Mit Disziplin, Konstanz und einem beeindruckend positiven Mindset hat sich Handballprofi Sebastian Firnhaber eindrucksvoll zurückgekämpft. Nach einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle steht der 32-Jährige seit Anfang März 2026 wieder für den HC Erlangen in der Handball-Bundesliga auf der Platte. Hinter ihm liegen drei intensive Reha-Jahre, inklusive vieler Rückschläge – und insgesamt sechs Operationen am linken Knie.
Das ewige Leiden hat ein Ende
Zwar sind Kreuzbandverletzungen im Handball keine Seltenheit und bedeuten meist monatelange Ausfallzeiten. Doch Firnhabers Leidensweg ging weit darüber hinaus. Im Dezember 2023 hatte sich der Kreisläufer in einem Bundesligaspiel das Kreuzband gerissen sowie eine Innenmeniskusverletzung zugezogen, was gleichzeitig seine Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Heim-EM 2024 zunichte machte.
Ein Bluterguss musste operativ entfernt werden, später zeigte eine MRT-Untersuchung Probleme mit dem eingesetzten Kreuzband. Nach weiteren Untersuchungen stand fest: eine erneute Operation im November 2024 ist unumgänglich – das Kreuzband hatte sich aufgelöst, der gesamte Fortschritt war zunichte.
Ex-Nationalspieler musste bei Null starten
Trotz dieses Rückschlags kämpfte sich der Firnhaber, der auf elf Länderspiele für Deutschland kommt, Schritt für Schritt zurück. Im Sommer 2025 nahm er mit Erlangen wieder an der Saisonvorbereitung teil und wurde langsam an den Wettkampfalltag herangeführt.
Im Oktober 2025 feierte der Rechtshänder nach knapp zwei Jahren und insgesamt fünf Operationen ein emotionales Comeback zum Saisonstart. Doch die Hoffnung währte nur kurz: Bereits zwei Wochen später folgte der nächste Rückschlag.
Diesmal betraf es zwar nicht das Kreuzband, sondern den Innenmeniskus am selben Knie – Operation Nummer sechs und ein weiterer kräftezehrender Reha-Prozess waren die Folge.
Firnhaber blieb stets positiv
Bei Instagram dokumentierte Firnhaber unter dem Hashtag „burningforcomeback“ seinen täglichen Kampf zurück auf das Spielfeld. Besonders bemerkenswert: Trotz aller Rückschläge verlor er nie seine positive Einstellung.
So schrieb er in einem Beitrag: „Es ist ein Privileg …verletzt zu sein …laufen zu lernen …eine zweite Chance zu bekommen …allen das Gegenteil zu beweisen.“
Große Unterstützung fand Firnhaber dabei vor allem in seinem engsten Umfeld und seiner Familie. Gerade diese Rückendeckung half ihm, aus jeder noch so schwierigen Situation neue Energie zu schöpfen.
Auch sein Bruder wurde von Verletzungen ausgebremst
In diesem Zusammenhang spielt auch die Geschichte seines jüngeren Bruders Lucas Firnhaber eine besondere Rolle – denn dieser musste nahezu zeitgleich eine schwere Verletzungsphase durchstehen.
Lucas Firnhaber verletzte sich im August 2022 bei der HSG Nordhorn-Lingen am Kreuzband und feierte im März 2023 sein erstes Comeback. Doch im November 2024 folgte der nächste Kreuzbandriss. Zwei Operationen waren notwendig, zudem verzögerte sich der Eingriff durch Komplikationen. Auch der Rückraumspieler musste wieder bei Null beginnen.
Die beiden Brüder teilten während dieser Zeit immer wieder gemeinsame Einblicke in ihre schweißtreibenden Reha-Einheiten und motivierten sich gegenseitig auf dem Weg zurück.
Lange Leidenszeit mit Happy End
Für die Firnhabers zahlte sich der unermüdliche Einsatz schließlich aus: Anfang März 2026 feierte zunächst Sebastian sein Comeback und traf vor heimischer Kulisse beim Bundesligaspiel gegen den TSV GWD Minden zum zwischenzeitlichen 22:18 (Endstand: 30:27).
Zum Abschluss des emotionalen Kapitels kam es nur wenige Tage später, als auch Bruder Lucas aufs Handballfeld zurückkehrte. Nach 15 Monaten und insgesamt 478 Tagen feierte er sein Comeback beim Drittligisten ASV Hamm-Westfalen, der aktuell um den Wiederaufstieg in die zweite Liga kämpft.
So steht die Geschichte der Firnhaber-Brüder sinnbildlich für außergewöhnliches Durchhaltevermögen im Leistungssport. Trotz jahrelanger Rückschläge und mehrfacher Operationen haben sich beide mit harter Arbeit und gegenseitiger Unterstützung zurückgekämpft – und bewiesen, dass selbst die härtesten Phasen in einem erfolgreichen Comeback münden können.