München - Gabriel Omar Batistuta war über Jahre das Gesicht des argentinischen Fußballs.
"Manuel Neuer ist beängstigend"
In 78 Länderspielen erzielte der heute 45-Jährige 56 Tore und ist damit der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte der Albiceleste.
Aus diesem Grunde bekam er den Spitznamen "Batigol".
Batistuta nahm an drei Weltmeisterschaften teil: 1994, 1998 und 2002. 2002 beendete Batistuta seine Karriere in der Nationalmannschaft, spielte aber noch bis 2005 aktiv Fußball.
Natürlich fiebert der ehemalige Stürmer dem Anpfiff des WM-Finales zwischen Deutschland und Argentinien (So., ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) entgegen.
Vor dem Duell spricht Batistuta im -Interview über die Albiceleste, ihren Coach Alejandro Sabella, die DFB-Elf - und schwärmt von Manuel Neuer.
Herr Batistuta, sind Sie schon aufgeregt vor dem Finale?
Noch nicht (lacht). Das Kribbeln kommt bei mir immer erst kurz vorher, das war als Spieler auch so. Ich freue mich sehr, dass Argentinien im Finale steht. Die Nationalmannschaft macht gerade wieder viel Freude. Es waren keine leichten Jahre. Unser ganzes Land steht hinter dem Team und drückt die Daumen, dass der große Traum vom Titelgewinn seit 1986 wahr wird. Vor dem Turnier hatten wir alle die Hoffnung, dass etwas großes gelingen kann, aber jetzt ist die Gewissheit da und die Freude umso größer, dass etwas Phantastisches dabei rauskommt.
Was macht die Nationalmannschaft gerade aus?
Die Mannschaft hat sich diesen großartigen Erfolg absolut verdient. Die Leistung der Jungs wurde bei diesem Turnier von Spiel zu Spiel besser, man tritt als geschlossene Gruppe auf. Die Jungs stellen für dieses Ziel alles hinten an. Früher war Argentinien gerne mal etwas hochnäsig und erfolgsverwöhnt, aber jetzt wird sehr konzentriert gearbeitet und ich habe den Eindruck, dass der Siegeswille noch stärker ist als früher.
Ein Verdienst von Trainer Alejandro Sabella?
Ganz sicher ist er das Gesicht des Erfolgs. Vor allem unsere Defensive hat sich unter ihm ganz stark verbessert. Man steht sicher und souverän und es herrscht hinten drin absolut Ordnung. Da werden keine verrückten Dinge gemacht, es wird konsequent gespielt und aus diesem geschlossenen Abwehrverhalten das Spiel aufgebaut. Das sieht gut aus, weil die gesamte Abwehr einfach sicher steht. Es wirkt alles viel geordneter als früher. Bei der WM 2010 liefen die Spieler oft wild durcheinander. Sabella hat jetzt Ordnung und Struktur reingebracht. (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)
Nach vorne verlässt man sich aber zu sehr auf Messi, oder?
Leider ja. Offensiv ist das manchmal etwas schwierig, weil alles zu sehr auf Lionel Messi abgelegt wird, doch das ist nicht gut. Er steht zwar für die besonderen Momente, aber es darf nicht alles auf seine Schultern gelegt werden. Auch Higuain stand zuletzt oft alleine herum. Die Souveränität in der Abwehr sollte auch im Spiel nach vorne stattfinden.
Die Stürmer der Gegner verzweifeln bei dieser WM am deutschen Torwart Manuel Neuer. Ist er der große Erfolgsgarant der Deutschen?
Mit Sicherheit. Das, was ich von ihm in den vergangenen Jahren der Bundesliga gesehen habe und jetzt bei der WM, hat mich absolut überzeugt. Er strahlt eine Ruhe aus, die beängstigend ist. Er ist eine Waffe der deutschen Mannschaft und hat sein Team mit tollen Paraden vor einer Niederlage bewahrt, wenn ich da nur an das Spiel gegen Ghana denke. Neuer spielt seine zweite WM und zeigt, dass er ein ganz großer Torwart ist. (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)
Oft wird vom Respekt vor dem Gegner gesprochen. Wie groß ist der Respekt vor der deutschen Mannschaft?
Die Deutschen waren immer sehr stark, wenn sie an einem Turnier teilgenommen haben. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass du einen deutschen Spieler nachts hättest wecken- und zu einem Turnier schicken können und er hätte funktioniert (lacht). Die Geilheit auf den Turniersieg spürst du bei den Deutschen in Brasilien noch mehr als bei den letzten Turnieren. Wenn sie nicht gegen Argentinien spielen würden, dann würde ich Deutschland als absolut sicheren neuen Weltmeister nennen.
Aber es geht ja nun gegen Ihr Land.
Eben und deshalb wird es eine besondere Situation. Es wird ein würdiges Finale. Deutschland hat im Halbfinale gegen Brasilien brillant gespielt, aber ich glaube so eine Leistung bringst du nur ein Mal auf dem Platz zustande. Gegen Argentinien wird das wieder ein ganz neues Spiel und da sollte man vorsichtig sein, bevor man nur dieses 7:1 vor Augen hat. Unsere Mannschaft wird absolut konzentriert in das Spiel gehen mit dem Ziel vor Augen die weltbeste Mannschaft zu werden. Messi hat ja schon gesagt wie wichtig dieser Titel für ihn wäre. So denkt jeder in der Nationalmannschaft. (BERICHT: Finale! DFB-Team schreibt Geschichte)
Mit Tipps ist das immer so eine Sache. Wollen Sie trotzdem einen abgeben?
Aber gerne. Ich denke, dass Argentinien in der regulären Spielzeit das Ding für sich entscheiden wird. Es wird ein knapper Sieg. Und am Ende können die Jungs diesen schönen Pokal in den Händen halten. Es wäre die Krönung für die tolle Arbeit von Sabella.