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Serie A: Atalanta Bergamo baut neue Leihspieler-Armee auf - FIFA wehrt sich

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Serie A: Atalanta Bergamo baut neue Leihspieler-Armee auf - FIFA wehrt sich

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Bergamos perfides Spiel

Bergamos perfides Spiel

Die Leihspieler-Armee von Atalanta Bergamo steht seit Jahren in der Kritik. Nun stemmt sich auch die FIFA gegen diesen fragwürdigen Trend.
Emmanuel Latte wurde bereits achtmal von Atalanta Bergamo verliehen
Emmanuel Latte wurde bereits achtmal von Atalanta Bergamo verliehen
© Imago
Niklas Trettin
Niklas Trettin

Der 1. Juli ist beim italienischen Spitzenklub Atalanta Bergamo jedes Jahr ein spezielles Datum.

An jenem Tag wächst der Kader des Klubs alle zwölf Monate immens an. Zu Beginn dieser Saison kehrten 58 Leihspieler (!) in die Lombardei zurück – ein Vorgang, der in Bergamo seit geraumer Zeit Gang und Gebe ist. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Serie A)

Die meisten Rückkehrer bleiben der Nerazzurri aber nicht erhalten, sondern sollen schnellstmöglich weitergereicht werden. Längst ist der letztjährige Tabellenachte der Serie A zu einer Verleihstation, einer Art Umladebahnhof für Profi-Fußballer in ganz Europa, geworden.

Neben Atalanta selbst kann das System der Leihgeschäfte speziell für kleinere Vereine aus unterklassigen Ligen lukrativ sein, da es oftmals deren klamme Kassen entlastet. Gleichzeitig dürfen junge Talente regelmäßig Spielpraxis auf Profi-Niveau sammeln und sich in Ruhe entwickeln.

Bestes Beispiel für einen Klub, der davon profitierte: Die US Cremonese landete am Ende der vergangenen Saison in der Serie B auf Platz zwei und schaffte erstmals seit 1996 den Aufstieg in Italiens höchste Spielklasse – mit der Hilfe von vier Leihspielern aus dem benachbarten Bergamo.

Kaum Aussichten auf den Durchbruch

Trotz dieser vermeintlich positiven Seite der Medaille bleibt klar, dass ein Großteil der sogenannten Leihspieler-Armee niemals das Trikot von Atalanta tragen und im Spitzenbereich generell nicht Fuß fassen wird.

Vielmehr hat der Verein ein fragwürdiges Geschäftsmodell auf die Beine gestellt und inzwischen perfektioniert. Durch eine Mischung aus gezieltem Scouting und einer erstklassigen Akademie sammelt der Klub unzählige talentierte Akteure zusammen. Diese werden entweder so lange verliehen, bis sie für gut befunden werden, das Profi-Team zu verstärken oder aber eine nennenswerte Ablösesumme einbringen.

Den langen Weg durch die Atalanta-Jugendabteilung und anschließenden Leihstationen gingen auch die drei teuersten Abgänge der Klubgeschichte, die sich mittlerweile allesamt auf internationaler Ebene durchgesetzt haben.

Dejan Kulusevski geht aktuell in der Premier League für Tottenham Hotspur auf Torejagd, Franck Kessie wechselte erst kürzlich zum FC Barcelona und Alessandro Bastoni ist ein fester Bestandteil des Abwehrriegels von Inter Mailand. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Serie A)

In der laufenden Transferperiode wartet Atalanta noch auf den ganz großen Coup. Obwohl die Lombarden bereits 36 Spieler an unterschiedlichste Klubs weitergereicht haben, dürfte die Leihspieler-Armee in den kommenden Tagen weiter anwachsen. Nach wie vor sind im Profi-Kader des Vereins 40 Akteure gelistet.

Ex-Frankfurter wartet auf Abnehmer

Unter den 40 Spielern befindet sich auch Sam Lammers. Zur Saison 2020/21 wechselte der Niederländer zu Atalanta Bergamo, kam während seiner ersten Spielzeit jedoch nicht über die Rolle des Reservisten hinaus und stand lediglich einmal in der Startelf.

Eine folgende Leihe zu Eintracht Frankfurt half Lammers allerdings nicht – der 25-Jährige enttäuschte auch beim amtierenden Europa-League-Sieger. (DATEN: Die Tabelle der Serie A)

Auf einen Durchbruch in Italien darf Lammers somit kaum hoffen. Stattdessen droht ihm ein langer Aufenthalt in der Leihspieler-Armee.

Dass nicht alle Profis einen derart erfolgreichen Weg wie Kulusevski, Kessie oder Bastoni einschlagen, wird Lammers nämlich langsam dämmern.

Im aktuellen Leihspieler-Kontigent von Atalanta befindet sich unter anderem Christian Mora, der zum sechsten Mal verliehen ist. Stefano Mazzini sowie Emmanuel Latte Lath wurden gar schon achtmal vorübergehend abgegeben.

FIFA sucht nach Lösungen

Atalanta stellt keinen Einzelfall dar. Vor allem bei Topklubs in Italien, Spanien und England ist es üblich, junge Spieler in Scharen bei anderen Vereinen zu parken.

Auch der FC Chelsea war über viele Jahre hinweg ein bekanntes Beispiel der Leihspieler-Armee, aus der jetzige Stars wie Mason Mount, Tammy Abraham, Andreas Christensen oder Alvaro Morata hervorgingen. Inzwischen sind die Blues von diesem Vorgehen abgerückt.

Die FIFA setzt sich derweil für ein Abrüsten der Leihspieler ein. Laut einem Statement will der Weltverband damit „einer Reihe besorgniserregender Trends entgegenwirken, die insbesondere den Klubfußball in den letzten Jahren beeinträchtigt haben. Die FIFA ist zuversichtlich, dass das neue Leihreglement dazu beitragen wird, das Horten von Spielern zu verhindern.“

Seit Monatsanfang darf ein Verein nur noch acht Leihgeschäfte pro Saison tätigen. In den kommenden beiden Jahren wird dieses Gesetz zunehmend verschärft.

Das Problem an dem FIFA-Plan: Alle Akteure, die höchstens 21 Jahre alt sind oder vom verleihenden Klub selbst ausgebildet wurden, sind von der Regelung ausgenommen – was bei Atalanta auf nahezu alle Leihspieler zutrifft.

Neue Regelungen treffen die Falschen

Außerdem legte die FIFA-Regel fest, dass Vereine ab sofort maximal nur noch drei Profis gleichzeitig an einen anderen Klub verleihen dürfen. Dadurch soll ein weiterer Fall wie bei Cremonese verhindert werden.

Dies beeinflusst jedoch eher das Handeln von Vereinen mit Kooperationspartnern oder internationale Konstrukte wie die City Football Group, die von Manchester City angeführt wird.

So hält beispielsweise auch der FC Bayern München eine gute Beziehung zum österreichischen Bundesligisten Austria Klagenfurt aufrecht. Dorthin hat der deutsche Rekordmeister das chinesische Torwart-Talent Shaoziyang Liu verliehen.