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"Schalke immer im Herzen": Feyenoord-Keeper Timon Wellenreuther im SPORT1-Interview

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"Schalke immer im Herzen": Feyenoord-Keeper Timon Wellenreuther im SPORT1-Interview

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„Schalke immer im Herzen“

Timon Wellenreuther ist aus dem Schatten der deutschen Öffentlichkeit getreten und träumt mit Feyenoord Rotterdam von der Meisterschaft. Der Keeper aus der Schalke-Jugend spricht auch über eine mögliche S04-Rückkehr.
Timon Wellenreuther jubelt mit Feyenoord Rotterdam
Timon Wellenreuther jubelt mit Feyenoord Rotterdam
© Imago
Reinhard Franke
Reinhard Franke
Timon Wellenreuther ist aus dem Schatten der deutschen Öffentlichkeit getreten und träumt mit Feyenoord Rotterdam von der Meisterschaft. Der Keeper aus der Schalke-Jugend spricht auch über eine mögliche S04-Rückkehr.

Timon Wellenreuther kam mit 17 Jahren in die Knappenschmiede des FC Schalke 04. Am 3. Februar 2015 gab der gebürtige Karlsruher im Spiel beim FC Bayern sein Profidebüt für S04.

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Den Durchbruch schaffte er aber nicht. Es folgten für den Torwart Auslands-Engagements bei RCD Mallorca sowie bei Willem II Tilburg und dem RSC Anderlecht.

Seit vergangenem Sommer ist Wellenreuther von Willem II Tilburg an Feyenoord Rotterdam ausgeliehen. Die Niederländer sind vier Spiele vor Saisonende auf Meisterkurs und Wellenreuther zeigte zuletzt einige gute Spiele.

Seinen FC Schalke 04 hat er nie aus den Augen verloren. Im SPORT1-Interview spricht der 27-Jährige über eine mögliche Rückkehr zu den Königsblauen, ein aktuelles Märchen, die Bundesliga - und Manuel Neuer.

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SPORT1: Herr Wellenreuther, wie war es bisher in den Niederlanden?

Timon Wellenreuther: Ich habe jetzt fünf Jahre in der Eredivisie gespielt. Jede Saison war besonders. Das Erreichen des Pokal-Finales mit Willem II vor vier Jahren war schon außergewöhnlich. Diese Saison mit Feyenoord toppt natürlich alles. Für mich war es ein richtiger Schritt, im letzten Sommer zu Feyenoord zu gehen, ein europäischer Spitzenclub mit großer Wucht und unglaublichen Fans. Trainer Arne Slot hat mich geholt, auch wenn Justin Bijlow vor der Saison als Nr. 1 gesetzt war. Er ist schon viele Jahre hier und Nationaltorhüter. Ich habe immer hart trainiert und darauf vertraut, dass ich meine Spiele bekomme. Durch die Verletzung von Justin ist es auch so gekommen und ich habe 14 Spiele in Liga, Pokal und Europa-League gemacht. Ich bin froh, dass ich zeigen konnte, was ich kann und der Mannschaft in einer entscheidenden Phase der Meisterschaft helfen konnte.

SPORT1: Für Bijlow war es sicher hart, schon wieder verletzt auszufallen.

Wellenreuther: Absolut. Er hat in den letzten Jahren oft Pech gehabt und ist für viele Spiele ausgefallen. Daran traf ihn aber keine Schuld. Seine Verletzungsgeschichte ist bemerkenswert. Da habe ich ihn schon bedauert. Wir verstehen uns gut und schätzen uns gegenseitig.

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SPORT1: Feyenoord ist vier Spieltage vor Saisonende Tabellenführer. Ist das ein Märchen?

Wellenreuther: Ja, aber auch das Ergebnis harter Arbeit. Vor allem hat niemand damit gerechnet, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt mit acht Punkten Vorsprung Tabellenführer sind, weil Ajax seit Jahren immer vorne war. Zudem hatte Feyenoord im letzten Sommer einen großen Umbruch und unser Team ist extrem jung. Zum Glück ist Trainer Arne Slot geblieben. Wir sind super zufrieden, wie alles gelaufen ist. Jetzt wollen wir den Meistertitel.

„Da war auch ich geschockt“

SPORT1: Kleiner Wermutstropfen war das Ausscheiden in der Europa League und im Pokal.

Wellenreuther: Ja, das waren zwei bittere Abende. Vor allem das Pokalhalbfinale gegen Ajax zu Hause, weil dieser Feuerzeugwurf und die Verletzung von Klaassen das ganze Spiel kaputt gemacht haben. In Rom haben fünf Minuten gefehlt.

SPORT1: Sie sprechen es an - im Pokal musste das Halbfinale gegen Ajax für 20 Minuten unterbrochen werden, Ajax-Spieler Davy Klaassen erlitt eine blutende Kopfwunde. Wie schockiert waren Sie nach dem Feuerzeugwurf?

Wellenreuther: Zunächst hatte ich die Verletzung gar nicht mitbekommen. Auslöser war ein Zweikampf zwischen den beiden Kapitänen, dann eine große Spielertraube und viel Gerangel. Besonders laut geschrien und Stress gemacht hatte Klaassen. Dann erst habe ich seinen blutenden Hinterkopf gesehen. Da war auch ich geschockt. Bei aller verständlichen Emotion in den Spielen Feyenoord gegen Ajax wurde hier eine Grenze klar überschritten. So etwas geht gar nicht. Zurzeit passieren in den Niederlanden ähnliche Dinge, zum Beispiel Becherwürfe. Das wird sicher bald nicht mehr vorkommen.

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Davy Klaassen und Timon Wellenreuther gerieten aneinander
Davy Klaassen und Timon Wellenreuther gerieten aneinander

SPORT1: Warum glauben Sie das?

Wellenreuther: Es wurden klare Regeln aufgestellt, dass ein Spiel abgebrochen wird, wenn zweimal Becher geworfen werden. Das wurde auch schon umgesetzt

„Das ist völliger Schwachsinn“

SPORT1: Da greift man offenbar härter durch als in der Bundesliga.

Wellenreuther: Ja. Jeder Fan in den Niederlanden merkt gerade, wie schlimm es ist, so etwas zu machen. Das war anfangs niemandem bewusst. Jetzt wird knallhart durchgegriffen. Jeder Fan überlegt es sich jetzt zweimal, ob er Becher oder Feuerzeuge auf den Platz wirft, was im Übrigen völliger Schwachsinn ist. Warum macht man das überhaupt? Selbst eigene Spieler wurden schon beworfen. Das ist uncool und gefährlich.

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SPORT1: Sie kommen aus der Schalker Knappenschmiede, sind aber im Ausland zu einem gestandenen Torwart gereift. War das Ihr Plan?

Wellenreuther: Dass ich inzwischen in Spanien, Belgien und den Niederlanden insgesamt sieben Jahre im Ausland spiele, war damals nicht unbedingt geplant. Aber ich habe dabei unheimlich viel gelernt und Erfahrungen gesammelt, die mich wirklich zu einem gestandenen Torwart gemacht haben, ja. Mir kam es immer darauf an, viel Spielpraxis zu haben. Mit rund 150 Einsätzen in der ersten Liga in den Niederlanden und Belgien sowie im Pokal ist mir das auch ganz gut gelungen.

SPORT1: Ihr Torwart-Kollege Bijlow ist wieder fit. Wie enttäuscht sind Sie, erneut auf der Bank sitzen zu müssen?

Wellenreuther: Klar, das war schon hart. Vor allem deshalb, weil ich mich in diesen 14 Spielen wirklich in eine Top-Form gebracht hatte. So war es aber vorher schon verabredet und der Klub hat sich daran gehalten. Aber ich bin dennoch sehr froh, dass ich meinem Team helfen konnte. Gerade das gewonnene Elfmeterschießen im Pokal, der entscheidende Sieg bei Ajax, aber auch der anschließende Sieg bei Sparta und die Europa-League-Spiele gegen Donezk werden mir unvergessen bleiben. Die Dankbarkeit der Fans für meine Leistungen macht mich sehr stolz.

„Dann wird es eine Riesen-Party geben“

SPORT1: Zuletzt haben Sie eine Gelbe Karte erhalten, obwohl Sie auf der Bank saßen. Was war da los?

Wellenreuther: Bei unserem Euro-League-Auswärtsspiel in Rom wurde einer unserer Spieler vom Co-Trainer der Roma an der Seitenlinie bei einem Einwurf tätlich angegriffen. Dafür bekam er die Rote Karte. Bei der anschließenden Rudelbildung musste ich unseren Spieler schützen. Das war für mich selbstverständlich ... für den Schiri wohl nicht. (lacht)

SPORT1: Bei Feyenoord lebt der Traum, nach sechs Jahren wieder einen Titel zu gewinnen. Wie groß ist die Euphorie?

Wellenreuther: Die Sehnsucht nach dem Titel ist unfassbar groß. Ich persönlich habe so einen glänzenden Pokal in meiner Karriere auch noch nicht hochgehalten. Vor allem für unsere Fans wäre der Titelgewinn der Wahnsinn. Es wäre wirklich unbeschreiblich. Nach diesem großartigen Jahr hätten wir den Titel auch verdient. Wir haben in der Liga erst ein Spiel verloren und gerade in der Rückrunde die Liga dominiert, auch wenn uns keiner auf der Rechnung hatte. Und wenn man nach vielen Jahren wieder Erster ist, dann freut man sich umso mehr. In jedem Gesicht der Fans sieht man die Sehnsucht nach dem Titel. Wenn der Tag kommen wird, dann wird es in Rotterdam eine Riesen-Party geben.

SPORT1: Können Sie das Erfolgsgeheimnis in dieser Saison erklären?

Wellenreuther: Ein richtiges Erfolgsgeheimnis haben wir nicht. Aber wir haben eine super Mannschaft. Das klingt abgedroschen, ist aber so. Wir spielen sehr dominant mit viel Ballbesitz. Bei uns gibt es tolle Persönlichkeiten im Team und wir verstehen uns untereinander einfach gut. Jeder geht für den anderen durchs Feuer. Wenn einer mal schlecht drauf sein sollte, wird er vom Kollegen unterstützt. Unser Trainer hat uns ideal zusammengeschweißt. Er stimmt uns mit einer starken Taktik-Idee perfekt auf den Gegner ein. Es macht einfach riesig Spaß, bei Feyenoord zu sein.

SPORT1: Ist es also wie ein kleiner Traum?

Wellenreuther: Nicht direkt ein Traum, weil wir uns jeden Sieg hart erarbeiten müssen. Wir kriegen nichts geschenkt. Wenn man die bisherige Saison Revue passieren lässt, dann waren schon einige Spiele dabei, die wir hinten heraus noch gedreht haben. Unsere Mentalität und unser Siegeswille sind entscheidend.

SPORT1: Sie wurden schon von RSC Anderlecht an Willem II ausgeliehen. Jetzt sind Sie erneut bis zum Sommer an Feyenoord ausgeliehen. Wollen Sie nicht auch einmal fest länger bei einem Verein sein?

Wellenreuther: Auf jeden Fall. Im Sommer werde ich mich nicht mehr verleihen lassen.

„Deshalb habe ich Schalke immer im Herzen“

SPORT1: Schalke kämpft um den Verbleib in der Bundesliga. Wie verfolgen Sie die Königsblauen?

Wellenreuther: Ich bin ein Karlsruher Junge, aber mit 17 Jahren bin ich nach Schalke gegangen und dort dann später auch Profi geworden. Deshalb habe ich Schalke 04 immer im Herzen und verfolge den Klub in guten wie in schlechten Zeiten. Diese Saison war die Vorrunde fürchterlich, die Rückrunde läuft wesentlich besser. Der Sieg gegen Bremen in der Schlussphase wird noch einmal einen richtigen Schub geben. Mit Thomas Reis hat man die Kurve echt wieder gekriegt. Königsblau darf wieder hoffen. Ich hoffe der Klub schafft über die Relegation den Klassenerhalt. Noch besser natürlich direkt. Meine Daumen sind jedenfalls gedrückt.

SPORT1: Würde ein erneuter Abstieg dem Verein das Genick brechen?

Wellenreuther: Nein. Schalke 04 ist so kraftvoll und mächtig, dass auch ein Abstieg überwunden werden würde. Aber er soll und muss in jedem Fall vermieden werden.

SPORT1: Sie wollen sich nach dieser Spielzeit nicht mehr ausleihen lassen, sagten Sie. Ist die Bundesliga Ihr Ziel?

Wellenreuther: Es gibt auch Überlegungen, im Sommer in die Bundesliga zu wechseln. Zurzeit gibt es Gespräche in verschiedene Richtungen. Meine Spiele für Feyenoord wurden natürlich nicht nur in den Niederlanden gesehen. Ich habe noch ein Jahr Vertrag beim RSC Anderlecht, aber Feyenoord hat eine Kaufoption.

Schalke-Rückkehr: Wellenreuther „würde immer genau hinhören“

SPORT1: Gehen Ihre Gedanken nur in Richtiug Bundesliga, oder wäre auch die 2. Liga denkbar?

Wellenreuther: Was Deutschland angeht, gibt es derzeit nur Interesse aus der Bundesliga.

Timon Wellenreuther im Revierderby gegen Marco Reus
Timon Wellenreuther im Revierderby gegen Marco Reus

SPORT1: Wäre eine Rückkehr zu Schalke ein Traum?

Wellenreuther: Bei Schalke würde ich jedenfalls immer genau hinhören.

SPORT1: Für Schalke würden Sie auch in die 2. Liga gehen?

Wellenreuther: Jetzt warten wir erst einmal die nächsten Wochen ab und drücken Schalke fest die Daumen ...

Sommer-Kritik „unfair“ - Neuer klare Nummer eins

SPORT1: Sie haben es sicher auch mitbekommen. Yann Sommer durchlebt gerade beim FC Bayern eine schwierige Zeit, wird oft kritisiert. Zu Recht?

Wellenreuther: Yann Sommer ist nicht der Einzige, der beim FC Bayern gerade kritisiert wird. Da läuft momentan sicher einiges nicht rund. Aber die Krise an Sommer festzumachen, ist unfair. Da tut er mir echt leid. Grundsätzlich ist es für einen Torwart schwer, in einem Klub zu spielen, bei dem es nicht läuft.

SPORT1: Manuel Neuer wird demnächst zurückkommen und seinen Platz als Nummer 1 wieder beanspruchen. Wird es dann umso schwerer für Sommer?

Wellenreuther: Ja. Neuer ist Neuer. Da müssen wir nicht diskutieren. Wenn er zurückkommt, wie er vor seiner Verletzung drauf war, dann darf es eigentlich keine Zweifel geben.