Anzeige
Home>Internationaler Fußball>

Austria Wien droht der Zwangsabstieg! So dramatisch ist die Lage

Internationaler Fußball>

Austria Wien droht der Zwangsabstieg! So dramatisch ist die Lage

Anzeige
Anzeige

Ein Traditionsklub am Abgrund

Ein Traditionsklub am Abgrund

Austria Wien droht der Zwangsabstieg in Österreich. In erster Instanz bekam der Klub keine Lizenz. Bei SPORT1 sprechen die Klub-Legenden Wohlfahrt, Polster und Ogris über das drohende Horrorszenario.
Abwehrchef David Alaba hat seinem finanziell schwer angeschlagenen Heimatverein Austria Wien unter die Arme gegriffen und zwei Prozent der Klubanteile erworben.
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Für viele Fans des Traditionsvereins ist das undenkbar. Es wäre ungefähr so, als müsse Borussia Dortmund absteigen. Ein Fünkchen Rest-Hoffnung gibt es aber noch. Zumindest bei drei Klub-Legenden der „Veilchen“.

Dem 24-maligen österreichischen Fußballmeister droht aus finanziellen und rechtlichen Gründen die Verweigerung der Lizenz für die kommenden Saison. Dies gab der Senat 5 der österreichischen Bundesliga vergangene Woche bekannt.

Schon zum zweiten Mal in Folge hat die Austria Probleme mit der Lizenz, wie die Krone-Zeitung berichtete, betrug der Schuldenstand zum Ende der Spielzeit 2020/21 rund 70,8 Millionen Euro.

Franz Wohlfahrt war von 2009 bis 2014 Torwarttrainer der ÖFB-Auswahl
Franz Wohlfahrt war von 2009 bis 2014 Torwarttrainer der ÖFB-Auswahl
Lesen Sie auch
Bei einem öffentlichen Training des chilenischen Rekordmeisters Colo-Colo kommt es zu einem Unglück. Beim Einsturz einer Tribüne werden mehrere Menschen verletzt.
Internationaler Fußball
Internationaler Fußball
vor 1 Std.
Russland mobilisiert neue Streitkräfte für den Krieg in der Ukraine. Auch ein ehemaliger Profi wird eingezogen, kann das jedoch nicht nachvollziehen.
Internationaler Fußball
Internationaler Fußball
vor 8 Std.
Mesut Özil wird dem türkischen Erstligisten Istanbul Basaksehir längere Zeit fehlen. Der frühere Nationalspieler muss sich einer Rückenoperation unterziehen.
Internationaler Fußball
Internationaler Fußball
vor 9 Std.

Wohlfahrt: Stadionbau war der Genickbruch

„Es hat in der Vergangenheit einige Fehler in der wirtschaftlichen Planung mit dem Bau des neuen Stadions gegeben, da war ich noch Sportdirektor bei der Austria. Ich habe damals mit ansehen müssen, dass es bereits Probleme mit dem Budget und der Finanzierung gab“, blickt Austria-Legende und Ex-Nationalspieler Franz Wohlfahrt im Gespräch mit SPORT1 zurück. „Das Stadion ist ein echtes Schmuckstück, aber leider war es zu teuer und es ist mehr Geld in die Infrastruktur gesteckt worden als in die Mannschaft.“

Der 57-Jährige war der Vater einiger Meistertitel mit der Austria. Von 1981 bis 1996 und von 2000 bis 2002 hütete er das Tor des Hauptstadtklubs, von 1996 bis 2000 stand Wohlfahrt im Kasten des VfB Stuttgart, mit dem er 1997 Pokalsieger wurde. Nach der Karriere war er Torwarttrainer in der österreichischen Nationalmannschaft und Sportdirektor bei der Austria.

Andreas Ogris startete seine Profikarriere 1983 bei Austria Wien
Andreas Ogris startete seine Profikarriere 1983 bei Austria Wien

„Die Situation ist natürlich angespannt und wir müssen gewisse Dinge noch aufarbeiten, aber wir wissen ja nicht erst seit gestern, dass wir finanzielle Probleme haben“, sagt Andreas Ogris im Gespräch mit SPORT1.

Ogris: „Die Austria ist meine Heimat, mein Wohnzimmer“

Der 57-Jährige stürmte von 1983 bis 1997 für die Austria und erzielte in 346 Spielen 126 Tore. Heute ist Ogris im Scouting des Klubs tätig. „Die Austria ist mein Verein, da bin ich groß geworden. Ich verdanke dem Verein sehr viel, umgekehrt aber auch. Das ist meine Heimat, mein Wohnzimmer.“

Wohlfahrt hat die aktuelle Schieflage der Austria kommen sehen, er nennt dafür den Hauptgrund. „Irgendwann wurde das immer problematischer und als dann noch der eine oder andere Sponsor weggebrochen ist und zuletzt auch klar war, dass der Deal mit Gazprom nicht mehr zu halten sein wird, kam eins zum anderen und nun ist die Lage besorgniserregend.“

Austrias Rekordtorschütze Toni Polster (166 Tore in 200 Spielen, aktuell Trainer des Drittligisten Wiener Viktoria) sieht es ähnlich. „Es war mehr oder weniger zu erwarten, weil die Situation bei der Austria schon länger sehr prekär war. Die zwei russischen Sponsoren sind weg und das trägt sicher nicht zur Gesundung des Budgets bei“, erklärt der 58-Jährige bei SPORT1.

Punkteabzug und Geldstrafe

Sollte die Austria die Lizenz in zweiter Instanz doch noch erhalten, würde der Klub mit vier Punkten Abzug für die kommende Saison 2022/23 und 20.000 Euro Geldstrafe belegt. „Ich denke schon, dass man noch eine zweite Möglichkeit kriegt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Austria Wien in der nächsten Saison nicht mehr in der Bundesliga geben wird“, prophezeit Wohlfahrt, „aber die Verantwortlichen müssen das Budget ganz runterschrauben. Die auslaufenden Verträge werden mit den jetzigen Gehältern mit Sicherheit nicht mehr verlängert.“

Austria Wien droht Punktabzug und Geldstrafe
Austria Wien droht Punktabzug und Geldstrafe

Der frühere Torwart spricht von einem jährlichen Budget von vier bis fünf Millionen Euro: „Du musst froh sein, wenn du in der oberen Playoff-Runde spielst. Jetzt spielt der Verein unter den Top 6, aber mit dem gekürzten Budget werden keine großen Sprünge mehr möglich sein.“

Urteil am 27. April

In einer Presseerklärung des Vereins hieß es: „Bestimmungsgemäß werden wir gegen diesen Beschluss des zuständigen Lizenz-Etats innerhalb der kommenden Tage schriftlichen Protest erheben, um fristgerecht die geforderten Nachweise beim Protestkomitee für dessen Entscheidung vorzubringen.“

Ein Urteil wird am 27. April gefällt.

Immerhin, ein Investor konnte endlich gefunden werden. Einen solchen suchte in der vergangenen Saison die Beraterfirma Insignia für die Austria-Bosse vergeblich. „Mit dem Investoren-Einstieg ist uns der erste Schritt in Richtung der wirtschaftlichen Stabilisierung des Vereins gelungen, allerdings sind noch viele Maßnahmen zur Kostensenkung und Erlössteigerung erforderlich, die wir im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens dargestellt haben“, erklärte nun Austria-Vorstand Gerhard Krisch.

Aufgrund der Komplexität und „Einmaligkeit“ des Investoren-Einstiegs sei es „nachvollziehbar, dass die Bundesliga weitere Rückfragen an uns stellt. Wir sind zuversichtlich, dass wir alle Themen rechtzeitig klären können“, meint Krisch.

Zudem hatte der österreichische Nationalspieler David Alaba von Real Madrid seinem finanziell schwer angeschlagenen Heimatverein im vergangenen Jahr schon unter die Arme gegriffen und zwei Prozent der Klubanteile erworben.

Toni Polster (Austria Wien, r.) beschwert sich lautstark beim Schiedsrichter
Toni Polster (Austria Wien, r.) beschwert sich lautstark beim Schiedsrichter

Wohlfahrt: „Das wäre ein Desaster“

“Die Entscheidung muss relativ bald fallen, dann geht es in die 2. Instanz. Gegen den Punkteabzug und die Geldstrafe kann auch wieder Einspruch eingelegt werden, aber es wäre schon gut, wenn es weitergeht“, meint Wohlfahrt. „Ich möchte mir nicht vorstellen, dass die Austria keine Lizenz für die neue Spielzeit bekommt. Das wäre ein Desaster und würde mir im Herzen sehr weh tun.“

Ogris glaubt, dass der Verein alles im Griff hat. „Am Ende werden wir hoffentlich die Lizenz bekommen - vielleicht mit der einen oder anderen Auflage.“ Man gehe davon aus, mit vier Minuspunkten in die neue Saison gehen zu müssen. „Aber das hat nichts mit dem aktuellen, sondern mit dem alten Lizenzierungsverfahren zu tun“, betont Ogris. „Über einen Zwangsabstieg denke ich gar nicht nach.“

Und Polster? Er hofft „als Austrianer und Fan des Vereins“ natürlich, „dass alles gut ausgeht“. Denn „die Austria hat einen so wichtigen Platz im österreichischen Fußball und muss einfach weiter existieren“.