Tom Bischofs großer DFB-Abend
Bischof will noch keine Glückwünsche von Klopp
Die deutsche Nationalmannschaft feiert unter Jürgen Klopp den ersten Sieg. Zwei überragen, ein anderer fällt ab. Die SPORT1-Einzelkritik.
Zwei Tore, ein überzeugender Auftritt und ein gefeierter Debütant: Die deutsche Nationalmannschaft hat Serbien mit hochverdient bezwungen (2:0) und damit den ersten Sieg unter Bundestrainer Jürgen Klopp gefeiert.
Vor allem Tom Bischof und Florian Wirtz setzten in München die Glanzpunkte. Ein anderer Offensivspieler erwischte einen sehr unglücklichen Abend. SPORT1 nimmt die DFB-Stars unter die Lupe.
JONAS URBIG: Der Bayern-Keeper durfte in “seinem” Stadion sein Debüt in der Nationalmannschaft feiern. Musste einmal tief durchatmen, als Nedeljkovic nach einer Kostic-Hereingabe verpasste. Ansonsten im ersten Durchgang völlig beschäftigungslos. Sorgte dann in der 56. Minute mit einem Fehlpass selbst dafür, dass er fast Arbeit bekommen hätte – Bischof rettete aber. SPORT1-Note: 3,5
DFB-Neuling wieder stark
PHILIP TREU: Erneut ein guter Auftritt des Freiburgers! War im Vergleich zu seinem Länderspieldebüt gegen die Niederlande deutlich offensiver unterwegs. Rückte in Ballbesitz häufig in Zentrum. Nach einem etwas nervösen Beginn, als ihm in der 6. Minute der Ball völlig unnötig und unbedrängt ins Seitenaus versprang, steigerte er sich enorm: Ständig anspielbar, zweikampfstark, extrem lauffreudig und aggressiv gegen den Ball. Bei der gefährlichen Kontersituation der Serben weit und breit von Kostic entfernt – da stimmte die Abstimmung mit Gnabry überhaupt nicht (32.). Sprintete Kostic den Ball ab (53.). Seine mustergültige Flanke schoss Woltemade aus kürzester Distanz über den Kasten (59.). Später erneu mit einer guten scharfen Hereingabe aus dem Halbfeld (81.). SPORT1-Note: 2,5
WALDEMAR ANTON: Blieb nach einem rüden Tritt von Jovic mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, konnte aber weiterspielen (12.). Übernahm häufig die Rolle des Aufbauspielers und trat weitgehend als seriöser Zweikämpfer auf. Strahle mit seinem Nebenmann Thiaw größtenteils Sicherheit aus. Die ganz großen Taten waren dafür allerdings nicht nötig. SPORT1-Note: 3
MALICK THIAW: Immer nah am Mann, verteidigte auch mal tief in die serbische Hälfte durch und auch kopfballstark. Das Aufbauspiel überließ er weitestgehend Anton. Musste, genauso wie Anton, keine außergewöhnlichen Dinge vollbringen. SPORT1-Note: 3
Das neue DFB-Traumduo?
MAXIMILIAN MITTELSTÄDT: Präsentierte sich als Aktivposten, der Ertrag fiel allerdings gering aus. Gerade bei Flanken und Abspielen in die Tiefe hatte er seine Probleme. Gleich nach dem Seitenwechsel fiel er zum Beispiel mit einer dieser Unkonzentriertheiten auf. Immerhin: Die schöne Vorarbeit vor dem 2:0 von Wirtz (62.) kam von ihm. Taf scharfe Ecken von der rechten Seite. SPORT1-Note: 3,5
ALEKSANDAR PAVLOVIC (bis 88.): Das Pressing mit Bischof an seiner Seite klappte zu Beginn. Setzte die Kopfballrücklage von Treu aus 16 Metern knapp neben den rechten Pfosten – den darf man zumindest aufs Tor bringen. (8.). Leitete die deutsche Führung im Zusammenspiel mit Wirtz ein (39.). Sonst etwas unauffälliger als sein überragender Nebenmann Bischof – wenn er gebraucht wurde, war er aber da. Kurz vor Ende ersetzte ihn Janelt. SPORT1-Note: 2,5
TOM BISCHOF (bis 76.): Einer der Besten an diesem Abend! Nach den Spielen mit der U21 direkt in der deutschen Startelf. Überzeugte in seinem zweiten Länderspiel auf ganzer Strecke. Agierte als passsicherer Ballverteiler im Mittelfeldzentrum, häufig mit dem öffnenden Pass in die Offensive oder guten Seitenverlagerungen. Gab seinen Mitspielern lautstarke Kommandos und fühlte sich sichtlich wohl in der Rolle des Hoffnungsträgers. Der Lohn: Sein wuchtiger Treffer zum 1:0. Schöner Abschluss aus rund 20 Minuten – Petrovic klärte zur Ecke (43.). Wurde bei seiner Auswechslung von seinem Heimpublikum abgefeiert (76.). SPORT1-Note: 1,5
FLORIAN WIRTZ: Ließ in diesem Spiel mehrmals seine Weltklasse aufblitzen! Toller Steckpass auf Gnabry – knapp daneben (18.). Hatte die deutsche Führung auf den Kopf – traf völlig freistehend aus acht Metern aber nur Petrovic (35.). Das muss eigentlich ein Tor sein. Weltklasse-Aktion vor dem 1:0, als er Babic auf engstem Raum genial aussteigen ließ und mit der Pike nur den Pfosten traf – Bischof schob am Ende ein. Streifte sich nach der Pause die Binde von Gnabry über. Seine zweite bärenstarke Einzelaktion führte zum zweiten deutschen Treffer, als er ein Mittelstädt-Zuspiel stark mitnahm, Babic mit einer Bewegung ins leere Laufen ließ und überlegt einschob (61.). SPORT1-Note: 1,5
Sonderapplaus von Klopp
DERRY SCHERHANT (bis 76.): Mutiges Länderspieldebüt für den Freiburger. Holte sich für eine schöne Ballbehauptung früh in der Partie Selbstbewusstsein und Szenenapplaus (4.). Auch sonst mit großem Offensivdrang, sprühte vor Spielfreude. Sein frecher Versuch ging ans Außennetz (58.). Gab die meisten Schüsse aller Spieler ab (fünf). SPORT1-Note: 2
SERGE GNABRY (bis 45.): Führte die DFB-Elf in seinem 61. Länderspiel als Kapitän aufs Feld. Zeigte sich umtriebig und hatte in der 18. Minute eine erste gute Chance. Die Kugel sauste aber aus spitzem Winkel am langen Eck vorbei und suchte auch den Abschluss. Holte sich für eine Grätsche Sonderapplaus von Klopp ab (29.). Starke Flanke auf Wirtz, der aus rund acht Metern aber nur den serbischen Keeper anköpfte (35.). Machte zur Pause Platz für El Mala. SPORT1-Note: 3
NICK WOLTEMADE (bis 76.): Erwischte keinen guten Abend. Kam einige Male zu Halbchancen. Im letzten Moment aber immer noch entscheidend von einem Serben gestört. Strahlte insgesamt zu wenig Torgefahr für einen Stürmer aus und hatte auch Probleme damit, Bälle festzumachen. Brachte nach einer butterweichen Treu-Flanke das Kunststück fertig, den Ball aus drei Metern über das serbische Tor zu jagen – das muss ein Tor sein (59.)! Wirkte über das komplette Spiel hinweg etwas schwerfällig. SPORT1-Note: 5
Das 1000. DFB-Debüt
SAID EL MALA (ab 45.): Kam zur Halbzeit für Gnabry zu seinem Länderspiel-Debüt und machte sofort auf sich aufmerksam. Sein abgefälschter Abschluss ging am langen Pfosten vorbei. In der Folge tauchte er etwas ab. Sein Abschluss in der Schlussphase ging knapp vorbei (88.). SPORT1-Note: 4
JONATHAN BURKARDT (ab 76.): Kam für den enttäuschenden Woltemade in die Partie. Ließ sich häufig fallen und arbeitete fleißig gegen den Ball. SPORT1-Note: Ohne Bewertung
MIKA BAUR (ab 76.): Kam als 1000. DFB-Profi zu seinem Länderspieldebüt. Deutete an, was Klopp in ihm sieht: Ball- und passsicher. Sehr giftig in der Arbeit gegen den Ball. SPORT1-Note: Ohne Bewertung
BAMBASE CONTÈ (ab 76.): Kam für den überragenden Bischof in die Partie. War sofort in das deutsche Spiel eingebunden und versuchte viel. SPORT1-Note: Ohne Bewertung
VITALY JANELT (ab 88.): Kam spät zu seinem Länderspieldebüt. SPORT1-Note: Ohne Bewertung