Ein Millionär in der Regionalliga

Ein Millionär in der Regionalliga

Holger Badstuber spielt beim VfB Stuttgart keine Rolle mehr und wird in die Regionalliga degradiert. Ans Aufgeben denkt er dennoch nicht.
Ist sie die neue Frau an der Seite von Holger Badstuber? Offenbar ist TV-Star Cheyenne Pahde jetzt "Alles, was zählt" für den Ex-Nationalspieler.
Dieser TV-Star verdreht Badstuber den Kopf
01:02
Maximilian Schwoch
von M. Schwoch
am 26. Dez

Wie unterschiedlich Karrieren doch verlaufen können.

Im März 2009 debütierte Thomas Müller für den FC Bayern München, fünf Monate später zog Holger Badstuber nach. Beide Profis reiften unter Louis van Gaal gemeinsam zu Stammspielern beim Rekordmeister, wurden 2010 mit der deutschen Nationalmannschaft WM-Dritter in Südafrika.

Elf Jahre später könnten die Gegebenheiten kaum unterschiedlicher sein. Während Müller seit der vergangenen Saison seinen x-ten Frühling erlebt und als Leistungsträger des Teams von Hansi Flick sein zweites Triple gewann, ist es um Badstuber still geworden. Der 31-Jährige spielt weiter Fußball, aktuell aber nur noch in der Regionalliga Südwest. Dort tritt er für die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart gegen den Ball.

Verletzungspech bleibt Badstuber treu

Wie konnte es soweit kommen? Wenn man einen Blick auf die Karriere des Innenverteidigers wirft, findet man unweigerlich eine Konstante, die den Linksfuß über große Strecken begleitet hat – das Verletzungspech.

Vor allem während seiner Zeit in München verhinderten teils langwierige Verletzungen, dass Badstuber das von vielen Experten prognostizierte Weltklasseniveau erreichte. Schambeinreizung, Kreuzbandriss, Sehnenriss, Oberschenkelmuskelriss - die Krankenakte des gebürtigen Memmingers ist lang. Über 200 Spiele verpasste Badstuber, wegen eines Kreuzbandrisses verpasste er unter anderem die komplette Spielzeit 2013/14. Auch beim Erreichen des Triples 2013 war er nur Zuschauer. Sein Körper schien den Anforderungen des modernen Profi-Fußballs nicht standhalten zu können.

Durch seine immer wiederkehrenden Beschwerden verlor Badstuber beim Rekordmeister nach und nach den Anschluss. Nachdem er schon in der Rückrunde der Saison 2016/17 an Schalke 04 verliehen wurde, war am Ende der Saison Schluss in München, Badstuber ging ablösefrei zum VfB Stuttgart. Der Verein, aus dessen Jugend er einst nach München gewechselt war.

"Niemand sollte seine Wurzeln vergessen, und auch ich habe das nie getan. Der VfB war und ist etwas Besonderes für mich und hat mich emotional sofort wieder gepackt. Die Region, die Fans, die Aufbruchstimmung. Ich kann es kaum erwarten, hier voll anzugreifen", erklärte Badstuber nach seinem Wechsel zu den Schwaben.

Stuttgart überrascht unter Korkut

Und der Gang zum damaligen Bundesliga-Aufsteiger schien der richtige Schritt zu sein. Badstuber spielte sich – trotz einiger erneuter Verletzungsprobleme – in der Innenverteidigung des VfB fest. Nach schwacher Hinrunde spielten die Stuttgarter unter Tayfun Korkut eine starke Rückserie, die sie auch aufgrund einer starken Defensive (nur 15 Gegentore in der Rückserie) um ein Haar ins internationale Geschäft geführt hätte.

Doch in der Folgesaison war die Euphorie verflogen, Stuttgart verlor das Relegations-Duell gegen Union Berlin und stieg erneut ab. Badstuber kam in dieser Saison – auch verletzungsbedingt – nur auf 12 Einsätze. Doch den Schwaben gelang der erneute Wiederaufstieg – und Badstuber trug seinen Teil dazu bei, auch wenn er nur rund 50 Prozent der Spiele absolvierte.

Aber schon im Endspurt der Saison spielte Badstuber keine Rolle mehr. Nach der 1:2-Niederlage beim Karlsruher SC soll er laut Bild intern seinen Unmut über sein ständiges Pendeln zwischen Startelf und Bank geäußert haben. Die Folge dieser Kritik: Badstuber spielte in den restlichen drei Partien keine Minute mehr.

Badstuber zur Reserve abgeschoben

Vor der aktuellen Spielzeit folgte der Schock: Der VfB setzte auf jüngere Spieler, Badstuber wurde in de Regionalliga-Mannschaft abgeschoben. "Diese Entscheidung, die einzig und allein sportliche Gründe hat, haben wir Holger in einem offenen Gespräch mitgeteilt", erklärte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat.

Die Entscheidung der Verantwortlichen dürfte auch nicht ohne finanzielle Hintergedanken getroffen worden sein. Denn Badstuber (Vertrag bis 2021) zählt mit geschätzten 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt zu den absoluten Spitzenverdienern in Stuttgart, in der Regionalliga kann man von so einem Salär normalerweise nur träumen. Die Schwaben hätten Badstuber liebend gern abgegeben, die Degradierung sollte den einstigen Nationalspieler offenbar zu einem vorzeitigen Vereinswechsel animieren. Laut Bild soll ihm sogar eine Abfindung von 1,5 Millionen Euro geboten worden sein.

Doch Badstuber betonte, seinen Vertrag erfüllen zu wollen. Und er nahm seine neue Rolle direkt an. "Sicherlich würde ich gerne in der Bundesliga mitmischen. Aber Fakt ist: So ist die Situation für mich und jetzt mache ich das Beste daraus", erklärte er Anfang Dezember in einem Instagram-Talk dem BR.

Badstuber gibt nicht auf

Den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für Badstuber nicht in Frage. Das lässt er auch seine Instagram-Follower spüren. "Ich habe nicht aufgegeben, ich gebe nicht auf, ich werde auch nicht aufgeben", war eine der Nachrichten, die er an seine Anhänger richtete.

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Statt Bayern, Dortmund oder Leipzig heißen die Gegner in dieser Saison Aalen, Bahlinger SC oder Homburg. Und auch in der vierten Liga musste Badstuber wieder einmal einen Rückschlag verkraften. Aufgrund der Corona-Pandemie setzte sie im November aus.

Anfang Dezember nahm die Liga den Spielbetrieb wieder auf, Badstuber stand beim 0:0 gegen den FK Pirmasens die kompletten 90 Minuten an der Seite seiner meist deutlich jüngeren Teamkollegen auf dem Feld. Auch zwei Tage vor Heiligabend stand er beim 3:0-Auswärtserfolg bei der SG Sonnenhof Großaspach seinen Mann.

Ans Aufhören denkt der ehemalige Bayern-Spieler trotz der aktuell schwierigen Situation nicht. "31 ist kein Alter, ich fühle mich besser, wie mit 20", erklärte er und ergänzte: "Ich habe Lust mich zu verausgaben und will das Bestmögliche herausholen." Er achte inzwischen deutlich besser auf seinen Körper. "Ich verzichte möglichst auf Zucker, dann ist der Stoffwechsel besser."

Trotz seiner prekären Lage lässt sich Badstuber zu keinem Zeitpunkt hängen und gibt jederzeit 100 Prozent. Denn Fußball ist sein Leben. "Das ist eben mein Weg und meine spezielle Karriere. Und das ist vielleicht auch der Holger Badstuber, an den man sich am Ende erinnert."