Saison. „Die Lehren, die wir aus dem Spiel gezogen haben, waren sehr wichtig für die gesamte Saison“, erklärte Élber.

Am Ende wurden die Bayern deutscher Meister. Und im Mai 2001 krönten sie sich in Mailand gegen den FC Valencia zum Champions-League-Sieger. Die Entscheidung fiel erneut vom Elfmeterpunkt – diesmal mit dem besseren Ende für München.

Miroslav Dreszer (mit Oliver Kahn) wurde vor 26 Jahren zum Helden des 1. FC Magdeburg
Miroslav Dreszer (mit Oliver Kahn) wurde vor 26 Jahren zum Helden des 1. FC MagdeburgMiroslav Dreszer (mit Oliver Kahn) wurde vor 26 Jahren zum Helden des 1. FC Magdeburg© IMAGO/Contrast

26 Jahre später: Die Erinnerung lebt

Am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) stehen sich Bayern und Magdeburg in der zweiten Pokalrunde erneut gegenüber. Die Rollen sind klar verteilt, und diesmal genießen die Münchner Heimrecht.

Doch Élber weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell eine vermeintliche Pflichtaufgabe zum Albtraum werden kann. „Was die individuelle Klasse angeht, ist Bayern zwar überlegen, aber sie müssen auch den Kampf annehmen“, mahnte der 54-Jährige. Vor 26 Jahren reichten große Namen und individuelle Klasse nicht aus. Ein Viertligist schrieb Geschichte, zwei Weltklassespieler scheiterten vom Punkt.

Und die Bayern lernten auf die schmerzhafte Tour, dass im Pokal manchmal ein einziger Abend genügt, um alle Gewissheiten über den Haufen zu werfen.

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