Ter Stegens außergewöhnliches Comeback
Klopp erklärt neue Nummer eins - und singt ein Loblied
Marc-André ter Stegen feiert sein Comeback in der Nationalmannschaft. Der Keeper genießt das Vertrauen von Jürgen Klopp und steht nach langer Verletzungsmisere gleich als Nummer eins gegen die Niederlande zwischen den Pfosten.
472 Tage ist es her, dass Marc-André ter Stegen zuletzt im Tor der deutschen Nationalmannschaft stand. Am Donnerstag kehrt der 34-Jährige als deutsche Nummer eins zurück und steht beim Debüt von Bundestrainer Jürgen Klopp gegen die Niederlande in der Nations League (ab 20.45 im LIVETICKER) wieder zwischen den Pfosten. Dieses Comeback war für viele nicht unbedingt zu erwarten.
„Er ist fit und bringt die Erfahrung mit. Er macht einen sehr guten Eindruck“, begründete Klopp seine Wahl auf der Torhüterposition. „Ich kenne ihn seit Ewigkeiten. Manuel Neuer war lange der beste Torhüter der Welt und trotzdem wussten alle: ter Stegen ist auch Weltklasse. Er ist ein fußballspielender Torwart, das ist auch wichtig. Aber zu aller erst geht es darum, dass man Bälle hält und da finde ich ihn außergewöhnlich“, lobte Klopp ausführlich.
Nach langer Leidenszeit beim FC Barcelona und der Ablösung als Nummer eins ist ter Stegen endlich wieder Stammtorhüter. Für die laufende Spielzeit ist er an Ajax Amsterdam ausgeliehen und überzeugte beim niederländischen Rekordmeister zu Saisonbeginn mit seinen Qualitäten.
Ter Stegen überzeugt Niederlande-Journalisten
„Er hat es bisher überragend gemacht. Um ehrlich zu sein: Als er zu Ajax kam, habe ich mich gefragt, ob sie wirklich einen etwas älteren Keeper wie ihn brauchen? Aber er war schon sehr entscheidend für Ajax. Er hatte Paraden, die die gesamte Partie komplett verändert haben“, zeigte sich der niederländische Journalist Jeroen Stekelenburg von NOS im Gespräch mit SPORT1 begeistert. „Er war die vergangenen Wochen herausragend gut.“
Auch sein Kollege Pascal Kamperman vom niederländischen ESPN teilte bei SPORT1 die Einschätzung: „Man ist hier sehr zufrieden mit ihm. Als er in die Eredivisie kam, haben alle gesagt, dass es super toll ist. Das ist der Wahnsinn. Ich habe ihn zum ersten Mal im Spiel in Zwolle gesehen und da war er direkt fabelhaft. Er hatte Riesenparaden.“
Auch ter Stegen selbst zeigt sich mehr als zufrieden mit seinem Schritt zu Ajax. „Ich habe während meiner Genesung viel durchgemacht. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und die beste Version meiner selbst zu zeigen – und ich freue mich, wieder dabei zu sein“, erklärte der 34-Jährige. Das Besondere für ihn: Das Duell mit den Niederlanden findet in seiner Wahlheimat Amsterdam, in der Johan-Cruyff-Arena, statt.
Ter Stegen: Die ewige Nummer zwei im DFB-Tor
Im Schatten von Manuel Neuer war ter Stegen über Jahre hinweg trotz herausragender Leistungen im Tor von Borussia Mönchengladbach und dem FC Barcelona nur die unglückliche Nummer zwei im deutschen Tor. Nach dem Rücktritt von Neuer nach der Heim-EM 2024 schien die Bahn frei für ter Stegen als Nummer eins – allerdings nur für zwei Spiele. Dann riss er sich die Patellasehne und fiel sieben Monate aus.
In seiner Abwesenheit wechselten sich Alexander Nübel und Oliver Baumann im deutschen Tor ab. Als ter Stegen wieder fit wurde, schenkte ihm Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann das Vertrauen und setzte ihn im Juni 2025 in der Finalrunde der Nations League ein. Die 0:2-Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Frankreich sollte sein 44. und bis dato letztes Länderspiel bleiben – weil er schon wieder vom Verletzungspech verfolgt wurde.
Den Anfang der vergangenen Saison und damit auch die WM-Qualifikation verpasste ter Stegen mit einer Rückenverletzung. Beim FC Girona sollte er Spielpraxis für die WM sammeln, doch stattdessen folgte im Januar dieses Jahres eine hartnäckige Muskelverletzung im Oberschenkel. Beim FC Barcelona geriet der Keeper aufs Abstellgleis, darüber hinaus platzte sein Traum von der WM-Teilnahme in den USA, Kanada und Mexiko.
Ter Stegen zweifelte nach Verletzungspech
„Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich nicht auch öfter mal gezweifelt habe. Gerade wenn die eine in die nächste Verletzung übergeht“, sagte ter Stegen im Interview mit RTL/Sky über die schwere Zeit. Seit Saisonbeginn 2024/25 verpasste er über 100 Spiele und bis heute kann ter Stegen weder ein Spiel bei einer EM noch bei einer WM vorweisen.
Umso glücklicher ist ter Stegen nun über das Comeback im DFB-Team und das er nach einer langen Leidenszeit endlich gesund ist: „Für mich ist es immer etwas Besonderes, jetzt auch wieder hier zu sein. Umso mehr gilt das nach den vergangenen zwei Jahren, in denen ich nicht immer spielen konnte. Dass ich gerade gesund bin, das weiß ich sehr zu schätzen.“
Nach dem Duell mit den Niederlanden stehen für die DFB-Elf noch drei weitere Partien an: in Augsburg gegen Griechenland (27.9., 20.45 Uhr), in München gegen Serbien (1.10., 20.45 Uhr) sowie das Rückspiel in Griechenland (4.10., 20.45 Uhr). Ter Stegen ist zumindest „für den Moment“ von Klopp zur Nummer eins gemacht worden.
„Es wird aber immer von der Leistung abhängig sein. Wir haben keinerlei Torhüterproblem“, stellte der Bundestrainer aber auch klar. Neben ter Stegen sind Finn Dahmen und Alexander Nübel im XXL-Kader für die ersten beiden Partien nominiert. Für die beiden abschließenden Spiele sind es neben Dahmen noch Jonas Urbig und Noah Atubolu.