„Ich habe aus purem Herzen gejubelt“
Dieses Tor macht Deutschland zum Weltmeister
Hugo von Montgelas holt mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft den Weltmeister-Titel. Im exklusiven SPORT1-Interview blickt der 22-Jährige auf den Erfolg zurück und klärt auch auf, was es mit dem legendären Thomas-Müller-Spruch auf sich hat.
Hugo von Montgelas hat mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft den WM-Titel gewonnen. Für den gebürtigen Frankfurter ging beim großen Turnier im belgischen Wavre ein Traum in Erfüllung.
Im Turnierverlauf erzielte die Nummer 22 der Honamas auch sein erstes Länderspieltor – für ihn persönlich, aber auch für die Mannschaft von enormer Bedeutung. Aber was ging ihm in diesem Moment durch den Kopf?
Im exklusiven SPORT1-Interview spricht von Montgelas über die deutsche Erfolgsstory und die Feierlichkeiten und erklärt, wieso sein Teamkollege Michel Struthoff plötzlich den 2014er-Fußball-Weltmeister Thomas Müller zitierte.
Von Montgelas: „Ich war komplett leer, völlig kaputt“
SPORT1: Herzlichen Glückwunsch zum WM-Titel. Wie hat sich der Moment für Sie angefühlt und was ging Ihnen durch den Kopf?
Hugo von Montgelas: Ich habe vor dem Spiel schon so ein bisschen darüber nachgedacht, wie sich das so anfühlen könnte, und als abgepfiffen wurde, war ich einfach komplett leer, völlig kaputt. Um ehrlich zu sein, hatte ich fast gar keine Kraft, mich zu freuen. Ich hatte mir das eigentlich anders ausgemalt. In den letzten Tagen habe ich es dann etwas realisiert, aber direkt danach herrschte hauptsächlich Leere.
SPORT1: Sie haben mit Ihrem Teamkollegen Michel Struthoff bei Magenta ein Doppelinterview gegeben. Gegen Ende sagte Struthoff: „Weltmeister samma! Den Pott hamma!“ – so wie einst Thomas Müller beim Triumph der Fußballer 2014. War das geplant?
Von Montgelas: Wir sind ja schon mit der U21-Nationalmannschaft gemeinsam Weltmeister geworden. Damals meinte Michel zu mir, dass er das auch gerne mal sagen möchte, wenn wir zusammen Weltmeister werden. Er hat es anscheinend nicht vergessen. Das war schon witzig. Thomas Müller hat dann auch noch kommentiert (einen Instagram-Post; Anm. d. Red.). Das war schon richtig cool.
„Herrlich“: Dieses Tor kam genau zur rechten Zeit
SPORT1: Wir müssen natürlich auch über Ihr Tor sprechen – zum 4:2-Endstand gegen Australien. Ein schicker Treffer aus der Drehung und dann auch noch Ihr erstes Länderspieltor. Wie hat sich das angefühlt?
Von Montgelas: Das war schon sehr besonders. Ich konnte meine Emotionen nicht mehr kontrollieren, habe aus purem Herzen gejubelt. Ich habe mich einfach so sehr gefreut, auch weil das ein unglaublich wichtiges Spiel war – sonst wären wir wahrscheinlich gar nicht erst ins Halbfinale gekommen. Dass mein erstes Länderspieltor zur rechten Zeit kam, war einfach herrlich.
SPORT1: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt Sie als den „Zocker“ der Nationalmannschaft. Stimmt das denn?
Von Montgelas: Dahinter steckt ja auch immer viel Interpretationsspielraum. Ich spiele einfach sehr, sehr gerne Hockey und habe Spaß. Ich mache mir da nicht so viele Gedanken. Ich mache vieles intuitiv, vielleicht war das mit dem Zocker gemeint. Davon haben wir ein paar Jungs in unserer Mannschaft. Deswegen passt das gut.
SPORT1: Nach dem WM-Erfolg steht erstmal Urlaub auf Mallorca an. Danach beginnt für Sie ein neues Kapitel in Köln, denn Sie sind vom Mannheimer HC zu Rot-Weiss Köln gewechselt. Wie blicken Sie der neuen Herausforderung entgegen?
Von Montgelas: Jetzt will ich erstmal den Urlaub genießen und ein bisschen abschalten. Ich freue mich aber auch schon sehr auf das neue Kapitel. Ich war vier Jahre in Mannheim und habe dort Wirtschaftspädagogik studiert. Jetzt bin ich so gut wie fertig mit meinem Studium. Ich hatte einfach Lust, nochmal was anderes zu machen, in eine andere Stadt zu gehen – zum Großteil unabhängig vom Hockey. Am Ende ist es Köln geworden, weil ich den Verein sowie die Leute sehr cool finde und es einfach eine Top-Mannschaft ist. Das hat einfach super gepasst für mich. Natürlich ist so ein neues Kapitel auch aufregend, aber ich freue mich sehr.
SPORT1: 2028 stehen auch die Olympischen Spiele in Los Angeles vor der Tür, aber zunächst ist die EM 2027 an der Reihe. Gibt es das nächste deutsche Gold?
Von Montgelas: Es steht ja erstmal die EM 2027 an. Der nächste logische Schritt ist dann die Olympia-Qualifikation. Den Weltmeister-Titel kann uns auf jeden Fall keiner mehr nehmen. Jetzt konzentrieren wir uns voll auf die EM und die Olympia-Qualifikation, das genießt oberste Priorität. Bei Olympia etwas zu holen, ist natürlich auch ein Traum.
Darum entschied sich von Montgelas für den Hockey-Sport
SPORT1: In Ihrer Jugend spielten Sie jahrelang beim SC 1880 Frankfurt. Tragen Sie die Stadt noch im Herzen?
Von Montgelas: Immer. Schon zu meiner Zeit in Mannheim war ich öfter in Frankfurt und habe Freunde und Familie gerne besucht. Daher konnte ich es eigentlich gar nicht richtig vermissen, weil ich so oft dort war. Aber klar, ich bin in Frankfurt geboren und trage die Stadt auch im Herzen.
SPORT1: Als Kind haben Sie auch ziemlich gut Tennis gespielt. Wann haben Sie sich für Hockey entschieden und wieso?
Von Montgelas: Ich habe auf jeden Fall sehr viel Tennis gespielt, es war eigentlich auch lange meine Hauptsportart. Hockey habe ich dann gemeinsam mit einem Kindheitsfreund von mir angefangen, auch weil wir da in der Nähe gewohnt haben. Ich habe mich endgültig für Hockey entschieden, als ich 14 war. Ich wusste schon ein, zwei Jahre vorher, dass es wahrscheinlich auf Hockey hinausläuft. Ein Mannschaftssport, mit seinen Freunden zusammenzuspielen und zu reisen – das war ein Gedanke, der mir schon immer sehr, sehr gut gefallen hat. Ich bereue die Entscheidung auf jeden Fall nicht.
SPORT1: Den WM-Triumph haben Sie mit der Mannschaft in Köln gefeiert. Da war bestimmt auch das ein oder andere Kaltgetränk mit dabei?
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Von Montgelas: Wir hatten einen sehr schönen Empfang beim Kölner Rot-Weiss – meinem neuen Verein. Und es ist ja bekannt, dass Hockeyspieler ganz gut feiern können. Das haben wir auch gemacht. Wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß. Und alles andere … Ich lass das mal so stehen.