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Handball-EM: Gislason mit mehreren Debütanten nach Absagenflut - Christian Schwarzer schlägt Alarm

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Handball-EM: Gislason mit mehreren Debütanten nach Absagenflut - Christian Schwarzer schlägt Alarm

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EM-Absagen: Handball-Ikone schlägt Alarm

EM-Absagen: Handball-Ikone schlägt Alarm

Die Absagenflut etlicher Stars für die Handball-EM sorgt für Misstöne beim DHB. Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer kann die Kritik der Offiziellen nicht gutheißen.
Im Freundschaftsspiel gegen Portugal kam es für das neugeformte DHB-Team von Alfred Gislason zum echten Härtetest. Gegen Portugal setzte man sich am Ende mit 30:28 durch.
. SPORT1
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Die deutschen Handballer starten nicht nur mit einem blutjungen Team in die EM in der Slowakei und in Ungarn (13. bis 30. Januar), sondern auch mit zahlreichen Newcomern.

Bundestrainer Alfred Gislason nominierte nicht weniger als neun Turnier-Debütanten. Mit dem 21 Jahre alten Julian Köster vom VfL Gummersbach wurde sogar ein Zweitliga-Profi berufen. (Handball-EM: Der Spielplan)

DHB-Sportvorstand Axel Kromer hob die gute Mischung aus „durchweg gnadenlos motivierten Spielern“ hervor, forcierte aber die Diskussion über den sinkenden Stellenwert der DHB-Auswahl.

„Wir ärgern uns darüber, dass einige Nationalspieler ihre Karriere aus unterschiedlichsten Gründen nicht so konstant im Nationalteam sehen, wie es in anderen Nationen der Fall ist“, sagte Kromer: „Das ist eine Sache, die uns nicht gefällt.“

Schwarzer versteht Kritik nicht

Christian Schwarzer hat für die Kritik wenig Verständnis. „Ob sich dazu von den Offiziellen wieder jemand äußern muss, sei mal dahingestellt. Ich finde es müßig. Das sind Entscheidungen der Spieler, die aus den unterschiedlichsten Gründen getroffen werden. Man sollte das so akzeptieren. Alles andere sollte man vielleicht einfach mal nicht kommentieren“, machte der frühere Nationalspieler bei SPORT1 deutlich.

Für den 52-Jährigen „war es immer das Größte, für Deutschland zu spielen, den Adler auf der Brust zu tragen, die Nationalhymne zu hören. Sonst hätte ich wahrscheinlich auch niemals so viele Länderspiele machen können.“

Es müsse wieder eine Euphorie für die Nationalmannschaft „entfacht werden, wie sie vielleicht 2007 und 2016 war. Da wollen wir wieder hinkommen“, sagte Kromer. Zuvor hatten nach dem freiwilligen Ausscheiden von Uwe Gensheimer und Steffen Weinhold im Spätsommer auch der ungeimpfte Juri Knorr, Paul Drux (Vorsichtsmaßnahme nach Knieverletzung), Fabian Wiede und Patrick Groetzki (beide familiäre Gründe) sowie Hendrik Pekeler (Nationalmannschaftspause) ihre EM-Teilnahme abgesagt.

Kapitän Uwe Gensheimer hat nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den Olympischen Sommerspielen seinen Rücktritt aus der deutschen Handball-Nationalmannschaft erklärt.
00:31
Handball-Beben: DHB verliert Gensheimer

Schwarzer: „Das wäre ein Armutszeugnis“

Doch ist die DHB-Auswahl keine Herzenssache mehr? Schwarzer erklärte: „Aus meiner Sicht wäre das sehr schlimm, wenn die Handball-Nationalmannschaft ihren Reiz verliert. Wenn das so sein sollte, dann müsste man eine ganze Generation hinterfragen. Ich spreche für mich und kann auch für andere Spieler wie Markus Baur oder Stefan Kretzschmar sprechen: Wir haben uns immer gefreut, uns bei den Lehrgängen zu treffen und diese Turniere zu spielen.“

Und weiter: „Wenn es wirklich so wäre, dass die Nationalmannschaft ihren Reiz verloren hätte, würde ich die Welt nicht mehr verstehen!“

Für den früheren Kreisläufer sei es auch keine Option, den Auswahlspielern mehr Geld zu zahlen. „Das wäre auch ein Armutszeugnis. Wir haben jahrelang keinen Cent bekommen. Wir hatten einmal als Prämie einen Gutschein für eine B-Trainer-Lizenz beim DHB. Für uns war es einfach eine Ehre, für unser Land zu spielen. Da war das Geld nicht wichtig.“

Schwarzer äußert sich zu Juri Knorr

Auch zur Causa Knorr äußerte sich Schwarzer. Der Hoffnungsträger des DHB-Teams war im November vergangenen Jahres symptomatisch an Corona erkrankt, gilt zwölf Monate danach aber nicht mehr als genesen.

Statt sich aber impfen zu lassen, vertraut er seit seiner Genesung auf eine regelmäßige Bestimmung seiner Antikörper sowie seiner Covid-19-spezifischen T-Zellen-Antwort.

„Man muss bei Juri Knorr die Geschichte betrachten. Er war positiv und hatte sehr starke Symptome. Zum Glück ist er mittlerweile wieder voll genesen“, sagte Schwarzer: „Er macht wohl auch Antikörpertests und sein Körper ist voll mit Antikörpern.“

Daher könne er nicht verstehen, dass ein Nachweis von Antikörpern bei der EM nicht ausreichend ist, um unter die 2G-Regelung zu fallen. Schwarzer betonte: „Ich ziehe den Hut vor Juri, dass er seine Entscheidung so trifft. Er wird seine Gründe dafür haben.“

Der Spielmacher werde dem DHB-Team natürlich fehlen, so Schwarzer. „Er hat in der Vergangenheit schon gezeigt, was für ein guter Nachwuchsspieler er ist.“

Schwarzer sieht Potenzial in jungen Spielern

Dennoch sieht Schwarzer auch in den neuen, jungen Spielern viel Potenzial: „Sie kennen es schon aus dem Juniorenbereich, für Deutschland zu spielen. Es ist also keine komplett neue Situation. Das sind alles Jungs, die Woche für Woche in der stärksten Liga der Welt zeigen, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Daher stehen sie auch zurecht in diesem Kader.“

Deutschland trifft in der Vorrunde auf Österreich, Belarus und Polen. Das seien laut Schwarzer zwar „keine Mannschaften, die in den letzten Jahren um die Top-Plätze bei großen Turnieren mitgespielt haben.“

Trotzdem hätten es alle drei Teams in der Vergangenheit geschafft, große Mannschaften zu ärgern. „Es ist daher nicht ganz ungefährlich, gerade weil wir eine sehr junge Mannschaft haben.“