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Medien: Fünf iranische Fußballerinnen flüchten zur Polizei

Sorgen um Irans Fußballerinnen

Um Irans Fußballerinnen gibt es nach dem Aus beim Asien-Cup große Sorgen. Fünf Spielerinnen flüchten zur Polizei.
Szene vor dem Spiel gegen die Philippinen
Szene vor dem Spiel gegen die Philippinen
© AFP/SID/STR
Um Irans Fußballerinnen gibt es nach dem Aus beim Asien-Cup große Sorgen. Fünf Spielerinnen flüchten zur Polizei.

Als der Bus mit Irans Fußballerinnen das Stadion im australischen Gold Coast verließ, brach kurz Chaos aus. „Rettet unsere Mädchen“ und „Regimewechsel für Iran“ riefen Hunderte im Regen wartende Fans, einige versuchten aus Sorge um die Mannschaft sogar die Abfahrt zu verhindern. Doch die Polizei schritt ein, und wenig später war der Bus in der Dunkelheit verschwunden.

Auf Videos ist zu sehen, wie einige der im Bus sitzenden Spielerinnen die Fans mit ihrem Handy filmten und winkten, andere starrten nach vorne, eine Person zog den Vorhang zu. Die Angst war offensichtlich: Am nächsten Morgen verließen laut CNN fünf Spielerinnen das Teamhotel und suchten Schutz bei der Polizei.

Nationalspielerinnen singen Hymne nicht mit

Öffentlich gesprochen hat niemand aus der Mannschaft, wohl auch aus Vorsicht. Denn auch ohne Wortmeldung droht nach dem Aus bei der Asienmeisterschaft in der Heimat der Zorn des Regimes.

Der Grund liegt ein paar Tage zurück: Beim ersten Vorrundenspiel gegen Südkorea (0:3) hatten die Spielerinnen auf das Singen der Nationalhymne verzichtet - ein Schritt, der als offener Protest gegen die Führung gewertet wird und nach Einschätzung von Menschenrechtsgruppen ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Ein Kommentator bezeichnete die Spielerinnen im Staatsfernsehen als „Kriegsverräterinnen“ und forderte Konsequenzen.

Rufe nach Unterstützung werden lauter

Vor den Spielen gegen Australien (0:4) und die Philippinen (0:2) sangen die Spielerinnen dann wieder die Hymne und salutierten dabei. Ob zuvor Druck ausgeübt worden war, blieb unklar.

Sorgen gibt es dennoch, die Rufe nach Unterstützung werden lauter. Nach Politikern, Menschenrechtsaktivisten und der „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling setzte sich zuletzt auch Reza Pahlavi, der älteste Sohn des ehemaligen Schahs, für das Team ein. Er rief Australiens Regierung zum Schutz auf.

Pahlavi forderte, „für ihre Sicherheit zu sorgen und ihnen jegliche benötigte Unterstützung zu gewähren“. Der Sohn des letzten Schahs positioniert sich aus dem Exil heraus seit Jahren als möglicher Anführer eines demokratischen Übergangs in Iran.

Fans widersetzen sich Verbot

Offen ist aber, ob überhaupt alle Spielerinnen Schutz oder gar Asyl wollen. Viele müssten bei einem Verbleib in Australien wohl Konsequenzen für ihre Familien in der Heimat fürchten, einige von ihnen haben Kinder. In der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel sagte Nationaltrainerin Marziyeh Jafari: „Wir warten voller Ungeduld auf unsere Rückkehr. Ich persönlich möchte so schnell wie möglich in mein Land zurückkehren und bei meinen Landsleuten und meiner Familie sein.“

Während des Spiels gegen die Philippinen hatten Fans trotz Verbots eine Fahne mit einem Löwen und einer Sonne gezeigt, diese hatte vor der iranischen Revolution als offizielle Staatsflagge gedient. Eine Interaktion mit der Mannschaft blieb trotz der lautstarken Anfeuerung aus. Zur einzigen Ausnahme kam es laut BBC, als eine Spielerin im Seitenaus behandelt wurde und den Zuschauern einen Kuss zuwarf, woraufhin tosender Applaus ertönte.

Nach dem Schlusspfiff verließen die Iranerinnen dann aber umgehend den Rasen und stiegen in den Bus. Einen Tag später ergriffen zumindest fünf von ihnen die Flucht zur Polizei. Wohin die Reise der anderen führt, blieb unklar.