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Sensationelles Pokal-Aus für Kiel

Sensationelles Pokal-Aus für Kiel

Zur Pause liegt Topfavorit THW Kiel im Halbfinale des DHB-Pokals klar in Führung. Doch dann dreht der TBV Lemgo Lippe auf und verdirbt Kiel den Traum vom Triple.
Hendrik Pekeler und Co. verspielten eine klare Führung gegen Lemgo
Hendrik Pekeler und Co. verspielten eine klare Führung gegen Lemgo
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SID
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von SID

Die turmhohen Favoriten des THW Kiel schlichen mit hängenden Köpfen vom Feld, auf der anderen Seite tanzten die Sensationssieger des TBV Lemgo Lippe.

Nach einem Leistungseinbruch in der zweiten Halbzeit haben die Kieler Rekordsieger völlig überraschend das Endspiel des DHB-Pokals verpasst. Lemgo Lippe darf nach dem 29:28 (11:18) vor 1600 Zuschauern von seinem vierten Titel träumen. (DHB-Pokal: Spielplan und Ergebnisse)

Der Bundesliga-Elfte spielt im Endspiel am Freitag (17.30 Uhr) gegen die MT Melsungen um den Titel. Melsungen um Nationalspieler Julius Kühn, der mit sieben Toren bester Werfer seines Teams war, setzte sich im ebenfalls lange umkämpften zweiten Halbfinale gegen die TSV Hannover-Burgdorf 27:24 (14:10) durch.

Für Kieler ist indes der Traum vom 2020er-Triple aus Meisterschaft, Champions-League-Sieg und Pokalsieg ausgeträumt. "Wir haben unsere Leistung in der zweiten Hälfte nicht gebracht", sagte THW-Trainer Filip Jicha bei Sky: "Wir haben unbewusst angefangen, ein bisschen zu sparen. Wenn du nicht über 60 Minuten Leistung bringst, dann verlierst du."

Kehrmann jubelt: "Wir waren zur Halbzeit schon tot"

Sein Gegenüber konnte sein Glück kaum fassen: "Wir waren für jeden in Handball-Deutschland zur Halbzeit schon tot, dann ist es nach und nach einfach passiert", sagte TBV-Coach Florian Kehrmann. Seine Mannschaft hatte die vergangenen sieben Partien gegen Titelverteidiger Kiel allesamt verloren und greift nun nach 19 Jahren erstmals wieder nach dem Pokal.

Neun Sekunden vor Schluss wurde der im zweiten Durchgang wie die gesamte Lemgoer Mannschaft überragende Torhüter Peter Johannesson zum Matchwinner. Der Schwede lenkte Harald Reinkinds Wurf aus dem Rückraum an die Latte und machte damit die große Überraschung perfekt. "Wir hatten nach der Pause nichts zu verlieren", sagte Johannesson: "Für solche Momente trainiert man sieben-, achtmal pro Woche." 

Bjarki Mar Elisson und Bobby Schagen waren mit je sechs Treffern die besten Schützen des Außenseiters, der nach dem Seitenwechsel wie verwandelt auftrat und den Favoriten nicht unverdient zu Fall brachte. Im Endspiel am Freitag (17.30 Uhr) kämpft der Bundesliga-Elfte gegen die TSV Hannover-Burgdorf oder die MT Melsungen um seinen vierten Pokalsieg. Das zweite Halbfinale findet am Donnerstagabend (19.30 Uhr) statt.

Kiel verspielt klare Halbzeit-Führung

Nach einer holprigen Anfangsphase setzte sich der Favorit dank mehrerer schneller Gegenstöße in Folge erstmals auf vier Tore ab (9:5). Auch danach bestraften die Kieler fast jeden Abspielfehler des Gegners konsequent und trafen immer wieder ins leere Tor. Bis zur Pause baute der Titelverteidiger seine Führung so aus.

Eine Vorentscheidung war das aber nicht - im Gegenteil: Der Außenseiter kam stark verbessert aus der Kabine und erzielte drei Treffer in Folge. Danach zog Kiel zunächst wieder davon, wurde allerdings ebenso schnell nachlässig. Gedeon Guardiola verkürzte eine Viertelstunde vor dem Ende mit zwei Treffern in Folge auf 22:24 und sorgte erstmals für Spannung. Der Isländer Bjarki Mar Elisson glich per Siebenmeter zum 27:27 aus (54.) und erzielte zwei Minuten später die umjubelte Führung, die Lemgo Lippe mit Glück und Geschick über die Zeit rettete.

Nach zuvor drei Verschiebungen wird in der Barclaycard-Arena der Pokalsieger der Saison 2019/20 ermittelt. An beiden Spieltagen sind in der Halle bis zu 2000 Zuschauer zugelassen, 400 Plätze davon wurden am Donnerstag nicht besetzt. Die vielen freien Stühle wurden mit Pappkameraden aufgefüllt.

Vor dem Anpfiff hatte Jicha noch vor Lemgo Lippe gewarnt: "Das wird für sie ein historisches Spiel und da müssen wir mit allem, was wir haben, dagegenhalten. Die Spiele der letzten Wochen spielen überhaupt keine Rolle, das wird ein ganz anderes Spiel", sagte er bei Sky: "Den Pokal wird die Mannschaft holen, die zweimal an die Leistungsgrenze geht." Der Außenseiter bestätigte seine Einschätzung im zweiten Durchgang eindrucksvoll und ist nur noch einen Schritt vom Titel entfernt.

Stenogramme:

TBV Lemgo Lippe - THW Kiel 29:28 (11:18)
Tore: Elisson (6/3), Schagen (6), G. Guardiola (3), Carlsbogard (3), Kogut (2), Theuerkauf (2), I. Guardiola (2), Cederholm (2), Baijens (2), Simak (1) für Lemgo - Pekeler (6), Ekberg (6/1), Duvnjak (4), Weinhold (4), Sagosen (3), Zarabec (2), Reinkind (2), Erig (1) für Kiel
Zuschauer: 1600

MT Melsungen - TSV Hannover-Burgdorf 27:24 (14:10)
Tore: Kühn (7), Reichmann (4/4), Kastening (4), Pavlovic (4), Häfner (4), Danner (2), Maric (2) für Melsungen - Martinovic (8/4), Kuzmanovski (3), Hansen (3/1), Hanne (3), Pevnov (2), Büchner (2), Feise (1), Mavers (1), Böhm (1) für Hannover
Zuschauer: 1600