Julian Nagelsmann wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. Und das ist selten, denn normalerweise hat der Bundestrainer immer eine eigene Meinung und etwas zu sagen. Beim brisanten Thema Karim Adeyemi hielt sich aber sogar der 38-Jährige zurück, versicherte allerdings, dass Rudi Völler und auch er mit dem Spieler gesprochen hätten.
WM-Qualifikation: Diese Konsequenzen drohen Karim Adeyemi
Diese Konsequenzen drohen Adeyemi
„Das Thema ist ein bisschen zu groß“, so Nagelsmann zum Wirbel um den BVB-Star, der aufgrund von illegalem Waffenbesitz für Störgeräusche abseits des Platzes gesorgt hatte. Eine genaue Aufarbeitung soll erst nach dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei (20.45 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) erfolgen.
Doch welche Konsequenzen hat Adeyemi zu befürchten? Darüber diskutieren BVB-Reporter Oliver Müller und SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer in einer neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Dortmund-Woche“.
Der Beginn der Ermittlungen liegt bereits über ein Jahr zurück. Sie sollen bis in die Zeit der Heim-EM zurückreichen. „Mit der Nicht-Nominierung bei der EM hat das aber nichts zu tun. Der DFB hat erst kurzfristig von dem Strafbefehl erfahren“, erklärt Sedlbauer und weiter: „Hätte der Verband früher Wind davon bekommen, hätten sie ihn nicht für diese Abstellungsperiode nominiert. Zu sportlich brisant ist die aktuelle Situationen. Derartige Themen kannst du da nicht gebrauchen.“
Kein Startelf-Einsatz für Adeyemi
Direkte Folgen soll es laut dem SPORT1-Reporter vorerst aber nicht geben. „Adeyemi wird am Abend nicht in der Startelf stehen. Das hat aber erstmal nichts mit dem Strafbefehl zu tun. Allerdings darf man davon ausgehen, dass Nagelsmann, wenn es irgendwie möglich ist, auf eine Einwechslung verzichten wird.“ Voraussetzung dafür ist laut Sedlbauer aber ein ungefährdeter Sieg.
Denn bei einem Einsatz von Adeyemi liefe man Gefahr, dessen aktuelle Situation erneut zu einem großen Thema zu machen. Nicht auszumalen, wenn ausgerechnet Adeyemi ein entscheidender Fehler unterlaufen würde. Sollte es spitz auf Knopf stehen und Nagelsmann alles riskieren müssen, wird er aber vermutlich nur schwer an Adeyemi vorbeikommen.
„Du musst den Spieler an seine Vorbildfunktion erinnern“
Fakt ist: Borussia Dortmund ist Adeyemis Arbeitgeber. Deshalb geht Müller davon aus, dass es zumindest intern eine Zurechtweisung geben kann. „Als Spieler verpflichtest du dich auch zu einem Wertekodex.“ Ein Strafbefehl wegen illegalen Waffenbesitzes ist sicher kein Teil davon. Müller: „Adeyemi repräsentiert den Verein. Deshalb kannst du jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Du musst den Spieler nachhaltig an seine Vorbildfunktion erinnern.“
Die Frage ist: Wann wusste der BVB vom Vorfall? „Es ist seine Privatsache, also hat Adeyemi auch keine Pflicht, es dem Arbeitgeber mitzuteilen“, sagt Sedlbauer.
Adeyemi ist am Wochenende Teil des BVB-Kaders
Adeyemis Anwalt erklärte den Waffenbesitz indirekt mit einer über TikTok bestellten „Mystery Box“. „Das klingt für mich nach einer ganz schlechten Ausrede“, schätzt Sedlbauer, der allerdings nicht weiter mutmaßen wollte. Laut Müller hätten bei dem Spieler „alle Alarmglücken“ schrillen müssen. „Es ist illegal. Also lässt man die Finger davon.“
Welche Konsequenzen drohen Adeyemi also nun beim BVB? Sportlich gesehen erstmal keine. „Er wird auch am Wochenende gegen den VfB Stuttgart im Spieltagskader stehen“, weiß Sedlbauer.
Intern wird aktuell intensiv beraten, wie man mit der Sache umgehen soll - sowohl beim BVB als auch in der deutschen Fußballnationalmannschaft. Beim DFB aber erst nach dem entscheidenden Spiel gegen die Slowakei.