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Kellers Entgleisung schockiert

Kellers Entgleisung schockiert

Eine Verbalentgleisung von DFB-Präsident Fritz Keller erschüttert auch die Landesverbände. SHFV-Präsident Uwe Döring zeigt sich "völlig schockiert".
Fritz Keller (r. ) soll Rainer Koch (l.) attackiert haben
Fritz Keller (r. ) soll Rainer Koch (l.) attackiert haben
© Imago
Robin Wigger
von Robin Wigger
am 26. Apr

Es war eine Meldung, die schockierte – und die ein erneutes DFB-Beben auslösen könnte.

Das berichten Bild und Spiegel.

Freisler gilt als bekanntester Strafrichter des nationalsozialistischen Deutschlands. Der ehemalige Präsident des Volksgerichtshofes verhängte über 2600 Todesurteile, unter anderem gegen die Hitler-Attentäter und die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Zudem war er auch an der Wannsee-Konferenz beteiligt, auf der der Holocaust beschlossen wurde.

Koch selbst wollte sich auf SPORT1-Anfrage nicht dazu äußern. Der Vorfall sorgt aber für große Verwunderung in den Landesverbänden - nicht nur in Bayern, wo Koch Präsident ist.

Landesverbandspräsident "völlig schockiert"

"Ich habe es nur online gelesen. Aber es ist mir unerklärlich, wenn es denn so war. Ich bin völlig schockiert", sagte Uwe Döring bei SPORT1.

Döring ist seit 2019 Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes und war Initiator des Protestbriefes der Landesverbände an den DFB, der zuletzt den "desolaten Zustand" des Dachverbandes kritisierte.

Uwe Döring ist Präsident des Fußballverbandes von Schleswig-Holstein
Uwe Döring ist Präsident des Fußballverbandes von Schleswig-Holstein

"Wir hatten eigentlich einen Plan, wie wir jetzt mit der Krise umgehen. Und dazu hatten wir uns für das kommende Wochenende verabredet", erklärte Döring: "Allerdings glaube ich, dass wir uns das mit der aktuellen Brisanz schenken können."

"DFB gibt wahnsinnig viel Grund zur Sorge"

Die DFB-Spitze schade mit ihrem Verhalten der aufopferungsvollen Arbeit der Ehrenamtler und Vereine. "Wir bemühen uns, in den schwierigen Zeiten den Fußball irgendwie am Laufen zu halten. Das Bild, das der DFB an der Spitze abgibt, gibt wahnsinnig viel Grund und Anlass zur Sorge", meinte Döring.

Er habe seine Initiative gestartet, "weil ich einfach verzweifelt bin" und sei kurzzeitig guter Hoffnung gewesen, "dass wir einen Weg finden, solange wir es noch in der Hand halten. Denn wenn wir als Amateure, die nach wie vor die Mehrheit im DFB haben, das Ganze noch gestalten können, haben wir ja noch Chancen. Aber das wird uns aus der Hand genommen, wenn wir uns so darstellen, wie es gerade läuft."

Döring meint: "Es ist für mich unfassbar und ich glaube, dass eine große Anzahl an Landesverbänden der Meinung sein wird, dass wir jetzt einen außerordentlichen Bundestag brauchen werden, in dem sich alle zur Wahl stellen müssen. Anders geht es nicht mehr."

Kommt es zum DFB-Beben? Ein außerordentlicher Bundestag kann vom DFB-Präsidium jederzeit aus einem wichtigen Grund einberufen werden. Der DFB-Bundestag setzt sich aus 262 stimmberechtigten Delegierten zusammen, zu denen die Mitglieder des DFB-Präsidiums und des DFB-Vorstands ebenso gehören wie die Abgesandten der Landes- und Regionalverbände sowie des Ligaverbandes.

Normalerweise findet der DFB-Bundestag alle drei Jahre statt.

Keller-Attacke traf Koch sehr

Nach SPORT1-Informationen ist am Montag bei Koch ein Entschuldigungsschreiben Kellers eingetroffen, auf das der Vizepräsident aber noch nicht reagiert hat. Koch hat die Attacke nach SPORT1-Informationen sehr geschmerzt, er muss diese erst einmal verarbeiten, ehe er das persönliche Gespräch mit Keller suchen wird.

Dieser hatte sich auch in einer DFB-Mitteilung, die Bild und Spiegel vorliegt, entschuldigt: "Manchmal fallen in Kontroversen Worte, die nicht fallen sollen und nicht fallen dürfen. Dafür habe ich mich in aller Form persönlich im Gespräch wie auch schriftlich bei Rainer Koch entschuldigt. Er hat die Größe, die Entschuldigung anzunehmen, wofür ich ihm dankbar bin."

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Der 64-Jährige betonte, dass sein Vergleich inakzeptabel gewesen sei. "Insbesondere auch im Hinblick auf die Opfer des Nationalsozialismus war der Vergleich gänzlich unangebracht. Ich bedauere dies sehr und werde meine Worte künftig weiser wählen."

Keller-Attacke "nicht zu entschuldigende Entgleisung"

Drohen Keller jetzt Konsequenzen? Laut Spiegel hat Generalsekretär Friedrich Curtius Anzeige bei der Ethikkommission des Verbands erstattet.

Döring glaubt, dass es in der aktuellen Situation letzten Endes nur Keller selbst für sich entscheiden könne. Doch "nach so einer Entgleisung, wenn sie denn stimmt, ist es gerade in Deutschland sehr, sehr schwierig, den größten Sportverband der Welt zu führen."

Der SHFV-Boss habe Keller immer unterstützt und Hoffnungen gehabt, "dass er derjenige sein kann, der auch den DFB nach außen positiv vertritt. Denn er ist als Mensch ein angenehmer Typ."

Doch auch Döring weiß: "Wenn das jetzt wirklich so war, war das eine nicht zu entschuldigende Entgleisung."