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Bayer Leverkusen: "Ein Jahr lang gekämpft" - emotionales Comeback von Schick

Ein erlösendes Comeback

Seit Anfang März konnte Patrik Schick verletzungsbedingt kein Spiel mehr absolvieren. Doch nun findet die ewige Odyssee des tschechischen Nationalstürmers ein Ende.
Trainer Xabi Alonso spricht nach dem Arbeitssieg gegen Wolfsburg über die Titelchancen der Werkself in dieser Saison.
Seit Anfang März konnte Patrik Schick verletzungsbedingt kein Spiel mehr absolvieren. Doch nun findet die ewige Odyssee des tschechischen Nationalstürmers ein Ende.

Aus dem Feiern kommt Bayer Leverkusen dieser Tage gar nicht mehr raus. Sind die Rheinländer doch auch international voll im Soll, vermöbelten am Donnerstag in der Europa League den engsten Verfolger Qarabag Agdam (5:1) gnadenlos. Für den emotionalsten, lautesten Moment des Abends sorgte aber nicht etwa einer der teilweise grandios herausgespielten Treffer, sondern die sehnsüchtig erwartete Einwechslung von Patrik Schick.

Um exakt 22:18 Uhr war es soweit. Leicht sentimental schaute der Tscheche in der BayArena umher, nahm die finalen Worte von Trainer Xabi Alonso entgegen, da setzte schon Jubel ein. Und als der Mann mit der Rückennummer „14″ endlich auf den Rasen lief, erhöhte sich der Geräuschpegel noch einmal - von überall erschollen Schick-Rufe. Er kam für Victor Boniface in die Begegnung, ein erlösendes Comeback nach monatelanger Verletzungspause.

Die lautstarke Begrüßung der Fans habe sich „wie ein Tor angefühlt“, sagte Schick anschließend und ließ einen Einblick in seine Gefühlswelt zu. „Dafür habe ich so lange gekämpft. Das war die Belohnung für all die harte Arbeit. Der Empfang war sehr schön. Ich habe damit nicht gerechnet, deshalb möchte ich mich bedanken“. Es war sein erster Einsatz nach schier endlos wirkenden 231 Tagen.

Kurz nach dem Schlusspfiff erlebte der Rückkehrer gar noch einen zweiten Gänsehaut-Moment. Da hatte der Bayer-Anhang sein siegreiches Team soeben im Kollektiv gefeiert, ehe sie ihn nochmal separat zurückbeorderten. Alleine stand Schick einige Sekunden am Elfmeterpunkt, wurde erneut mit ausgiebigen Sprechchören bedacht.

Monatelange Leidenszeit von Schick

Zur Erinnerung: Im Oktober 2022 zog sich Schick beim Torschusstraining eine damals nicht näher definierte Leistenverletzung zu - der Beginn einer einjährigen Odyssee. Zunächst probierte der 27-Jährige, das Problem mit konservativen Behandlungsmethoden in den Griff zu bekommen. Doch dieser Ansatz schlug wie gelegentliche Comeback-Versuche im Februar und März fehl.

Eifrig suchte der Torjäger nach einer Lösung und klapperte zahlreiche Spezialisten ab, trotzdem entwickelte er sich im Laufe der Zeit immer mehr zu einem medizinischen Rätsel. Exakt diagnostizieren ließen sich die Leiden nicht. Schick, der in der Saison 2021/22 mit 24 Treffern zweitbester Bundesliga-Torschütze wurde, verpasste insgesamt 35 Pflichtspiele und sprach über „die schwierigsten Momente“ seiner Karriere. Letztlich folgte der Entschluss, die Verletzung operativ zu beheben, erst in der Sommerpause.

Nach Monaten der so belastenden Ungewissheit gab es endlich gute Nachrichten: Der Eingriff an den rechten Adduktoren war ein Erfolg. Seitdem geht es für Schick stetig bergauf - mit dem vorläufigen Höhepunkt in der Europa League. Zufrieden gab Schick zu Protokoll: „Ich genieße den Abend, weil ich keine Schmerzen mehr habe.“

Schick: „Weiß, dass ich noch viel zu tun habe“

Auf diesen Tag habe Schick „lange hingefiebert, viel dafür gearbeitet“, betonte Sportdirektor Simon Rolfes und ergänzte: „Deswegen freut es mich sehr, dass er heute nicht nur ein paar Minuten, sondern eine ganze Strecke spielen konnte. Es ist wichtig, das Gefühl für das Spiel und bestimmte Situationen zu bekommen. Das tut seiner Seele gut, aber auch seinem Körper.“

Dennoch brauche es „ein bisschen Geduld“, bis Schick wieder ganz der Alte ist und die vollkommene Spielfitness erlangt, wie Rolfes sofort klarstellte. Seine ersten 30 Einsatzminuten seit Ende März setzten ihm schließlich unerwartet zu. Das bestätigte er selbst: „Es war hart. Die Minuten auf dem Feld sind nicht dasselbe wie im Training. Jetzt weiß ich, dass ich noch viel zu tun habe und weiter arbeiten muss.“

Auch Alonso wusste: „Nach so einer langen Verletzung ist das erste Spiel immer das Härteste.“ Der Spanier hatte gar den Eindruck, dass Schick eher „etwas unzufrieden“ sei, weil er „natürlich einen Treffer machen wollte. Aber ich bin sehr froh, dass er zurück ist.“ Angesichts seiner Fähigkeiten sei das Toreschießen nur eine Frage der Zeit: „Seine größte Qualität liegt im Strafraum. Er ist stark mit dem Kopf, und mit seinem linken Fuß. Sein erster Kontakt ist sehr gut.“

„Ich habe ihn viele Tore schießen sehen, und er wird sicher wieder Tore schießen, jetzt, wo er zurück ist“, sagte Alonso. Vielleicht klappt das schon am Sonntag, wenn Leverkusen im Liga-Alltag auf den SC Freiburg (ab 17.30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) trifft. Der Hunger bei Schick ist jedenfalls groß.