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Wo das DHB-Team noch Weltklasse ist

Wo das DHB-Team noch Weltklasse ist

Das DHB-Team muss bei der WM in Ägypten auf etliche Spieler verzichten. Doch nicht nur die vorzeitige Qualifikation für die EM 2022 lässt hoffen.
Am 13. Januar startet die Weltmeisterschaft in Ägypten. Erstmals werden Teilnehmerfeld und Kadergröße aufgestockt. Auf Fans muss der DHB ebenso verzichten wie auf wichtige Spieler.
. SPORT1
von Fabian Schreiner
12.01.2021 | 08:37 Uhr

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft geht mit vielen unbekannten Gesichtern das WM-Abenteuer in Ägypten an (Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar im LIVETICKER). Auf der Torhüterposition stehen Bundestrainer Alfred Gislason mit Andreas Wolff, Johannes Bitter und Silvio Heinevetter allerdings drei bewährte Top-Kräfte zur Verfügung.

Wie schon bei den vergangenen Turnieren wird Wolff das DHB-Team als Nummer eins anführen, wie Gislason im Rahmen der Vorbereitung verkündete. "Generell ist Andi Wolff die '1A'-Lösung, gefolgt von Jogi Bitter als '1B' und Silvio Heinevetter als '1C'", sagte der 61-Jährige im SID-Interview. 

Der 29 Jahre alte Wolff zahlte das Vertrauen bereits bei den beiden Siegen in der EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich zurück.

Wolff muss über sich hinauswachsen

Wolff hielt überragend und glänzte mit etlichen Paraden. Will Deutschland bei der WM eine gute Rolle spielen, muss auch der Hüne wieder über sich hinauswachsen, denn ohne die Abwehr-Asse Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Finn Lemke ist der Schlussmann gefragter denn je.

Der Flensburger Johannes Golla und Erlangens Sebastian Firnhaber machten ihre Sache im ersten Spiel gegen Österreich allerdings überraschend gut. Auch Gislason blickt zuversichtlich nach vorne: "Wir haben sehr viel mit dem Innenblock Firnhaber und Golla trainiert. Das hat richtig gut funktioniert. Es geht vor allem darum, wer die beiden phasenweise ersetzen kann. Da haben wir mehrere Varianten versucht. Ich war angenehm überrascht", erklärte Gislason auf SPORT1-Nachfrage. (Spielplan der Handball-WM 2021)

"Wir haben es auch mit Fabian Böhm, Marian Michalczik und auch mit Christian Dissinger und Paul Drux probiert. Das lief ganz gut. Von daher müssen wir die 6:0 anders spielen als mit Pekeler und Wiencek oder Lemke, die größer und extrem erfahren sind. Aber es war bisher sehr gut."

Nichtsdestotrotz bleibt abzuwarten, ob diese Spieler auch gegen Top-Nationen dagegenhalten können. Daher braucht Deutschland mit Wolff einen großen sportlichen Rückhalt.

Bei der EM 2016 in Polen, als Deutschland sensationell Europameister wurde, ging der Stern von Wolff so richtig auf. Im Finale gegen Spanien kassierte Deutschland lediglich 17 Gegentore. Noch nie zuvor hatte sich eine Mannschaft in einem EM-Finale so wenig Tore gefangen.

Ein Garant für diesen Rekord damals war Wolff, der binnen zwei Wochen zu einem nationalen Helden wurde. 

Wolff stand seinerzeit noch bei der HSG Wetzlar unter Vertrag. Im Sommer 2016 wechselte er zum THW Kiel. Dort etablierte sich Wolff in der absoluten Weltklasse. Drei Jahre später zog es den gebürtigen Euskirchener in die polnische Liga zum Spitzenteam KS Kielce.

Auf Bitter und Heinevetter ist Verlass

Und nun ist Wolff bei der WM der große deutsche Hoffnungsträger.

Zudem hat Gislason mit Bitter und Heinevetter zwei weitere erfahrene und exzellente Torhüter dabei. Auf dieser Position ist Deutschland immer noch Weltklasse!

Dieser Meinung ist auch DHB-Sportvorstand Axel Kromer. "Mit diesem Torhüter-Trio müssen wir uns vor niemandem verstecken. Man sieht auch, dass das Miteinander hervorragend funktioniert mit der Routine, die alle haben. Ich erwarte, dass das Torhüter-Duell nicht allzu häufig an den Gegner geht", sagte er in einer digitalen Medienrunde auf SPORT1-Nachfrage. 

Kromer lobt deutsches Torhüter-Trio

"Wir haben in der Vorbereitung verschiedene Haltestile gesehen, Andi Wolff hat im zweiten Spiel gegen Österreich gezeigt, wie viel Feuer er in eine Mannschaft reinbringt. Heine (Anm. d. Redaktion: Silvio Heinevetter) hat einen anderen Stil, mit unglaublicher Schnelligkeit, sehr beeindruckend, wie er grad auf den Beinen ist. Über die Rolle von Jogi Bitter braucht man spätestens nach seinen Auftritten bei der WM kein Wort mehr verlieren", hatte Kramer für alle drei deutschen WM-Torhüter viel Lob parat.  

Bitter, der im vergangenen Jahr sein Comeback bei der Nationalmannschaft feierte, liefert, wenn man ihn braucht. Zudem ist der 38-Jährige vom TVB Stuttgart mit seiner Aura für die Kabine extrem wichtig.

Und Heinevetter? Der muss zu Beginn des Turniers erst einmal auf der Tribüne Platz nehmen. Bei der WM-Generalprobe gegen Österreich stand er für Bitter im Kader und durfte auch im zweiten Durchgang ran. Überzeugen konnte er Gislason jedoch nicht.

Die Rolle als Nummer drei gefällt dem mittlerweile 36-Jährigen natürlich gar nicht, doch sollte er im Verlauf der WM zum Einsatz kommen, kann sich Gislason auch auf ihn verlassen.

"Ich hoffe, dass die drei sehr gut miteinander funktionieren und ein Team im Team bilden werden. Die Leistung zählt immer, das ist klar", sagte Gislason dem SID.

Und weiter: "Das kann sehr gut funktionieren. Die deutschen Torhüter gehörten immer zu den besten, die es auf der Welt gibt. Sie sind alle drei mental so stark, dass sie fast im Alleingang die Spiele gewinnen können", ließ Gislason wissen. (Kader des DHB-Teams bei der Handball-WM 2021)

Gislason gefallen Wollfs Verbal-Attacken nicht

Doch statt sich voll und ganz auf die WM zu konzentrieren, muss sich der Isländer im Vorfeld noch mit Problemen abseits des Spielfeldes auseinandersetzen.

Wolff hatte am vergangenen Donnerstag deutlich seinen Unmut zum Corona-bedingten WM-Verzicht seiner ehemaligen Kieler Teamkollegen Wiencek, Pekeler und Steffen Weinhold zum Ausdruck gebracht.

"Ich kann verstehen, dass Spieler in der heutigen Zeit besorgt sind um ihre Gesundheit", sagte Wolff in einem Podcast der Rhein-Neckar Löwen. Gerade für Familienväter sei es etwas Schweres, die eigenen Kinder für einen Monat zurückzulassen. "Dass sie dieses Jahr das Turnier fahren lassen, nachdem sie selbst permanent in der Champions League aktiv waren, stört mich", fügte Wolff hinzu.

Dem sonst so ausgeglichenen Coach gefielen diese Verbal-Attacken natürlich ganz und gar nicht. In einer digitalen Medienrunde, an der auch SPORT1 teilnahm, sagte er: "Ich bin nicht zufrieden damit, dass diese Diskussion losgeht."

Trotz dieser Debatte scheint das DHB-Team den Fokus voll auf das Sportliche richten zu können - mit drei Torhütern der Extraklasse.