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Wird das nächste Fußballmärchen wahr?

Das nächste Fußballmärchen?

Erst im vergangenen Jahr schrieb Mjällby AIF als Sensationsmeister Geschichte. Nun steht mit IK Sirius erneut ein Überraschungsteam an der Spitze der Allsvenskan. Zwar riss am Wochenende eine irre Erfolgsserie, doch der erste Meistertitel bleibt für den Klub aus Uppsala weiter greifbar.
Adam Wikman (l.) und Kapitän Henrik Rönnlöf Castegren schreiben mit IK Sirius an einem Fußballmärchen
Adam Wikman (l.) und Kapitän Henrik Rönnlöf Castegren schreiben mit IK Sirius an einem Fußballmärchen
© IMAGO/TT
Erst im vergangenen Jahr schrieb Mjällby AIF als Sensationsmeister Geschichte. Nun steht mit IK Sirius erneut ein Überraschungsteam an der Spitze der Allsvenskan. Zwar riss am Wochenende eine irre Erfolgsserie, doch der erste Meistertitel bleibt für den Klub aus Uppsala weiter greifbar.

Das Stadion Strandvallen im Fischerdorf Hällevik hat im vergangenen Jahr eine gewisse Berühmtheit erlangt, schließlich legte Mjällby AIF dort den Grundstein für seine sensationelle Meisterschaft. Am Wochenende war das Schmuckkästchen erneut Schauplatz eines Spektakels.

Der Titelverteidiger empfing seinen möglichen Thronfolger. Ein Gipfeltreffen der schwedischen Überraschungsmannschaften. Während Mjällby als Elfter der Allsvenskan nichts mit dem diesjährigen Titelrennen zu tun hat, greift IK Sirius erstmals in seiner Geschichte nach den Sternen.

Der 1907 gegründete Klub aus Uppsala ist benannt nach dem hellsten Stern am Nachthimmel, spielte bislang im schwedischen Fußball aber eher eine unscheinbare Rolle. Der größte Erfolg war ein siebter Platz 2017 im ersten Jahr nach der Rückkehr ins Oberhaus.

2013 noch in der dritten Liga, jetzt bald Meister?

Noch bis 2013 spielten die Blau-Schwarzen, die ihre Blütezeit in den 1960er- und 70er-Jahren mit einigen Saisons in der Allsvenskan erlebten, in der dritten Liga. Jetzt steht Sirius plötzlich auf Platz eins. Wie hat der Verein das hingekriegt?

Bei der Suche nach einer Antwort hilft der Blick zurück auf eine krachende Niederlage. Am 29. September 2025 ging IK Sirius mit 2:8 bei Djurgardens IF unter.

Doch während nach solchen Pleiten ein Trainerwechsel als üblicher Reflex gilt, vertraute der Klub aus der Universitätsstadt in der Nähe von Stockholm weiter Chefcoach Andreas Engelmark.

„Der Verein verdient Lob dafür, dass er an seinen Überzeugungen festgehalten hat, an Andreas, der in dieser Zeit auf eine harte Probe gestellt wurde“, sagte Abwehrspieler Henrik Rönnlöf Castegren dem schwedischen Rundfunk SVT im Frühjahr. „Seit dem Spätsommer haben wir meiner Meinung nach kontinuierlich auf einem sehr hohen Niveau gespielt.“

2:8-Klatsche läutet Erfolgsserie ein

Und vor allem: Sirius hat einfach nicht mehr verloren. Im Anschluss an die 2:8-Klatsche bei Djurgarden blieb der Klub saisonübergreifend 21 Spiele in Serie ungeschlagen. In der laufenden Spielzeit, die in Schweden im Kalenderjahr ausgetragen wird, belegt IK Sirius seit dem zweiten Spieltag Platz eins. In der Hinrunde wurden 13 von 15 Spielen gewonnen.

Mit 47 Toren stellt die Überraschungsmannschaft den besten Angriff der Liga. Gerade in den Spielen gegen die Topteams wie AIK (3:0), Rekordmeister Malmö FF (3:2), Djurgarden (3:2), Elfsborg (3:1) und IFK Göteborg (4:1) präsentierte sich Sirius treffsicher.

Den Preis des Erfolgs zahlte der Spitzenreiter in der vergangenen Woche: Toptorjäger Robbie Ure, der in 15 Spielen 15 Treffer erzielte, wechselte für 6,5 Millionen Euro zum spanischen Erstligisten FC Sevilla.

Aber Sirius wappnete sich mit der Verpflichtung von Otso Liimatta, der als Leihspieler des FC Famalicao zuvor bei Ligakonkurrent Halmstads BK nur ein Reservistendasein pflegte. Und damit wären wir wieder beim eingangs erwähnten Spektakel.

„Sirius kollabiert“: Überraschende erste Niederlage

Bei seinem ersten Startelfeinsatz für seinen neuen Klub traf Liimatta am Samstag im Strandvallen gleich in der sechsten Minute zur frühen Führung für die Gäste. In der 24. Minute legte der Finne sogar seinen zweiten Treffer zum 2:0 nach – allerdings verletzte er sich dabei und musste ausgewechselt werden. Und das Drama nahm seinen Lauf.

Zwar stellte Sirius noch vor der Pause durch Isak Bjerkebo auf 3:0, das nächste Statement des Spitzenreiters schien gesetzt. Doch Mjällby gab sich noch nicht geschlagen, drehte die Partie mit vier Toren im zweiten Durchgang. Der Siegtreffer von Olle Lindberg zum 4:3 drei Minuten vor Schluss besiegelte die erste Saisonniederlage für den Tabellenführer.

„Sirius kollabiert“, titelte Dagens Nyheter. Kapitän Castegren bat die Fans nach dem Zusammenbruch um Entschuldigung. „Ich habe gesagt, dass wir es besser machen werden“, berichtete Castegren bei TV4 Play vom Austausch mit den Anhängern.

Wird das nächste schwedische Fußballmärchen trotzdem wahr?

Verfolger Hammarby IF erhöhte am Sonntag mit einem 4:0-Sieg bei Kalmar FF den Druck auf Sirius. Der zwischenzeitlich stolze Vorsprung von 15 Punkten ist mittlerweile auf neun Zähler geschrumpft.

Auch Cheftrainer Engelmark fand nach der Niederlage deutliche Worte. „Das ist natürlich eine katastrophale Leistung von uns. Letztendlich liegt die Verantwortung bei mir, aber auch die Spieler müssen ihren Teil dazu beitragen. Seit dem Sommer haben wir bereits drei Führungen verspielt. Wir müssen uns überlegen, was wir besser machen können, um mental stärker zu werden.“

Im vergangenen Jahr zog Sirius die richtigen Schlüsse aus einer empfindlichen Niederlage und startete eine Erfolgsserie. Gelingt das erneut, kann der Klub aus Uppsala das nächste schwedische Fußballmärchen wahr werden lassen.